Schichtwechsel im Tagebau Cottbus-Nord

Nach 30 Jahren Kohleförderung entsteht aus dem ehemaligen Tagebau Cottbus-Nord ein mehrfach nutzbarer See: der Cottbuser Ostsee. Baumaßnahmen der Superlative wie das Ausformen des Seebeckens und die Profilierung der insgesamt 26 Kilometer langen Uferlinie charakterisieren die Dimensionen des Vorhabens.

2018 war die Flutungsbereitschaft für den Cottbuser Ostsee hergestellt. Ab April 2019 wird dem Seebecken Wasser aus der Spree zuströmen. So verwandelt sich bis Mitte der 2020er Jahre der vormals kleinste aktive Tagebau der Lausitz in Brandenburgs größtes Binnengewässer und den größten Bergbaufolgesee Deutschlands.

Der Tagebau Cottbus-Nord

Über 30 Jahre lang versorgte der Tagebau Cottbus-Nord gemeinsam mit dem benachbarten Tagebau Jänschwalde das Kraftwerk Jänschwalde. Cottbus-Nord lieferte dabei etwa ein Viertel des jährlichen Bedarfs an Braunkohle des 3.000-Megawatt-Kraftwerks. Etwa 45 Meter tief lagerte das Braunkohlenflöz. Es war bis zu elf Meter mächtig. Die ersten Vorbereitungen für den Aufschluss des Tagebaus einschließlich der Absenkung des Grundwasserspiegels begannen Mitte der 1970er Jahre. Am 8. April 1981 fuhr der erste Kohlezug in das Kraftwerk, am 23. Dezember 2015 der letzte. Mit dem planmäßigen Abschluss der Kohleförderung begann für uns eine neue Etappe in der Entwicklung der Bergbaufolgelandschaft – die Herstellung eines Sees. Er soll künftig Naherholung und Tourismus fördern, der Fischerei dienen und an seinen Ostufern der Natur ungestörte Entwicklungsmöglichkeiten geben.

Landschaft nach dem Bergbau

Das Seebecken wurde aus dem Kippenrelief des Tagebaus Cottbus-Nord geformt. Dazu waren umfangreiche Erdbauarbeiten erforderlich. Um damit ungehindert beginnen zu können, mussten unmittelbar nach Beendigung des Kohleabbaus die komplette Infrastruktur des Tagebaus und alle Großgeräte zurückgebaut werden. In der künftigen Seemitte wurden rund 20 Millionen Kubikmeter Kippenboden umgeschichtet, um eine sichere Nachnutzung beispielsweise für Bootsverkehr und Fischerei gewährleisten zu können. Die abgetragenen Erdmassen verfüllen die ehemalige Kohlebahnausfahrt und formen daraus die Bärenbrücker Bucht. Etwa 140 Erdbaugeräte waren auf der Großbaustelle Cottbuser Ostsee täglich im Einsatz.

Sichere Ufer

Parallel dazu begann die Sicherung der Uferbereiche. Dazu wurden die natürlich gewachsenen, nicht vom Bergbau beeinflussten Uferböschungen im Süden, Westen und Norden auf einer Länge von 14 Kilometern profiliert und abgeflacht. Das Ostufer und seine vorgelagerten Inseln sind mit Tagebautechnik aufgeschüttete Areale, für die zusätzliche Stabilisierungsmaßnahmen ergriffen wurden. Zur Sicherung dieser Ufer kam die bewährte Technologie der Rütteldruck- und Fallgewichtsverdichtung zum Einsatz, welche die locker gelagerten Sande bis in Tiefen von maximal 50 Metern verdichtete. Entstanden ist ein zwölf Kilometer langer und etwa 120 Meter breiter unterirdischer Damm mit fester Bodenstruktur, der den Ufern dauerhaft Standsicherheit verleiht. Insgesamt 46 Millionen Kubikmeter Erdreich sind auf diese Weise verfestigt worden.

Wasser für den Cottbuser Ostsee

Mehr als 80 Prozent des erforderlichen Wassers dürfen laut Genehmigung des Landes Brandenburg aus der Spree entnommen werden. Weniger als 20 Prozent resultieren aus dem Grundwasseranstieg. Die Flutung des Ostsees ist Bestandteil des regionalen Wassermanagements im Einzugsgebiet der Spree. Sie unterliegt festen Regeln, die vorgeben, wann und wie viel Wasser zugeführt werden darf.

Die Wasserentnahme aus der Spree erfolgt nur in Zeiträumen, in denen der Fluss reichlich Wasser führt. Im Wechsel der Jahreszeiten wird das vor allem in den Wintermonaten oder beim Auftreten sommerlicher Hochwasser der Fall sein. Wasser wird stets nur in dem Maße entnommen, wie es der Schutz der Tier- und Pflanzenwelt sowie die Nutzungsinteressen der Spreeanrainer zulassen.

4% 4%
Füllstand des Cottbuser Ostsees
728.656 m³
Anteil aus der Spree

Die Flutung

Im April 2019 beginnt die Flutung. Voraussichtlich fünf bis sechs Jahre wird es dauern, bis das Seebecken vollständig gefüllt ist. Hier gibt es wöchentlich die aktuellen Zahlen zum Füllstand und dem Anteil des Spreewassers.

