22.07.2025

Die Zahlen sind beeindruckend: 11 Kilometer Flusslänge, 400 Hektar Fläche, knapp 10 Jahre Bauzeit, 180.000 umgesetzte Amphibien, 38 Ordner Planungsunterlagen und 40 Millionen Euro Gesamtkosten. Die Renaturierung der Spreeaue war ein Landschaftsbauprojekt der Superlative an einem Flussabschnitt, der eine naturschutzfachliche Aufwertung dringend nötig hatte. Heute schlängelt sich die Spree zwischen Döbbrick und Schmogrow mäandrierend durch eine vielfältige und naturnahe Auenlandschaft.

Luftbild der Spreeauen mit Kraftwerk im Hintergrund

Die renaturierte Spreeaue mit Fischtreppe und zwei im Zuge der Maßnahmen hergestellten Stillgewässern in Höhe der Ortslage Maiberg, Foto: Andreas Franke für LEAG

Fledermauskasten im Renaturierungsgebiet der Spreeauen

Weit mehr als 100 Flachkästen dienen Fledermäusen in der Spreeaue als Sommerquartier, Foto: Andreas Franke für LEAG

Wer dachte mit dem großen Abschlussfest im Herbst 2013 ist das Projekt Spreeauen-Renaturierung beendet und die Natur fortan sich selbst überlassen worden, der irrt. Denn es folgten viele weitere Jahre intensiver Arbeit der Landschaftspflege und des Prüfens, ob mit den umgesetzten naturschutzfachlichen Maßnahmen an den richtigen Stellschrauben gedreht worden ist. So wurde in den zurückliegenden Jahren das Augenmerk auf die Erfolgskontrolle gelegt.

Ist die Spree für Fische an den Stellen, wo neue Bauwerke und Flusswege entstanden sind, durchgängig? Haben sich Fischotter, Amphibien, Fledermäuse und viele weitere Arten dauerhaft in dem Gebiet angesiedelt? Funktioniert der Wasserrückhalt über die neu entstandenen oder neu angebundenen Seitenarme der Spree? Und bewahrt die Auenlandschaft die landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen im Hinterland zuverlässig vor den Auswirkungen von Hochwässern?

Informationstafel im Renaturierungsgebiet der Spreeauen

An Informationstafeln können sich Besucher über den Landschaftswandel in der Spreeaue informieren. Ein sanfter Tourismus soll der Natur genug Raum für Entwicklung geben, Foto: Andreas Franke für LEAG

Ein langer Marathon erreicht sein Ende

Regelmäßig waren und sind Gutachter und Vertreter von Behörden auf den renaturierten Flächen entlang der Spree unterwegs, um sich selbst ein realistisches Bild von dem Wandel und der Entwicklung der Landschaft und der neu geschaffenen Lebensräume zu machen. Erst wenn der Erfolg aller umgesetzten Maßnahmen behördlich bescheinigt ist, gilt dieses Renaturierungsprojekt als abgeschlossen. An diesem Punkt eines langen Marathons ist das Projekt nach weiteren 10 Jahren nun fast angekommen, wie Dr. Thomas Koch, der Leiter Geotechnik bei LEAG berichtet. „Wir haben mit der renaturierten Spreeaue in den letzten knapp 20 Jahren ein großartiges Landschaftswandel-Projekt geschaffen, bei dem wir die komplexen Themen des Naturschutzes mit dem Bergbau in Einklang gebracht haben,“ so Dr. Koch.

„Besonders beeindruckt mich das unermüdliche Engagement meiner Kolleginnen und Kollegen für die Natur. Sei es in der Spreeaue oder an anderen Orten im Revier. Für uns ist klar, der Naturschutz wird immer ein zentraler Punkt unseres Handeln bleiben“.

