16.01.2018

zur Person

Corina Fiskal

Corina Fiskal ist studierte Geologin. Ihren Abschluss hat sie an der Bergakademie in Freiberg gemacht. In ihren ersten Berufsjahren arbeitete sie zunächst als Erkundungsgeologe, später als Hydrogeologe, im Bergbau. Nach der politischen Wende war sie 16 Jahre  in der Sanierungs- und Baubranche als Projektleiter tätig ehe sie 2007 wieder zum Bergbau kam, wo sie in der Abteilung Geotechnik als Projektleiterin verschiedene Maßnahmen betreut hat. Mit der Schöpsverlegung war sie bereits seit dem Jahr 2008 betraut. 

Die kleine Schwester des Schöps ist der Modergraben. Was sich im Großen beim Schöps auf über 15 Kilometer Länge abgespielt hat, passierte in ähnlicher Form beim Modergraben auf knapp sieben Kilometer. Auch er schlängelt sich jetzt naturnah renaturiert am Tagebau Reichwalde. 

Wenn am 18. Januar im Erlichthof in Rietschen die 5,4 Kilometer lange Neubaustrecke des Weißen Schöps an den Freistaat Sachsen übergeben ist, endet damit ganz offiziell eines der größten Flussrenaturierungsprojekte in Deutschland. Auch wenn sich an diesem Tag alle Augen auf den Weißen Schöps richten werden, schlängelt sich draußen am Rande des Tagebaus Reichwalde ein ebenfalls im Zuge des Schöps-Projekts renaturierter Fluss zwischen Nieder Prauske und Altliebel – der Modergraben.  

Auch sein Verlauf wurde durch den Tagebau Reichwalde bereits vor 1990 wesentlich verändert. Mündete der Modergraben vorbergbaulich in den Altlauf des Schwarzen Schöps im Bereich des heutigen Tagebaus Reichwalde, endete er mit dem Voranschreiten des Tagebaus Reichwalde, nachdem er den Pechteich südlich von Hammerstadt durchquert hatte, in einer Wasserhaltung der Tagebaurandentwässerung.

Für die Projektleiterin bei der LEAG, Corina Fiskal, begann das große Projekt Schöpsrenaturierung und Umverlegung mit einer Maßnahme für den Modergraben. „Zu allererst haben wir im Winter 2011/2012 den Pechteich, der von dem Modergraben gespeist wird, von Schilf und Schlamm befreit. Er war völlig zugewachsen und verlandet, so dass sich darin kein Fisch mehr wohlfühlte“, berichtet Corina Fiskal an einem kalten Wintertag direkt am Ufer des Modergrabens. Im Hintergrund ragen die Tagebaugeräte des Tagebaus Reichwalde am Horizont hervor. Mitarbeiter einer mit dem Modergraben-Projekt beauftragten Baufirma packen ihre Arbeitsgeräte ein, wechseln einige freundliche Worte mit der ihr vertrauten Projektleiterin und fahren weiter. „Mit dieser Firma arbeiten wir sehr gut zusammen. Die Mitarbeiter hinterlassen ihre Baustellen in einem super Zustand und wissen auch noch was eine Harke ist. Das ist leider nicht mehr bei allen Firmen so“, erzählt Corina Fiskal von ihren Erfahrungen der letzten Jahre.

Hier schlängelt sich der Modergraben durch die Landschaft, Foto: LEAG

Zwei Flüsse – viele Berührungspunkte

Im Sommer werden die Radwege gern genutzt. Bald informieren auch Tafeln zum Modergraben, Foto: LEAG

Wir gehen gemeinsam am Ufer des zuletzt fertig gestellten Abschnitts des Modergrabens, einer Art Lückenschluss zwischen Pechteich und der Senke Neuliebel, einige Schritte vom Fledermausturm in Richtung Pechteich. „Erst Schöps, dann Modergraben“, so sei ursprünglich der Plan gewesen, sagt Corina Fiskal. Aber die vielen Berührungspunkte der zwei Vorhaben hätten das Projektteam dazu bewogen, ihren Zeitplan anzupassen. Vor allem die für den Hochwasserfall geplante Senke bei Neuliebel hätte von allein nicht leerlaufen können. Also musste eine Planänderung her. Auf 14 Planänderungen insgesamt kommt das Projekt „Umverlegung Weißer Schöps“. „Wir mussten im Laufe der Zeit immer mal wieder Anpassungen vornehmen und jede einzelne muss wieder bei der Behörde angezeigt, geprüft und genehmigt werden“, so Fiskal. Zu den wesentlichen Änderungen gehörte auch, den Modergraben bei der  Hochwasserentlastung zu integrieren. So entstand zwischen der Senke bei Neuliebel und der Ortschaft Reichwalde ein Flussbett mit einem neuen Gewässerprofil auf 3,6 Kilometer Länge, um die Senke entwässern zu können. Auch der Vorfluter Reichwalde, in den der Modergraben mündet, wurde in diesem Zuge renaturiert und ausgebaut. 2015 konnte dieser Teil der Baumaßnahmen abgeschlossen werden.