Letzte Änderung: 26.04.2109

Das Flutungswasser aus der Spree wird über den Hammergraben in Höhe des Wehrs Lakoma abgeleitet. Für die Wasserentnahme wurde ein sogenanntes Abschlagsbauwerk mit einer Kapazität von maximal 5.000 Litern pro Sekunde errichtet. Von dort fließt das Wasser durch einen unterirdischen Zuleiter im freien Gefälle zum Einlaufbauwerk. Das Einlaufbauwerk befindet sich unterhalb einer Besucherplattform. Aus der Rohrleitung des Zuleiters strömt das Flutungswasser hier in einer breiten, flachen Rinne über die Ufer- und Randböschung bis zur Sohle des früheren Tagebaus. Ein steuerbares Auslaufbauwerk für den See, das östlich von Willmersdorf errichtet wird, gewährleistet später die Anbindung an das regionale Gewässernetz über den Schwarzen Graben. Dabei nutzt es das natürliche Gefälle des Geländes.

Aufgrund der schnellen Flutung und des großen Anteils an Spreewasser wird dem Cottbuser Ostsee eine Gewässergüte prognostiziert, die ohne zusätzliche Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität auskommt. Die Sichttiefen werden zwischen sechs und acht Metern liegen.

Der Zielwasserstand des Cottbuser Ostsees liegt bei 62,5 Metern über dem Meeresspiegel (NHN), mit einer Schwankungsbreite zwischen 61,8 und 63,5 Metern NHN. Auch bis einen Meter oberhalb und zwei Meter unterhalb dieses Schwankungsbereichs verhindert ein flach angelegtes Uferendprofil Schäden durch die Wellenbewegung des Sees und bietet Sicherheit für die Badegäste.

Erlebnis Bergbaufolgelandschaft

Zwischen dem Spreewald im Norden und dem Seenland im Süden setzt der Cottbuser Ostsee ein neues Ausflugsziel auf die Landkarte der Lausitz. Entsprechend groß ist das Interesse der künftigen „Küstenorte”, sich den See für die spätere touristische Nutzung zu erschließen.

Die Ideen der umliegenden Kommunen sind dabei sehr vielfältig. Sie reichen vom Bau von Häfen und Wasserskianlagen über den Ausbau von Radwegen und der Infrastruktur bis hin zur Regelung der Schiffbarkeit. 

Auch Unternehmen und Hochschulen beschäftigen sich mit den Potentialen des bisher größten künstlichen Sees in Deutschland.

Besondere Areale für Natur- und Landschaftsentwicklung hält das Ostufer des Sees bereit. Mit seinen reich strukturierten Insel- und Flachwasserbereichen bietet es Fauna und Flora individuelle Lebensräume. Unter anderen werden hier Wasservögel wie Saat- und Blässgänse, Graureiher und Haubentaucher attraktive
Rastplätze und Jagdreviere vorfinden.

Wandel erfahren

Am Cottbuser Ostsee entsteht ein Radwegenetz, das die Uferbereiche des Sees mit Erlebnisorten im Revier und im Umland der Bergbaufolgelandschaft verbinden wird. Mit der gebotenen Vorsicht können verschiedene Aussichtspunkte schon während der Flutung besucht werden. Der „Fürst-Pückler-Radweg“ führt von Cottbus kommend direkt an den Rand des früheren Tagebaus. Radwanderer, die zwischen Neuendorf, Merzdorf und Schlichow an der zukünftigen Uferlinie unterwegs sind, treffen vielerorts auf Informationstafeln, die auf den Landschaftswandel aufmerksam machen und Wissenswertes zu Bergbau und Regionalgeschichte vermitteln. Ein lohnendes Ziel für einen großartigen Rundumblick ist der Aussichtsturm in Merzdorf. Aus 30 Meter Höhe können sich die Besucher ein eindrucksvolles Bild von der Dimension des Gesamtprojekts „Cottbuser Ostsee“ machen. Am Flutungsbauwerk erwartet die Gäste eine begehbare Aussichtsplattform direkt über dem Zuleiter.

Achtung während der Flutung

Solange der Cottbuser Ostsee geflutet wird, dürfen die Uferbereiche nicht betreten werden. Es besteht Lebensgefahr!
Mit dem Ansteigen des Wasserspiegels taucht auch die Innenkippe im Zentrum des Sees in das Wasser ein. Damit verlieren die Kippensande ihren Halt und können schlagartig in die tieferen Randbereiche des Seebeckens abrutschen. 

Die abrutschenden Kippensande verdrängen das Wasser dabei so schnell, dass sich am Ufer eine mehrere Meter hohe Schwallwelle erheben kann. Mit zunehmender Wassermenge im See können diese Schwallwellen auch bis auf den abgeflachten Uferbereich auflaufen. Diese Vorgänge sind absehbar und wurden bei den Sicherheitsvorkehrungen vor Ort berücksichtigt.

Bitte nehmen Sie die Sicherheitshinweise ernst – in Ihrem eigenen Interesse! Erst wenn der Endwasserstand erreicht ist, haben sich die Kippensande so abgelagert, dass es zu keinen Schwallwellen mehr kommen kann. Am Ufer sind dann nur noch die typischen Wellenbewegungen durch den Wind zu spüren. Nach der bergrechtlichen Freigabe kann der Cottbuser Ostsee genutzt werden.