12.03.2024

Sylwia Senczyszyn ist Geschäftsführerin der HPS Holzkontor und Pelletierwerk Schwedt GmbH. Mit der Übernahme von HPS im Frühjahr 2022 durch die LEAG wechselte sie mit unter das Konzerndach. Wenn Sylwia vom Pellet-Business spricht, ist sie in ihrem Metier. Besonders gut gefällt der gebürtigen Polin, dass der Pelletmarkt global gedacht werden muss – vielleicht, weil Internationalität auch ihre eigene Biografie geprägt hat.

Sylwia Senczyszyn, Foto: Andreas Franke

Ihr Jahrgang war 1989. Der erste, dem es in der Schule freistand, als Fremdsprache Deutsch oder Englisch zu wählen. Bis dato war Russisch Pflicht gewesen. Wegen der Grenznähe entscheidet sich die Familie für Deutsch.

Als Jahre später polnische Schüler für die gymnasiale Oberstufe in der Uckermarck gesucht werden, zahlen sich die Sprachkenntnisse aus: Sylwia geht in Deutschland zur Schule und macht hier auch ihr Abitur. „Ich war somit Bildungsinländerin und konnte mich an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder für Internationale Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt internationalem Management einschreiben“, erzählt sie.

War dies ohne Probleme möglich, forderte die Familie eine andere Formalität heraus. „Meine Eltern mussten sich vor einem Notar verpflichten, mich finanziell zu unterstützen, da ich ja keinen Anspruch aufBafög hatte. Mein Vater war Seemann und konnte die nötigen Termine immer nur so legen, dass sie zu den Landungen passen. Aber auch das haben meine Eltern schließlich hinbekommen“, erinnert sich Sylwia. Ihr Pflicht-Auslandssemester verbrachte sie schließlich in Spanien – und blieb nach ihrem Abschluss für den Job dort. „Studiert habe ich dort auf Englisch, im Job und Alltag Spanisch gesprochen. Irgendwann habe ich mir diese Sprachkenntnisse dann auch zertifizieren lassen“, lacht Sylwia.

Sylwia ist Managerin – sowohl privat als auch beruflich, Foto: Andreas Franke

Von der Traderin zur Managerin

Der Liebe wegen kehrt Sylwia nach Polen zurück und steigt in dem Biomasse-Familienunternehmen ihres Mannes als Trader ein. „Hier habe ich alles von Grund auf gelernt. Den Einkauf, den Verkauf, die Anforderungen der Erzeuger zu verstehen. Und als schließlich Zertifizierungen im Biomassegeschäft eingeführt wurden, habe ich mich auch in diesen Bereich eingearbeitet. Man kann sagen, ich bin ein Generalist und das sehr gern. Ich möchte alle Prozesse verstehen, die das Geschäft betreffen“, sagt sie. Das habe ihr auch bei HPS geholfen, wo sie schließlich als Logistikerin und Traderin ein- und schnell zur Managerin aufsteigt.

„Klar habe ich mir erst Sorgen gemacht, ob etwa die Männer in der Produktion mich von Anfang an respektieren. Außer mir gibt es in der Firma nur zwei weitere Frauen, aber immerhin 28 Männer.“ Das sei jedoch kein Problem gewesen. „Es hat geholfen, dass ich mich wirklich interessiert habe und mich ernsthaft mit jedem Bereich beschäftigt habe. Da kam die Anerkennung schnell. Und ich suche immer nach Gemeinsamkeiten, nicht nach den Unterschieden. So lassen sich besser Brücken bauen.“

Die HPS-Übernahme durch die LEAG eröffnet Sylwia noch einmal eine neue Perspektive. „Als jemand, der immer gefühlt alles selbst gemacht hat, ist es eine ganz neue Erfahrung, dass es jetzt für jeden Teilbereich Experten gibt. Das gefällt mir sehr, denn je besser das Team, desto besser der Output. Und wir haben ein sehr gutes Team.“ Diversität sei dabei für den Erfolg entscheidend. 

