10.02.2021

Auch wenn die vier Feinde des Bergmannes nach alter Bergmannsweisheit Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind, so stellen die aktuell herrschenden Wetterbedingungen für den Betrieb der Tagebaue doch eine Herausforderung dar. Bei zweistelligen Minusgraden und starken Schneestürmen, wie zuletzt am vergangenen Wochenende, ist die Arbeit auch für erfahrene Kohlekumpel nicht gerade angenehm.

Im Tagebau Reichwalde befreit ein Mitarbeiter per Hand die Gleisanlage von besonders hartnäckigen Vereisungen, Foto: LEAG

Bereits am Wochenende galt es, Kräfte zu bündeln, um freie Fahrt für die Kohlezüge der LEAG auf ihren Wegen von den Tagebauen zu den Kraftwerken zu ermöglichen, schildert Lutz Mickel vom Bereich Produktionskoordinierung/Eisenbahn.

Starke Schneeverwehungen hätten auch auf den Schienen des LEAG Eisenbahnbetriebs zu Behinderungen geführt, die unter Einsatz von mehr Personal als üblich beräumt werden mussten. Wo schweres Gerät nicht weiterkam, hätten die Kollegen zu Schaufeln und Besen greifen müssen.

„So ein Wetter bedeutet für uns einen erhöhten Aufwand aber wir waren darauf vorbereitet. Die Kollegen waren informiert, im Bedarfsfall von ihren eigentlichen Einsatzorten kurzfristig zur Unterstützung an andere Stellen gerufen zu werden, so dass wir an den neuralgischen Punkten jederzeit handlungsfähig waren“, so Mickel.

Schweres Gerät und Muskelkraft. Der Wintereinbruch fordert vollen Einsatz von den Kohlekumpeln, Foto: LEAG

Egal unter welchen Wetterbedingungen - die Kraftwerke der LEAG sorgen zuverlässig für Strom und Wärme, Foto: Andreas Franke für LEAG

Kraftwerke passen Fahrweise flexibel an

Wurden aufgrund des hohen Windaufkommens am Wochenende alle LEAG Kraftwerke nur mit eingesenkter Fahrweise betrieben, mussten sie zu Wochenbeginn bei nachlassendem Wind und gleichzeitig erhöhter Stromnachfrage wieder mit allen verfügbaren Einheiten ans Netz gebracht werden.

Andreas Spielmann von der Kraftwerkseinsatzplanung sieht auch für die kommenden Tage weiterhin eine hohe Nachfrage nach Braunkohlenstrom.

Tag und Nacht trotzen die Bergleute den eisigen Temperaturen, Foto: LEAG

„Die Windprognosen für die kommenden Tage sehen bis auf kurze Unterbrechungen eher Windflauten voraus. Auch die Sonne leistet zu dieser Jahreszeit und bei derzeit zugeschneiten Solaranlagen keinen nennenswerten Beitrag zur Stromversorgung. Für uns heißt das, dass wir alle Kraftwerksblöcke im Einsatz haben werden“, sagt Spielmann.

Priorität haben derzeit Kohleförderung und Kohletransport

Im Südrevier ist Henrik Ansorge als Leiter der Tagebaue Nochten und Reichwalde unter anderem für die sichere Belieferung des Kraftwerkes Boxberg verantwortlich. Auch seine Mitarbeiter sind derzeit im Winterkampf. „Priorität hat für uns die Produktion, also die stabile Kohleförderung, sowie der Kohlelagerplatz, von wo die Braunkohle per Förderband oder per Zug zu den Kraftwerken und dem Veredlungsbetrieb transportiert wird“, erklärt Ansorge. So seien an diesen Arbeitsorten zusätzliche Kollegen im Einsatz.

