09.10.2017

Drohnen fliegen, Metalldetektoren piepen, Jung und Alt versuchen sich ganz unverhohlen als Panzerknacker. Wenn Cottbus in einer regnerischen Herbstnacht wie dieser auf den Beinen ist, dann ist es sehr wahrscheinlich die „Nacht der kreativen Köpfe“. Die LEAG lud zum „Tatort Wirtschaft“ und widmete den Abend dem Thema Sicherheit im Unternehmen. Dabei fielen so einige Tipps für daheim ab. Besucher lernten allerdings auch, wie man jemanden aufs Kreuz legt. Ob das so in Ordnung ist, dazu später mehr.

Als ich am vergangenen Samstag kurz nach 18 Uhr die LEAG-Hauptverwaltung betrete, stellt sich mir die Frage: Wohin zuerst? Normalerweise ist das mein Arbeitsweg, Foyer, Fahrstuhl, Büro - nicht besonders spannend. Aber heute ist „Nacht der kreativen Köpfe“, zum 11. Mal in Cottbus, und die LEAG ist wieder eine der 20 Stationen, die an diesem Abend mit einem vielfältigen Programm ihre Türen öffnen. Heute strahlen im Foyer Scheinwerfer, Stände sind aufgebaut und hinter den geöffneten Türen des Barbarasaals und auf der ersten Etage warten noch mehr Entdeckungen. Ich entscheide mich, zuerst bei meinen Kollegen aus der IT-Abteilung vorbeizuschauen.

Das Foyer der Hauptverwaltung zur "Nacht der kreativen Köpfe", Foto: Andreas Franke 

Tatort digitales Leben

Dass IT-Sicherheit für Unternehmen ein enorm wichtiges Thema ist, dürfte spätestens seit öffentlichkeitswirksamen Attacken mit Schadsoftware wie „WannaCry“ und „Peyta“ nicht überraschen. Ein beliebtes Mittel, um sogenannte Trojaner einzuschleusen, sind E-Mails. Mein Kollege Wolfgang Hoffmann, IT-Koordinator bei der LEAG, verrät mir, dass bei uns jeden Tag eine fünfstellige Anzahl verdächtiger Mails geblockt werde. Trotzdem sei die Achtsamkeit jedes Einzelnen gefragt, denn die Angriffe können sehr geschickt sein: Bestellungen, Rechnungen, Finanzinformationen - die Hacker sind mitunter extrem gut informiert und setzen schadhafte Mails zielgerichtet nach Arbeitsbereichen im Unternehmen ab. „Was würde ich alles über dich erfahren, wenn ich dich google?“, fragt er mich noch. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, denn ich fand es bisher immer etwas eitel, mich selbst zu googeln. Aber vielleicht wäre es sogar ganz klug, das hin und wieder mal zu tun.

Christoph Dehlan und Wolfgang Hoffmann geben hilfreiche Tipps in Sachen IT-Security, ohne alle Geheimnisse zu verraten, Foto: Andreas Franke  

Dass auch Privatpersonen im Visier von Hackern stehen, ist nicht jedem bewusst. „Der kleine Mann“ sei doch uninteressant, höre ich bei meinem Besuch am IT-Stand. Wolfgang Hoffmann und Christoph Dehlan, der gerade an der BTU seine Masterarbeit im IT-Bereich schreibt, versichern den Besuchern, dass auch der Euro des kleinen Mannes durchaus von Interesse ist. Darum gelten am Arbeitsplatz wie daheim ein paar einfache Grundregeln: Finger weg von Mails mit unbekanntem Absender. Ihre Anhänge sollte nicht geöffnet, Links nicht geklickt und schon gar keine sensiblen Daten (wie z.B. die Bankverbindung) eingegeben werden. Die 10 digitalen Dos and Don’ts des Abends gibt es hier. 

Kreditkarte im Alu-Mantel 

Während wir sprechen, fällt mein Blick auf eine in Aluminiumfolie eingepackte Kreditkarte. Was ist das denn? Selbstgemachter Diebstahlschutz, erfahre ich. Hintergrund sei das bargeldlose Bezahlen mittels NFC (Near Field Communication). NFC-fähige Kreditkarten müssen nur noch an das entsprechende Terminal gehalten werden, um einen Geldbetrag zu begleichen. Allerdings sind auch Handys in der Lage, auf diesem Wege Kreditkartendaten auszulesen. Die Apps gibt es in den gängigen Stores. Was das heißt, kann man sich leicht vorstellen: Datendiebstahl faktisch im Vorbeigehen. Dessen sollte ich mir auch bewusst sein, wenn ich im Fitnessstudio die Mitgliedskarte nicht einzeln herausnehme, sondern aus Bequemlichkeit die gesamte Börse auf das Kartenlesegerät lege. Mitunter verschenke ich damit unfreiwillig mehr Infos, als mir lieb sein kann, warnt Wolfgang Hoffmann. Wem allerdings die Alu-Hülle Marke Eigenbau nicht passt, der kann solche Hüllen auch kaufen. Gerade lässt ein Besucher seine testen - und es funktioniert. 

