16.11.2020
Lausitzer Hanfanbau

Auf insgesamt acht Hektar Land wurden im Frühjahr 2020 zu Testzwecken drei Hanfsorten auf Lausitzer Böden angepflanzt. Das Projektteam von LEAG und TSS ging mit den Sorten Finola, Fedora 17 und USO 31 an den Start, um zu erforschen, wie die robuste Nutzpflanze sich für die trockenen Böden der Lausitz eignet - ohne künstliche Bewässerung, ohne Pestizide und Herbizide. Die Saat wurde zum einen auf dem noch jungen Kippenboden des Tagebaus Jänschwalde in Brandenburg ausgebracht. Gleichzeitig bestellte man den gewachsenen Boden einer Vergleichsfläche in Sachsen. Inzwischen ist die Ernte eingebracht.

Zwischen der Ernte des Lausitzer Hanfs und einem fertigen Produkt steht ein großer Schritt. Die Kanow Mühle Sagritz ist die letzte Station für einen Großteil der Hanfverarbeitung des Pilotprojektes der LEAG. Was aus dem geernteten Hanf entsteht und wie sich der Prozess gestaltet, erfahren wir in der Ölmühle im Herzen des Spreewalds.

Schon seit etwa 500 Jahren existiert die Kanow Mühle am Ufer der Dahme, die Karl Christian Kanow 1815 ersteigerte. Damals trug sie noch den Namen „Wuschak Mühle“ - eine Bezeichnung aus dem Wendischen, die so viel wie bedeutet wie „kleines Wäldchen hinter dem Berg“. Christian Behrendt ist ein Nachfahre Karl Christian Kanows. Der Ölmüller leitet heute als Geschäftsführer den Familienbetrieb. Wir treffen ihn im Verkaufsraum des Hofladens, um mehr über den Weg des Lausitzer Hanfs zu erfahren.

Vom Feld auf den Tisch

„Nachdem die Hanfsamen geerntet, getrocknet und gesäubert sind, kommen sie zu uns“, erklärt er und führt uns in die Produktionsstätte. Es ist keine große Industriehalle, sondern ein übersichtlicher, sauberer Raum, dessen Herzstück mehrere Pressen aus Edelstahl bilden. Arbeiter bedienen die Maschinen. Ein kräftiges Gemisch verschiedener, intensiver Aromen liegt in der Luft.

Christian Behrendt: Ölmüller und Geschäftsführer der Kanow Mühle Sagritz, Foto: Andreas Franke für LEAG

Vor fünf Jahren haben wir den Produktionsraum ausgebaut. Vorher wurde alles in der historischen Mühle gemahlen. Die Kapazitäten reichten aber irgendwann nicht mehrt. Der traditionellen, manuellen Art der Herstellung sind wir aber treu geblieben“, erklärt er.

Behrendt zeigt uns die hydraulischen Stempelpressen, die hier im Einsatz sind. „Bevor wir die Hanfnüsse pressen, wird ihre Hülle aufgebrochen. Dafür erhitzen wir die Samen in einer Pfanne auf etwa 40 °C. Eine Pfanne können Sie sich wie einen großen Kochtopf vorstellen.

Höher gehen wir mit der Temperatur aber nicht. Das ist schonender für die Inhaltsstoffe und besser für den Geschmack.“

Die hydraulischen Stempelpressen der Kanow Mühle behandeln das Korn schonend. Das ist ausschlaggebend für den Geschmack. Hier wird Leinsamen gepresst, Foto: Andreas Franke für LEAG

Hanf – der Alleskönner

Alle Flaschen werden vom Team der Kanow Mühle per Hand abgefüllt und etikettiert, Foto: Andreas Franke für LEAG

„Die aufgebrochenen Samen pressen wir dann mit 400 bar. Das Prinzip ist einfach: Oben wird das Rohmaterial in die Pressform eingefüllt und der Stempel zerdrückt die Hanfnüsse dann. Unten fangen wir das austretende Öl auf. Naturbelassen und naturtrüb“, sagt er und zeigt uns die Auffangbehälter. „Ein Pressdurchgang dauert um die 45 Minuten. Was dann außer dem Naturöl übrig bleibt, bezeichnen wir als Presskuchen. Auch den verwerten wir, denn er enthält noch etwa 20 % Öl und kann zu Mehl und Pellets weiterverarbeitet werden.