„Bei dieser Kälte geht vieles schwergängiger als sonst. Wir müssen also mehr Zeit einplanen, gerade auch mit Blick auf die Unfallgefahr, die bei Schnee und Glätte erhöht ist. Aber wir sind gut aufgestellt“, versichert Ansorge. Dass die Kälte nicht angenehm ist für die Kumpel draußen, die im Drei-Schicht-System arbeiten, läge dabei natürlich auf der Hand. Doch böten beheizte Aufenthaltsräume auf den Tagebaugeräten immer mal wieder die Möglichkeit zum Aufwärmen. „Unsere Bergleute kennen kalte Winter. Zweistellige Minusgrade sind für Februar in der Lausitz nichts Ungewöhnliches“, weiß Ansorge.

Wetterbedingt herrschen in den Lausitzer Tagebauen erschwerte Bedingungen. Um die Anlagen betriebsbereit zu halten, arbeiten die Kollegen der Tagebaue und des Eisenbahnbetriebes eng mit regionalen Partnerfirmen zusammen, Foto: LEAG

Strahltriebwerke aus NVA-Zeiten blasen Kohlewaggons frei

Der Winter kann auch schöne Ansichten bereit halten, wie die Eiszapfen an der F60 im Tagebau Nochten, Foto: LEAG

Rund 75.000 Tonnen Braunkohle kommen pro Tag aus dem Südrevier. Insgesamt fördern die LEAG-Tagebaue derzeit bis zu 160.000 Tonnen Braunkohle innerhalb von 24 Stunden. Damit die Braunkohle, die einen hohen Wasseranteil aufweist, auf ihrer Fahrt von den Kohlelagerplätzen zu den Kraftwerken nicht in den Kohlewaggons einfriert, sind alle Waggons beheizbar.

Anbackungen können dadurch reduziert werden. Wenn Züge allerdings aufgrund von Wartezeiten länger auf der Strecke stehen müssen, könne die Kohle doch mal festfrieren, berichtet der Leiter des Eisenbahnbetriebes, Enrico Lindock.

„Für diese Fälle sind wir mit Ausblasgeräten ausgestattet, mit denen wir die festgefrorene Kohle ablösen können. Diese Geräte verfügen über Strahltriebwerke aus NVA-Zeiten. Damit haben wir noch jeden Waggon leer bekommen“, ergänzt Lindock.

Der Eisenbahnbetrieb der LEAG ist auf das extreme Winterwetter gut vorbereitet, Foto: Andreas Franke für LEAG

Auftauhallen sind für weitangereiste Züge reserviert

Für mit Kalkstein beladene Züge, die aus Polen kommen und einen entsprechend langen Weg hinter sich haben, stehen zudem Auftauhallen zur Verfügung. „Ein komplett durchgefrorener Kalksteinzug braucht mehrere Stunden bis wir ihn entladen können“, erklärt Lindock.

Aber nicht nur Kohle wird in den Zügen des Eisenbahn-betriebes transportiert – auch Schneemassen können bei Bedarf in den Waggons wegtransportiert werden. Das passiert immer dann, wenn es zu viel wird mit der weißen Pracht.

Nach Jahren ohne Schnee überwiegt bei vielen trotz der Begleiterscheinungen aber noch die Freude an der weißen Herrlichkeit.

 

1/4 Winter-Impressionen: Blick aufs Kraftwerk Jänschwalde, Foto: Andreas Franke für LEAG
2/4 Winter-Impressionen: Abenddämmerung im Tagebau Jänschwalde, Foto: LEAG
3/4 Winter-Impressionen: F60 Tagebau Jänschwalde, Foto: LEAG
4/4 Winter-Impressionen: Tagebau Nochten, Foto: LEAG

 

Mehr zum Thema Bergbau und Tagebau finden Sie in unserem Seitenblick Blog.

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Autor

Kathi Gerstner

Direkt nach meinem Studium der Kulturwissenschaften hatte ich die Möglichkeit, in vielen Bereichen der Kommunikation unseres Energieunternehmens tätig zu sein. Seit mehr als zehn Jahren gehöre ich zum Team der Pressesprecher. Dort bin ich Ansprechpartnerin für die Medien zu allen Themen der LEAG-Geschäftswelt.