Achtung Blitzer

Am Infostand der ISS/VSG, die unter anderem Leistungen im Bereich Objektschutz für die LEAG erbringt, liegen auf einem langen Tisch Gegenstände ausgebreitet, die gut und gerne auch in einem Polizei-Auto zu finden sein könnten (nicht, dass ich schon mal eines von innen gesehen hätte). Keine Waffen natürlich, aber Signalkelle, Fernglas, Nachtsichtgerät und Megaphon sind dabei. Und ein Geschwindigkeitsmessgerät. Echt?! Da meine letzte Überweisung an das Ordnungsamt Cottbus zugegeben noch nicht allzu lange her ist, hat Robin Blatt, Leiter Werkschutz Lausitz Süd, dann auch schnell meine Aufmerksamkeit. 

Bei Autofahrern gefürchtet - das Tempomessgerät. Mehr als Schrittgeschwindigkeit erreichte an diesem Abend jedoch niemand, versicherte Robin Blatt (im Bild vorn) vom Werkschutz, Foto: LEAG

Geschwindigkeitsmessungen werden an den Kraftwerksstandorten durchgeführt, erläutert er mir. Auf dem Gelände beträgt die erlaubte Geschwindigkeit in der Regel 30 km/h – und das aus gutem Grund: Es gibt zahlreiche Abzweigungen, an denen Rechts vor Links gilt und es sind neben Fußgängern, Fahrrad- und Autofahrern auch große Transporter unterwegs. Blatt versichert mir, dass sich die Geschwindigkeitsmessungen als präventive Maßnahme bewährt haben, auch ohne die Möglichkeit, Bußgeldbescheide zu erteilen, denn das dürften die Kollegen der ISS natürlich nicht. Allerdings könne „Wiederholungstätern“ die Einfahrgenehmigung in das Kraftwerksgelände zeitweise entzogen werden - durchaus misslich und abschreckend wie ich mir in Anbetracht der großflächigen Anlagen vorstellen kann. 

Fachkraft für Sicherheit gefragt

Robin Blatt ist seit 14 Jahren im Werksschutz tätig. Er hat die dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit absolviert. Diese gebe es erst seit 2002 und der Bedarf sei hoch. Ausgebildet werde übergreifend nicht nur in originären Sicherheitsthemen wie Personen- und Objektschutz, sondern auch im rechtlichen und kaufmännischen Bereich, um Sicherheitsleitungen zu planen und am Markt anzubieten, Rechtsverstöße zu erkennen und Ermittlungen, Aufklärungen und Dokumentationen durchzuführen. Selbstständiges Arbeiten sei wichtig und ein vernünftiges Abiturzeugnis obligatorisch. Derzeit bildet die ISS im Lausitzer Revier insgesamt sechs Azubis aus. 

Den Überblick behalten 

Die beste Tarnung als "Buschmann" hilft nicht, wenn die Wärmebildkamera ins Spiel kommt. Beides konnten die Besucher testen, Foto: LEAG

Nächste Station: Barbarasaal. Wo sonst unsere Aufsichtsräte tagen oder Belegschaftsversammlungen stattfinden, wird heute Equipment rund um den Unternehmensschutz präsentiert. Ein Hingucker ist die Wärmebildkamera, die jedem Eintretenden ein lebensgroßes Abziehbild in Orange (für die wärmsten Körperbereiche) über Gelb, Grün und Blau (für die kältesten Stellen) präsentiert. Insbesondere Jungs und junge Männer werden aber von etwas anderem magisch angezogen. Sie summen wie ein Hornissenschwarm und schweben über einem kleinen, aus Lego nachgebildeten Tagebau: Drohnen.