„Unser Fokus liegt darauf, den Charakter der Auenlandschaft zu bewahren.“

Dr. Paulina Hofsoe-Oppermann, Naturschutz LEAG

Eine Naturwissenschaftlerin, die über den Erfolg der Maßnahmen in der Spreeaue mit wacht, ist Dr. Paulina Hofsoe-Oppermann. Seit Februar 2020 ist Paulina Teil des Naturschutz-Teams bei LEAG. Für die Spreeaue koordiniert sie unter anderem die Pflegemaßnahmen und hält den Kontakt zu den Behörden, Gutachtern und beauftragten Firmen. Beauftragt werden Mäharbeiten und Baumrückschnitte sowie die Pflege eines im Zuge der Renaturierung neu angelegten Nebengerinnes. Zusätzlich erfolgt die Kontrolle der Bewirtschaftung der Fischteiche. „Unser Fokus liegt darauf, den Charakter der Auenlandschaft zu bewahren. Dazu muss das Wasser möglichst lange in der Aue gehalten werden“, erklärt Paulina.

Dr. Paulina Hofsoe-Oppermann, Naturschutzteam LEAG und Stine Thieß, Leiterin des Bereichs Naturschutz/Rekultivierungsplanung bei LEAG

Stine Thieß (rechts im Bild), Leiterin des Bereichs Naturschutz/Rekultivierungsplanung und Dr. Paulina Hofsoe-Oppermann (links), Foto: LEAG

Ein weiterer Landschaftsgestalter ist aktiv

Biber Abbiss am Stamm im Renaturierungsgebiet der Spreeauen

Spuren des Bibers an Bäumen in der Spreeaue, Foto: LEAG

Nicht unerwartet kommt dabei seit einiger Zeit von einem weiteren Landschaftsgestalter Unterstützung hinzu. Der Biber ist in dem Gebiet heimisch geworden und setzt seitdem alles daran, den Wasserabfluss in dem Nebengerinne südlich des Teufelsbergs zum Schutz seines Baus zu unterbrechen. An den Ufern zeugen zahlreiche abgebissene oder umgestürzte Baumstämme davon. Stine Thieß, Leiterin des Bereichs Naturschutz/Rekultivierungsplanung bei LEAG berichtet, dass ein hoher Wasserstand für den Biber zum Schutz seines Baus vor Feinden wichtig ist.

„Der Eingang zum Biber-Bau muss unter Wasser liegen, damit Fressfeinde die Höhle und damit den Nachwuchs des Bibers nicht erreichen können“, so Stine. Der Bau selbst liegt über Wasser auf dem Trockenen und ragt durch reichlich aufgeschichtetes Ast- und Baumstamm-Material sichtbar in die Höhe. Den vom Biber errichteten Damm im Nebengerinne hat die LEAG in Abstimmung mit den Behörden zu einem kleinen Durchfluss verholfen.

„Wir müssen Sorge dafür tragen, dass es zu keinen vom Biber verursachten großflächigen Überschwemmungen kommt. Zwar sind die umliegenden Flächen als Vernässungsflächen ausgewiesen aber gerade in den feuchten Wintermonaten kann es dann schnell zu viel Wasser auf den Flächen werden“, begründet Stine den kleinen technischen Eingriff, der einen Abfluss in Maßen sichern soll.

Biberbau am Ufer der Spreeauen im Renaturierungsgebiet

Am Nebengerinne ist der Biber als zusätzlicher Landschaftsgestalter aktiv, Foto: Andreas Franke für LEAG

Vom Fischotter bis zur Rotbauchunke – die Spreeaue ist zur Heimat geworden

Fischaufstiegsanlage Sohlgleite in der Spree im Renaturierungsgebiet

Fische können die Spree dank errichteter Fischaufstiegsanlage gut passieren, Foto: Andreas Franke für LEAG

Doch nicht der Biber stand zu Beginn der Planungs- und Bauarbeiten für die Spreeauenrenaturierung Anfang/Mitte der 2000er-Jahre im Fokus der Planer, sondern Amphibien wie die Rotbauchunke, Insekten wie der Eremit und der Feuerfalter, sowie der Fischotter. Für diese Arten sollten mit neu angelegten Teichen und Auenflächen neue Biotope als Ersatz für die durch den Tagebau Cottbus-Nord in Anspruch genommenen Lakomaer Teiche geschaffen werden. Dass der Fischotter über eigens eingerichtete Korridore schnell den Weg in die gut mit Fisch gefüllten Spreeauen-Teiche gefunden hat, ließ sich noch während der Renaturierungsarbeiten nachweisen. Bei Amphibien und Insekten halfen die Renaturierungs-Experten des mit der Spreeauen-Renaturierung beauftragen Büros von Dr. Christoph Gerstgraser nach und sammelten mit Unterstützung vieler Helfer innerhalb weniger Jahre rund 180.000 Amphibien und Kaulquappen per Hand ein, um sie in die Spreeaue einzubringen, wo Zäune sie für die ersten drei Jahre vom Abwandern abhalten sollten.