„Ich bin überzeugt davon, dass dies zu stabileren Lösungen führt, weil einfach bereits sehr viele unterschiedliche Sichtweisen in die Problembetrachtung mit einfließen. Und ich glaube, dass Frauen in jedem Team eine Bereicherung sind. Wir sind zielstrebig und terminiert, einfach weil wir schon durch die zusätzliche Care Arbeit zu Hause gewohnt sind, alles effektiv zu gestalten und zu managen.“

Women@LEAG

Anlässlich des Internationalen Frauentags präsentieren wir die Porträtreihe "Women@LEAG", die den starken Frauen bei der LEAG gewidmet ist. In unserem Unternehmen haben unsere Kolleginnen seit jeher in den unterschiedlichsten Bereichen wichtige und verantwortungsvolle Positionen inne.

Wir glauben, dass es nicht nur inspiriert, weibliche Erfolge, Herausforderungen und Perspektiven sichtbar zu machen, sondern auch wesentlich dazu beiträgt, mit Stereotypen zu brechen. Mit dieser Serie möchten wir die Leistungen von Frauen in unserem Unternehmen regelmäßig würdigen, nicht nur an einem einzelnen Tag im Jahr.

Ruhepol Familie

Ihren vollen Arbeitstag mit ihrem Familienleben zu vereinbaren, das geht nur, weil alle an einem Strang ziehen. Ihr Mann, die Großeltern, alle machen mit.

„Ich komme spät nach Hause, da sind die Kinder schon von der Schule abgeholt und haben nachmittags etwas gegessen. Nur ihre Hausaufgaben warten noch auf mich.“

Umso mehr schätzt Sylwia die Möglichkeit, ab und an aus dem Home Office zu arbeiten oder Gleitzeit zu nutzen. „Für junge Mütter, die stark in den Job eingebunden sind, ist das wirklich großartig. So kann ich die zwei Stunden Fahrzeit, die ich sonst habe, effektiv nutzen und auch im Familienalltag präsenter sein.“

Überhaupt sei die Familie ihr Ruhepol. Die Wochenenden gehören deshalb ganz ihren Kindern und ihrem Mann. „Wir sind alle sehr aktiv und sportlich. So laden wir unsere Akkus auf“, erzählt sie.

Worte allein sind nicht so wirkungsvoll wie unser eigenes Handeln als Eltern. Ohne Bewegung gibt es kein effektives Lernen, daher ist es unumgänglich, selbst aktiv zu werden und ein gutes Beispiel zu sein, auch wenn das Sofa nach der Arbeit sehr verlockend ist.
 

Zukunftsvisionen

Wie es für sie im Job weiter geht? „Ich will weiter viel lernen und mich immer wieder neu bewähren. Die LEAG wird Vorreiter in unserem Geschäftsfeld und ich möchte das gern mitsteuern, neue Ansätze mitentwickeln und Lösungen finden. Und vielleicht gibt es ja bei uns irgendwann ein internationales Trading Team. Schließlich wird Bio Masse, und dazu gehören nicht nur Pellets, international gehandelt. Das wäre schon so ein kleiner Zukunftstraum von mir.“

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Autor

Kristin Bulkow

Ich bin ein Spreewaldkind und habe in Berlin und in Schweden Kommunikations- und Politikwissenschaft studiert. Zunächst in der Kommunikationsforschung tätig, führten mich meine beruflichen Wege an die TU Dresden und die TU Ilmenau. Schließlich tauschte ich Theorie gegen Praxis und gestaltete seitdem die Kommunikation und Fundraisingaktivitäten verschiedener Unternehmen in der Lausitz. Mein Kommunikationsherz schlägt für Technik, Innovation und Fortschritt. Und für Menschen, die sich für unsere Region einsetzen. Im Kommunikations-Team der LEAG bin ich für die digitalen Medien zuständig - ein Verantwortungsbereich, der meine kommunikativen Lieblingsthemen perfekt miteinander vereint.

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