Hanfmehl kann hervorragend zum Backen und Kochen verwendet werden. Es wird immer beliebter, weil es eine glutenfreie Alternative darstellt, protein- und ballaststoffreich ist und einen kernigen Eigengeschmack besitzt. Hanfpellets erfreuen sich zum Beispiel bei Anglern als Köder großer Beliebtheit. Aber auch Pferdebesitzer nehmen es gern zum Zufüttern. Es ist gut für Fell und Haut der Tiere.“

Im neuen Produktionsraum der Kanow Mühle entsteht ein Hauptteil des angebotenen Sortiments. Die traditionelle Herstellungsweise wird dennoch fortgeführt, Foto: Andreas Franke für LEAG

Die historische Mühle verrichtet ihren Dienst bis heute, Foto: Andreas Franke für LEAG

Regionale Rohstoffe haben den Vorzug

Viele Rohstoffe, die das Team in der Kanow Mühle verarbeitet, stammen wie der Lusatia Sativa Hanf aus der Region. „Der Raps, den wir hier pressen, kommt beispielsweise aus Luckau. Und in der Lausitz darf natürlich auch Leinöl nicht fehlen. Die Leinsamen, die man dafür braucht, stammen bei uns aus Bestensee“, sagt Behrendt.

„Aber wir führen auch Exoten. Die Samen für unser Schwarzkümmelöl beziehen wir aus Ägypten. Weil es so einen starken Eigengeschmack hat, pressen wir es allerdings in der alten Mühle. Sonst würden alle anderen Öle danach schmecken. Wir reinigen die Anlagen nämlich nicht chemisch, sondern nur mechanisch. Einmal in der Woche läuft die historische Mühle also noch. Denn was rastet, das rostet“, erklärt er lächelnd.

Stefan Zimmermann und Hannes Mitrach (v.l.) gehören zum Projektteam von LEAG und TSS. Sie sind zufrieden mit den Ergebnissen des ersten Hanfjahrs, Foto: Andreas Franke für LEAG

Für den Ölmüller ist das Hanföl aber sein eindeutiger Favorit. „Es enthält jede Menge Vitamine und Spurenelemente. Außerdem besteht es aus bis zu 90 % mehrfach ungesättigten Fettsäuren - dazu zählt die nur selten in Pflanzenölen vorkommende Gamma-Linolensäure, die für ihre entzündungshemmende Wirkung bekannt ist. Deshalb ist das Öl aus Hanfsamen eines der wertvollsten Speiseöle, die es gibt“, ist er sich sicher. „15 bis 20 Gramm decken den Tagesbedarf der wichtigsten, essentiellen Fettsäuren eines Menschen.“

2.700 Flaschen Lausitzer Hanföl der Marke Lusatia Sativa sind aus der diesjährigen Ernte von etwa 1,1 Tonnen Hanfsamen entstanden. Neben den Produkten der Kanow Mühle findet sich der Lausitzer Hanf auch auf einer Schokoladenedition der Hornower Schokoladenmanufaktur Confiserie Felicitas wieder.

Ein Hanfverlesener Genuss für jeden Geschmack!

Das Ergebnis der Lausitzer Hanfarbeit: Hanföl der Marke Lusatia Sativa, Foto: Andreas Franke für LEAG

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Juliane Krause

Autor

Juliane Krause

Schreiben war schon immer mein Steckenpferd, auch wenn mich meine Ausbildung in der Lausitz vorerst in die Welt des Bestellwesens verschlug. Erste journalistische Gehversuche waren mir dennoch bereits in der Auszubildendenzeitung STROMeo zuteil geworden und schon damals wusste ich: Das ist mein Metier! Als Quereinsteiger habe ich dann den Sprung in die externe Kommunikation gewagt. Meine mehrjährige Erfahrung im Unternehmen LEAG hilft mir nun als Redakteurin genauso weiter, wie meine Offenheit und dieses gewisse Quantum an Neugier, das mich seit jeher antreibt. Denn wie sagte bereits einer meiner liebsten Autoren: „Die Neugier ist die mächtigste Antriebskraft im Universum, weil sie die beiden größten Bremskräfte im Universum überwinden kann: die Vernunft und die Angst.“

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