Jänschwalde
Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde verfügt über eine installierte Leistung von derzeit 1.500 Megawatt, verteilt auf drei Kraftwerksblöcke. Der Standort Jänschwalde soll über den Kohleausstieg hinaus mit nachhaltigen Energielösungen erhalten und zum Zukunftsstandort umgebaut werden.
Energie aus dem Nordosten
Im Jahr 1976 wurde der Grundstein für den Kraftwerksstandort Jänschwalde in der Nähe der Stadt Peitz (Brandenburg) gelegt. Zwischen 1981 und 1989 gingen die insgesamt sechs Kraftwerksblöcke (A-F) mit jeweils 500 MW Leistung ans Netz. Neben Strom liefert das Kraftwerk Wärme für den Standort sowie für Cottbus und Peitz.
Im Zuge des deutschen Kohleausstieg wird die Leistung des Kraftwerks Jänschwalde seit 2018 schrittweise reduziert. Die ersten beiden Blöcke E und F waren im Rahmen einer von der Bundesregierung beschlossenen Sicherheitsbereitschaft für Braunkohlekraftwerke zum 1. Oktober 2018 (F) und 1. Oktober 2019 (E) vom Netz genommen worden. Beide Blöcke wurden für Versorgungsengpässe vorgehalten und sollten nach vier Jahren endgültig stillgelegt werden. Im Oktober 2022 kehrten sie vor dem Hintergrund der angespannten Situation auf den Energiemärkten im Rahmen einer Versorgungsreserve an das Stromnetz zurück. Nach dem bis Ende März 2024 befristeten Einsatz wurden sie endgültig stillgelegt.
Das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG) von 2020 sieht Ende 2025 und 2027 zwei weitere Blöcke in Jänschwalde für eine zeitlich gestreckte Stilllegung vor. Damit verringerte sich Ende 2025 die verfügbare Leistung zunächst auf 1.500 MW. Ende 2028 wird das Kraftwerk Jänschwalde gemäß KVBG vollständig stillgelegt.
Parallel wird die Umwandlung des Standortes vorbereitet. Unter Einbindung der kommunalen Partner sollen der Kraftwerksstandort sowie die Flächen der ehemaligen Tagesanlagen Jänschwalde in den kommenden Jahren gemeinsam mit den angrenzenden Bergbauflächen zu einem Zukunftsstandort für nachhaltige Energielösungen im Raum Jänschwalde/Peitz umgebaut werden. Neben Wind- und Solaranlagen, die derzeit auf den Flächen des Tagebaus Jänschwalde entstehen, sind weitere Elemente wie Batteriespeicher und eine 380-kV-Schaltanlage zur Steuerung von Stromflüssen für eine ganzheitlich integrierte Energielandschaft geplant.
Einhaltung von Umweltstandards
In den 1990er-Jahren durchlief das Kraftwerk Jänschwalde ein umfassendes Modernisierungsprogramm für den effizienten und umweltgerechten Weiterbetrieb. Im Zeitraum von 1991 bis 1996 wurden alle Kraftwerksblöcke mit modernster Umweltschutztechnik nachgerüstet und für einen effizienten Weiterbetrieb ertüchtigt. Dazu gehörte zum Beispiel die Nachrüstung von Entschwefelungsanlagen für das Rauchgas, der Umbau der Dampferzeuger für eine stickoxidarme Verbrennung der Kohle und die Modernisierung der Elektrofilter zur Staubabscheidung. 2014 konnte ein weiteres mehrjähriges Programm zur Modernisierung aller im Kraftwerk betriebenen Dampfturbinen abgeschlossen werden.
Effektive Mitverbrennung
Das Kraftwerk Jänschwalde ist ein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb für die Mitverbrennung aufbereiteter Abfälle. Mittels zusätzlicher technischer Einrichtungen an den betreffenden Blöcken wird durch die gemeinsame Verbrennung mit Braunkohle in den vorhandenen Feuerungsanlagen eine umweltgerechte Entsorgung mit Synergieeffekten gesichert.
Kraftwerke immer fit halten
Am Standort Jänschwalde hat auch die Zentrale des Instandhaltungsmanagements Kraftwerke der LEAG ihren Sitz. Die Mitarbeiter wirken an allen vier LEAG-Kraftwerksstandorten und sind verantwortlich für die technische Sicherheit und eine hohe Verfügbarkeit der Kraftwerksanlagen. Im Laufe der Jahre hat sich dabei eine verlässliche Zusammenarbeit mit spezialisierten Firmen im Umfeld der Kraftwerksstandorte entwickelt.
Im Zentrum ihrer täglichen Arbeit steht die Planung und Durchführung aller notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen. Um die Anlagen stets fit zu halten, gehören die laufende Instandhaltung und Revisionen ebenso dazu wie spezielle Instandhaltungsprojekte und das Qualitätsmanagement.
Das Kraftwerk als Lebensraum
Seit über 30 Jahren werden am Kraftwerksstandort Speisefische gezüchtet. Heute arbeitet hier die Fischzucht Jänschwalde GmbH. Das Unternehmen nutzt das warme Kühlwasser, um zum Beispiel Karpfen zu überwintern und danach in die Peitzer Teiche auszusetzen. Jedes Jahr können die Fischer etwa 60 Tonnen Karpfen, 60 Tonnen Lachsforellen und Saiblinge sowie zehn Tonnen anderer Speisefischarten produzieren.
Als Ersatzanflugpunkt für die ehemaligen Schornsteine, die nach der Nachrüstung von Rauchgasentschwefelungsanlagen ausgedient hatten, wurden an den Blöcken A und D Nistkästen für Wanderfalken angebracht. Pro Kasten werden jährlich bis zu drei Falken flügge. Außerdem gibt es auf dem Kraftwerksgelände ein Brutfloß für Flussseeschwalben – eine Möwenart, die auf der Roten Liste bedrohter Tierarten steht.