09.01.2018

Jeder Eigenheimbesitzer sorgt für die kalte Jahreszeit vor, indem er zum Beispiel den Öltank auffüllt, die Heizung warten lässt, schaut, ob der Schneeschieber intakt ist und sich mit ausreichend Streusand und eventuell Salz bevorratet. Und ein Unternehmen wie die LEAG? Ein Unternehmen, das zum großen Teil im Freien agiert? Wie bereitet man sich hier auf den Winter vor? 

Alljährlich, so erfahre ich von Dietmar Kauer, Leiter Betriebskoordinierung der LEAG-Bergbausparte und Gert Schletter, Leiter Koordinierung für die Kraftwerke der LEAG, die beide bereits über vier Jahrzehnte Wintererfahrung im Unternehmen verfügen, trifft man sich Anfang November zur gemeinsamen Winterberatung. Zudem werden Dokumente für die Betriebsführung unter Winterbedingungen aktualisiert, notwendige Verträge mit externen Partner abgeschlossen, Prozesse und Zuständigkeiten – auch zwischen Bergbau und Kraftwerksbereich - abgestimmt. Alles Routine also? Kauer verneint: „Routine, die nicht hinterfragt wird, darf das nie werden.“  Natürlich gebe es Standards, die sowohl in der Vorbereitung  als auch im Verlauf des Winters abgearbeitet werden. Doch dürfe man sich auf keinen Fall zum Beispiel einfach am Vorjahr orientieren.  Jeder Winter sei sozusagen neu.

Winteridylle gibt es auch im Tagebau, hier ein Bild aus Welzow, Foto: LEAG

Dabei, so erklärt mir Dietmar Kauer, sei der „größte Feind des Bergmanns“ nicht der Frost. Es sind die Temperaturen um den Gefrierpunkt, wenn es lange feucht ist , bei um die Null Grad und dann Frost kommt. Dann sind Anbackungen das größte Problem – sowohl für den Tagebau-  als auch für den Eisenbahnbetrieb. Deshalb ist es auch so wichtig, die Bandanlagen immer zu reinigen von Schlamm oder Schneematsch, um das Anbacken zu verhindern. Es hört sich vielleicht simpel an – aber das Sauberhalten aller  Anlagen und Waggons ist die Grundvoraussetzung für eine störungsfreie Arbeit im Winter. Das Reinigungsregime ist ein Schwerpunkt in den „Winterdokumenten.“

Konkrete Vorbereitung bereits im Oktober

Bevorratung ist bei den Bergleuten wie im Privaten ein wichtiger Punkt. Allerdings kommt hier zum Salz noch Kerosin dazu. Die Mengen sind natürlich ganz andere. Mehr als 3.000 Tonnen Salz werden gebraucht. Allerdings nicht nur, um alle Wege frei von Eis zu halten oder das Anfrieren der Förder- und Bandanlagen zu verhindern. Bereits Ende Oktober, berichtet Kauer, werde damit begonnen, auf den Arbeitsebenen der Vorschnitte und Förderbrücken zu salzen. Das ist eine Präventionsmaßnahme, um zu verhindern, dass sich an den Gleisen Anbackungen bilden können.
Und Kerosin, wozu braucht man das? Es treibt die MIG-Flugzeugtriebwerke der Waggonausblasgeräte an den Entladebunkern im Kraftwerk Jänschwalde an. Jedes Stück Kohle soll schließlich raus aus den Waggons.

Der Tagebau Jänschwalde läuft auch im Winter, Foto: LEAG

In Jänschwalde, so erfahre ich von Schletter, gibt es noch eine andere Besonderheit, eine Kalksteinhalde als Reserve. Falls es im Winter mal einen Lieferengpass für diesen wichtigen Zusatzstoff für die Rauchgasentschwefelung  geben sollte, kann sich das Kraftwerk dennoch versorgen. Für diesen Fall wurden Verträge zum Verladen in entsprechende Waggons mit externen Firmen abgeschlossen.

