Tagebau

Jänschwalde

Der Tagebau Jänschwalde liegt im Nordosten von Cottbus. Die Braunkohle wird mit einer der größten Förderbrücken des Typs F 60 im Lausitzer Revier freigelegt. Direkt auf der Kippe, die die F 60 hergestellt hat, entwickelt sich das "Grüne Herz", eine Renaturierungsfläche mit naturnahem Wald und heimischen Wildpflanzen. 

Bergbau in Jänschwalde

Der Startschuss für die energiewirtschaftliche Entwicklung der Cottbuser Region fiel in den 1970er-Jahren. Der Tagebau Jänschwalde, etwa 15 Kilometer nordöstlich von Cottbus gelegen, wurde 1974 aufgeschlossen und lieferte zwei Jahre später erstmals Braunkohle. Voraussichtlich 2023 werden die genehmigten Rohstoffvorräte erschöpft sein. Die Versorgung des benachbarten Kraftwerksstandorts übernehmen dann die weiter südlich gelegenen LEAG-Tagebaue. 

Aktuell richtet sich die Deutsche Umwelthilfe mit Widerspruch und Klage gegen den Hauptbetriebsplan 2019 für den Tagebau Jänschwalde. Im Eilverfahren ordnete das Verwaltungsgericht Cottbus eine umfangreiche Prüfung der FFH-Verträglichkeit an. Vom 1. September 2019 bis zum Abschluss der Prüfung ruht der Tagebaubetrieb. Es finden lediglich Maßnahmen zum Erhalt der geotechnischen Sicherheit statt. mehr Information

Zahlen und Fakten

1976

Beginn der Kohleförderung

9,1 Mio. t

geförderte Braunkohle (in 2018)

2.574 ha

rekultivierte Fläche (bis 12/2018)

Die Geräte im Tagebau Jänschwalde

Im Vorschnitt des Tagebaus ist ein Schaufelradbagger vom Typ SRs 2000 im Einsatz. Das rund 3.000 Tonnen schwere Gerät gewinnt die oberen Bodenschichten. Dieser Abraum wird mit Förderbändern um den Tagebau herum transportiert. Auf der Kippenseite nimmt ein Absetzer das Bodenmaterial auf und schüttet damit die Grundlage für die Folgelandschaft des Bergbaus. Der Geräteverband der F 60 legt die Braunkohle frei. Er besteht im Tagebau Jänschwalde aus drei leistungsstarken Eimerkettenbaggern und einer 650 Meter langen Bandbrückenkonstruktion.

Der gesamte Komplex der F 60 wiegt mehr als 30.000 Tonnen. Direkt unterhalb der Förderbrücke bauen drei Schaufelradbagger und zwei Eimerkettenbagger den Rohstoff Braunkohle ab. Abraum, der als Zwischenschicht im Braunkohleflöz anfällt, wird separat gefördert und gelangt mittels angeschlossener Bandwagen auf die Kippenseite. Die gewonnene Braunkohle wird per Bandanlage aus dem Tagebau Jänschwalde heraus zur Kohleverladung transportiert. Von hier aus bringen sie Züge des LEAG eigenen Eisenbahnbetriebs zum Kraftwerk Jänschwalde.

Wasser für das Tagebauumfeld

Filterbrunnen senken den Grundwasserspiegel für den sicheren Tagebaubetrieb bis unter die Braunkohleschicht ab. Das gehobene Wasser wird entweder im Kraftwerk Jänschwalde als Brauchwasser eingesetzt oder zur Stützung des Wasserhaushalts an das Tagebauumfeld sowie an die Flüsse Spree und Neiße abgegeben. Die qualitätsgerechte Aufbereitung des Wassers erfolgt in speziellen Behandlungsanlagen.

Von 1979 bis 2000 sowie von 2007 bis 2009 wurde entlang der östlichen Tagebaugrenze eine insgesamt elf Kilometer lange und bis zu 84 Meter tiefe Dichtwand errichtet. Die unterirdische Barriere aus Ton verhindert, dass die Grundwasserabsenkung für den sicheren Tagebaubetrieb schützenswerte Feuchtgebiete insbesondere in der Neiße-Niederung oder das polnische Staatsgebiet beeinflusst, wie regelmäßige Messungen belegen. Auch ein Zufluss von Grundwasser aus östlicher Richtung in den Tagebau wird damit abgeschirmt.

Bergbaufolgelandschaft für Mensch und Natur

Bei der Gestaltung der Bergbaufolgelandschaft des Tagebaus Jänschwalde werden landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche, fischereiwirtschaftliche und wasserwirtschaftliche Nutzungsinteressen ebenso berücksichtigt wie die Belange des Naturschutzes, der Landschaftspflege und der Erholung. So ist es raumordnerisch durch den Braunkohlenplan der Landesregierung geregelt. Rund 1.000 Hektar der bisherigen Jänschwalder Bergbaufolgelandschaft wurden mit Mischwäldern aufgeforstet. Auf einem etwa ebenso großen Areal entstanden landwirtschaftliche Nutzflächen. Von Beginn an wirken regionale Landwirte als potenzielle Folgenutzer bei der Boden- und Ertragsentwicklung mit. Ist die Rekultivierung abgeschlossen, werden die Flächen zur Pacht angeboten, mit der Option eines späteren Erwerbs.

Das "Grüne Herz" von Jänschwalde

Inmitten der Betriebsfläche von Jänschwalde entsteht ein großflächig zusammenhängender Renaturierungskorridor, den naturnaher Wald, Wiesen und Offenland prägen. Um auf anfangs vegetationsfreien Kippen lausitztypische Wildpflanzen anzusiedeln, wird die Mahd ausgewählter Wiesen ausgebracht oder separat gewonnener Oberboden aus dem Tagebauvorfeld auf den Flächen verteilt. Gezielte Pflanzungen und das Ausbringen von Saatgut ergänzen diese Methoden. Auch seltene Arten nehmen die weiten Areale, die ihnen der Tagebau bietet, an. So befindet sich heute im „Grünen Herz“ von Jänschwalde ein bedeutsames Vorkommen des Acker-Wachtelweizens in Brandenburg, einer Art, die stark gefährdet ist. Auch Kartäuser-Nelke, Steppen-Lieschgras und Pfingst-Nelke wachsen hier.

Die Rückkehr der Malxe

Eine Lebensader im Renaturierungskorridor von Jänschwalde ist die Malxe. Der Fluss wurde 1972 für den Tagebaubetrieb auf sechs Kilometer Länge unterbrochen. Jetzt soll die Malxe zwischen Bohrau und Heinersbrück wieder durch eine bis zu 145 Meter breite Auenlandschaft fließen und damit an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren. Bis es soweit ist, sind umfangreiche Vorbereitungen erforderlich. Für die Malxeaue muss der aus locker abgelagerten Kippensanden bestehende Untergrund durch besondere Erdbauverfahren verdichtet werden. In der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre soll sich planmäßig der Ausbau des Gewässerbetts anschließen. Dieser beinhaltet auch die Reaktivierung und Anbindung des Malxe-Oberlaufs bei Mulknitz, über den der neu angelegte Flusslauf wieder mit Wasser versorgt werden wird. Bis die Malxe ihre ursprünglichen Funktionen als Fließgewässer vollständig zurückerlangt, wird die Talaue bereits gute Bedingungen für wechselfeuchte Lebensräume bieten, die willkommene Zwischenstationen für die Besiedlung des Renaturierungskorridors sind.