„Wir konnten in den zurückliegenden Jahren den Erfolg der Maßnahmen nachweisen.“

Dr. Christoph Gerstgraser, Ingenieurbüro gerstgraser

Planfeststellungsbeschluss über den erfolgreichen Projekt-Abschluss steht bevor

Der von seinem Büro erarbeitete Kartierungsbericht liegt jetzt bei der LEAG und soll zeitnah an die Behörde übermittelt werden. „ Mit dem Kartierungsbericht haben wir dann alle Voraussetzungen geschaffen, damit uns die Behörde die Erfüllung der Nebenbestimmungen aus dem Planfeststellungsbeschluss bestätigen kann“, zeigt sich Paulina Hofsoe-Oppermann erleichtert. Und auch Christoph Gerstgraser ist zufrieden über das Erreichte. „Wenn man weiß, wie sich diese Landschaft verändert hat, dann ist das wirklich toll. Wir haben da miteinander etwas Großartiges geschaffen, was auch von den Menschen als Naherholungsgebiet gut angenommen wird“, so sein Fazit.

Tourismus: Besucherparkplatz an den Spreeauen
1/4 Der Besucherparkplatz nahe Dissen ist mit naturfreundlichen Materialien gestaltet, Foto: Andreas Franke für LEAG
Tourismus: Kletterskulpturen für Kinder nahe des Besucherparkplatzes an den Spreeauen
2/4 Die Tiere der Spreeaue als Holzfiguren: Fisch und Otter, Foto: Andreas Franke für LEAG
Tourismus: Teufelsskulptur an den Spreeauen
3/4 Der Teufelsberg mit der Holzskulptur des Cottbuser Künstlers Hans-Georg Wagner liegt nur wenige Schritte vom Besucherparkplatz entfernt und bietet einen weiten Blick in die Landschaft, Foto: Andreas Franke für LEAG
Weidenweg an den Spreeauen
4/4 Zwischen Besucherparkplatz und Teufelsberg gehen Besucher durch einen Weidentunnel. Mit viel Aufwand wird dieser in Form gebracht, Foto: Andreas Franke für LEAG
Luftbild der Spreeauen mit Teichen

Die Karpfenteiche links im Bild werden extensiv fischereiwirtschaftlich betrieben. Der Fischotter findet dennoch dort seine Nahrung, Foto: Andreas Franke für LEAG

Mit der Malxe wirft ein weiteres Fluss-Renaturierungsprojekt seine Schatten voraus

Für ihn als Wasserbau-Experten ist mit der Renaturierung der Spreeaue aber noch kein Ende seines Wirkens im Lausitzer Revier in Sicht. Womöglich könnten mit dem Kohleausstieg und dem dadurch geringeren Wasserabfluss in der Spree weitere Umgestaltungen von anderen Spreeabschnitten notwendig werden. Denn wo weniger Wasser fließt, droht der Fluss mit Schilf zuzuwachsen, was wiederum zu verschiedenen negativen Auswirkungen führt.

Aber ehe diese Folgen sichtbar werden, widmet er sich mit seinem Team noch einem anderen Flussprojekt. Im Tagebau Jänschwalde entsteht derzeit ein neues Flussbett für die Malxe, deren Verlauf vor vielen Jahrzehnten durch die Kohleförderung unterbrochen worden ist. Damit in dem neuen Flussbett wieder Wasser fließen kann, sind viele Jahre Planungsarbeit erforderlich. Ein Projekt, das erneut zum Lebensprojekt für nächste Generationen werden könnte.

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Autor

Kathi Gerstner

Direkt nach meinem Studium der Kulturwissenschaften hatte ich die Möglichkeit, in vielen Bereichen der Kommunikation unseres Energieunternehmens tätig zu sein. Seit mehr als zehn Jahren gehöre ich zum Team der Pressesprecher. Dort bin ich Ansprechpartnerin für die Medien zu allen Themen der LEAG-Geschäftswelt.  

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