In der Regel kommt der Kalkstein allerdings just-in-time per Güterzug in die Kraftwerke. Nach diesem langen Weg ist er im Winter am Ende seiner Reise oftmals gefroren. Dafür stehen in unmittelbarer Kraftwerksnähe die sogenannten Auftauhallen. Sie werden mit Gas bzw. Prozessdampf beheizt und sorgen dafür, dass der gefrorene Kalkstein auftaut und verkippt werden kann. Zur Wintervorbereitung gehört es deshalb auch, die Hallen auf Probe zu heizen und auf ihren Einsatz vorzubereiten.   Kohle kann dort auch aufgetaut werden. Das ist aber nicht so oft notwendig und kann eher dann passieren, wenn Züge einen längeren Weg haben, zum Beispiel aus dem Tagebau Reichwalde bis zum Kraftwerk Jänschwalde. Auf 75 Kilometern kann bei starkem Frost auch die Kohle anfrieren.

Sondereinsatzpläne und Bereitschaftssystem

Apropos Züge. Wer täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit pendelt, kennt das: zugefrorene Weichen, vereiste Oberleitungen. Wie kann man sich dagegen wappnen?  Kauer räumt ein, dass der Winter auch die Herzschlagader des Reviers, den Eisenbahnbetrieb, vor große Herausforderungen stellt. Gegen vereiste Leitungen haben sich die Eisenbahner schon vor längerer Zeit gewappnet und drei E-Loks zu Enteisungsloks umgebaut. Diese benetzen die Fahrleitung mit Glycerin. Die Gleisbaufirmen, mit denen die LEAG seit Jahren kooperiert, arbeiten im Winter nach einem Bereitschaftssystem.

In der Wartungshalle wird Sommer wie Winter gearbeitet, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten, Foto: LEAG

Die Gleisbauer sind nur einer der Partner, auf die Bergleute und Kraftwerker angewiesen sind. Zu einer guten Vorbereitung auf den Winter gehört es deshalb auch, Sondereinsatzpläne und ein Bereitschaftssystem für die eigenen Kollegen, für zusätzliche Mitarbeiter von Personaldienstleistern und  für die Zusammenarbeit mit den Instandhaltungspartnern und Gleisbaufirmen zu erarbeiten und abzustimmen. Allein das reibungslose Entleeren der Kohlezüge erfordert viel Manpower und ein zuverlässiges Miteinander. „Deshalb“, so Kauer, „haben wir von Dezember bis Ende Februar immer zusätzliche Mitarbeiter auf den Kraftwerksbunkern im Einsatz.“

Strenges Regime – besonders im Winter

Die Kraftwerke haben ihr für 2017 geplantes Revisionsprogramm beendet und haben die verbrauchsarme Zeit zwischen Weihnachten und dem neuen Jahr genutzt, um in Jänschwalde und Boxberg notwendige Reparaturen durchzuführen. 

Schletter hebt hervor, dass die Bergleute, diejenigen sind, die den Unbilden des Winters direkt ausgesetzt sind. „Sie setzen dennoch alles daran, uns reibungslos mit qualitätsgerechter Kohle zu versorgen.“

Bevorratung, Wartung, Verträge – geklärt. Und wie ist das mit dem Schneeschieber? Gegen den Schnee ist man überall gewappnet, sind laut Schletter Verträge mit externen Firmen abgeschlossen, die den Schnee räumen, sowohl auf den Kraftwerksgeländen als auch auf den Zuwegungen und in den jeweiligen Tagesanlagen. Im Tagebau selbst wird er einfach mit weggebaggert.

Blick in die Turbine: Das gibt es nur zu Revisionszeiten, Foto: LEAG

Eines wollen Dietmar Kauer und Gert Schletter unbedingt noch loswerden: Der Winter sorgt zwar für besondere Bedingungen in der Arbeit der Bergleute und Kraftwerker. Aber sie arbeiten das ganze Jahr über nach einem strengen Regime – müssen ständig steuern und koordinieren.  „Wenn Sie so wollen“, sagen die Beiden,  „sind wir das Ende einer stringenten Kette: Die beginnt mit dem Bedarf an Strom, den unser Land hat, setzt sich fort bei der Verfügbarkeit und dem Einsatz unserer Kraftwerke, die diesen Bedarf decken, und endet mit der Leistungsfähigkeit unserer Tagebaue, die die erforderliche Rohkohle dafür fördern und bereitstellen.“

 

 

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Autor

Elvira Minack

Nachdem ich über 30 Jahre als Pressesprecherin und verantwortliche Redakteurin in Ostbrandenburg und in Franken gearbeitet habe, kam ich 2009 ins Unternehmen. Seit dem Herbst 2017 arbeite ich in der externen Kommunikation. 

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