Monotonie? Fehlanzeige

Neuer Lebensraum für jede Menge Insekten und Amphibien, Foto: LEAG

Von dem entstandenen naturnahen Gewässerlauf kann ich mir vor Ort selbst ein Bild machen. Der Flusslauf schlängelt sich in großen und kleinen Bögen. An seinen Rändern weiten sich die bereits bepflanzten Böschungen auf, die mal mehr mal weniger steil ausfallen, mal mehr mal weniger Bepflanzungen aufweisen für einen Wechsel von Beschattung und Licht. Monotonie kommt hier nicht auf, eher natürliche Varianz, bereichert von Strukturelementen wie Totholzstubben und Totholzstämmen. Insekten und Amphibien fühlen sich in diesem Naturraum wohl. Für Fische bietet der Modergraben nicht den idealen Lebensraum, dafür fällt er zu klein aus. „Mit dem jetzt fertig gestellten Lückenschluss ist der Modergraben als Vorflut wieder komplett hergestellt und funktionstüchtig“, erklärt Corina Fiskal. Dabei könne Wasser vom Modergraben aus dem Bereich Pechteich in die Senke bei Neuliebel geleitet werden und von dort im weiteren Verlauf über den 3,6 Kilometer langen ertüchtigten Modergrabenabschnitt weiter in Richtung Reichwalde abfließen. 

Ab 2020 neue Zustandigkeiten

Fast  vier Millionen Euro hat die LEAG für den Modergraben investiert. Zahlreiche Durchlässe, die auf Grund ihrer Größe schon als Brückenbauwerke eingestuft sind, mussten errichtet werden, um die alten Wegebeziehungen aufrechtzuerhalten. In zwei Jahren soll auch er an seine ursprünglichen Besitzer zurückgegeben werden. „Da er ein Gewässer 2. Ordnung ist, bekommt ihn nicht der Freistaat Sachsen, sondern die Gemeinden Rietschen und Boxberg“, erläutert Fiskal. Bis dahin würde die LEAG aber noch die Entwicklungspflege als Aufgabe innehaben.

Der Pechteich ist bei Anglern beliebt, sogar im Winter, Foto: LEAG

Angekommen am Pechteich, spiegelt sich die Wintersonne auf der Wasseroberfläche und zaubert ein idyllisch anmutendes Bild. Zwei Angler genießen am Steg wohl auch eher die Idylle, denn, wie sie uns selbst erzählen, beißen die Fische bei diesen kalten Temperaturen nicht. Auch die Fische halten ihre Winterruhe, um Kräfte und Energie zu sparen. Wir genießen kurz den Augenblick und kehren zum Fledermausturm zurück. Die Angler können die Natur wieder für sich allein genießen, auf dem Wolfsradweg, der den Tagebau Reichwalde zur einen und den Modergraben zur anderen Seite hat, kommen auch zu dieser Jahreszeit Radfahrer entlang.

Neues Zuhause für viele Arten

Der Fledermausturm ist schon eine Landmarke, Foto: LEAG

Für die Einheimischen, genauso wie für die Touristen,  sollen noch zwei Informationstafeln im Bereich des Fledermausturms aufgestellt werden. „Die Tiere haben den Turm, der mal ein Trafohäuschen war, gut angenommen. Die Schwalben zogen sofort ein, Turmfalken und Fledermäuse kamen nach.“ Nur der Storch, für den ein Horst bereit stünde, fehle noch. Auf den Tafeln will die Projektleiterin sowohl zu den Tierarten im Fledermausturm informieren als auch zum Projekt Modergraben, denn das hier Menschenhand diese Natur hervorgebracht hat, wird in kurzer Zeit niemand mehr auf den ersten Blick erkennen können.

„So ein Projekt hat man in seinem Berufsleben nur einmal“

Bis zum Frühjahr werden auch die letzten kleinen Maßnahmen, wie der Wegebau, abgeschlossen sein. Dann ist das letzte Baugeschehen am Modergraben sowie am Schöps beendet. Ihr Baubüro in Rietschen hat Corina Fiskal bereits im Herbst 2017 leergezogen. 2011 war sie eingezogen. Ob es ihr nach diesen vielen Jahren schwer fiel, möchte ich wissen. „Geheult habe ich!“, gibt sie unumwunden zu. Beim Auszug habe sie mehr als 250 Ordner archiviert. Dabei seien ihr viele Vorgänge wieder in die Hände gefallen und das Baustellengeschehen habe sich noch einmal vor ihrem geistigen Auge abgespielt. „Die Rietschener haben uns sehr gut aufgenommen. „So ein Projekt hat man in seinem Berufsleben nur einmal, von der Planung bis zur Fertigstellung. Es war eine sehr arbeitsintensive, aber auch eine schöne Zeit“, sagt sie und weiß, dass sie dennoch über die kommenden Jahre immer wieder mit dem Schöps und dem Modergraben beschäftigt sein wird. Das Monitoring, also die Erfolgskontrolle, wird noch viele Jahre andauern. 

 

 

Mehr Information

Pressemeldung zur Entwicklung des Weißen Schöps
News zur Übergabe des Weißen Schöps an den Freistaat Sachsen

 

 

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Autor

Kathi Gerstner

Direkt nach meinem Studium der Kulturwissenschaften kam ich in die Kommunikationsabteilung des Unternehmens. Ich habe zunächst verschiedene Arbeitsbereiche der Kommunikation kennen gelernt ehe ich im Team der Pressesprecher meinen Platz gefunden habe. Dort bin ich seit dem Jahr 2008 Ansprechpartnerin für die Medien zu allen Themen des Braunkohlengeschäfts. 

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