Drohnen-Piloten und solche, die es werden wollen, durften sich ausprobieren. LEAG-Sicherheitsbeauftragter Steffen René Köhler übernahm die Rolle des Fluglehrers, Foto: Andreas Franke

Drohnen setzen die Markscheider der LEAG ein, um Gelände-Dokumentationen und Vermessungen durchzuführen. Im Bereich der Unternehmenssicherheit sorgen die Flugobjekte vor allem für den nötigen Überblick in komplexen Situationen, erklärt mir unser Unternehmensschutzbeauftragter Steffen René Köhler. Zum Beispiel bei widerrechtlichen Aktionen auf dem Betriebsgelände, wie an Pfingsten 2016, als Protestler des Bündnisses „Ende Gelände“ den Tagebau Welzow-Süd erstürmten und Geräte besetzten. Aber auch bei Diebstählen können Drohnen aus der Luft hilfreiche Hinweise geben.  

Verräterische DNA  

Vor allem der Metall- und Kabeldiebstahl ist ein Thema, das uns bei der LEAG leider immer wieder beschäftigt. Seit ungefähr fünf Jahren setzen wir daher künstliche DNA ein. Wie es funktioniert, erklärt André Wagner von der Leitstelle Objektsicherheit in Schwarze Pumpe den Besuchern der kreativen Nacht.

Erst unter dem Lichtmikroskop wird die Codierung mit künstlicher DNA sichtbar, Foto: LEAG

Die künstliche DNA wird auf das Objekt aufgetragen und enthält stecknadelkopfgroße Plättchen, die eine Codierung tragen. Hinter diesem Code verbergen sich der Eigentümer und weitere Informationen zum potentiellen Diebesgut wie zum Beispiel der rechtmäßige Lager- oder Verlegeort eines Kabels. Die künstliche DNA wird erst unter UV-Licht sichtbar. Um den Aufdruck der Plättchen zu lesen, braucht es dann ein mobiles Lichtmikroskop und eine ruhige Hand. Einem so ertappten Dieb dürften kaum Ausflüchte bleiben. André Wagner bestätigt mir noch, dass künstliche DNA auch im privaten Bereich eingesetzt werden kann, aber sinnvoller Weise natürlich nur im Zusammenspiel mit anderen aktiven Schutzmaßnahmen wie Wegschließen, Bewachen oder dem Versperren von Zufahrtswegen. 

Aufs Kreuz gelegt 

Auch wenn es den Abend über neben Infos auch viel Spaß und Unterhaltung gibt, bleibt Sicherheit doch ein ernsthaftes Thema – besonders dann, wenn es hart auf hart kommt und das eigene Wohlergehen in Gefahr ist. Wie wehre ich mich auch als Laie schnell und effektiv, wenn ich gepackt, an den Haaren gezogen oder festgehalten werde? Das zeigen Vereinsmitglieder der Abteilung Kampfkünste „Tokugawa“ des PSV Cottbus '90 e.V.

Selbstverteidigung braucht Übung und Mut - zu Trainingszwecken gibt Nico vom PSV Cottbus den Angreifer, Foto: LEAG

Trotz aller Ernsthaftigkeit herrscht auch hier gelöste Stimmung und das hilft, erste Berührungsängste zu überwinden. Mein Plan, mich als Beobachter hinter Schreibblock und Kamera zu verstecken, funktioniert genau fünf Minuten lang. Kaum habe ich beides zur Seite gelegt und die Hände vermeintlich frei, werde ich von Nico umklammert, während mir sein Vereinskollege erklärt, wie ich aus dieser unfreiwilligen Umarmung wieder herauskomme. Knie zwischen die Beine des Angreifers, rechte Hand auf seinen Rücken und die Linke als Hebel unter sein Kinn und dann eindrehen. Natürlich klappt das erstmal nicht, denn Nico sieht nett aus und auch wenn ich vermutlich nicht dazu in der Lage wäre, will ich ihm natürlich nicht weh tun. Doch nach nochmaliger Ermunterung ringe ich ihn tatsächlich nieder

Sekundenbruchteile später ist er wieder auf den Beinen. Auch Fallen ist reine Übungssache, vor allem im Kampfsport. Jetzt habe ich kurz Gelegenheit, mich mit Nico zu unterhalten. Er ist 17 Jahre alt, trainiert seit seinem sechsten Lebensjahr und war sogar schon einmal Junioreneuropameister. Ich bin beeindruckt, dass er seinen Samstagabend opfert, heißt das doch für ihn, im Minutentakt zu Boden zu gehen. Das führt auch vor Augen, wie sehr die "Nacht der kreativen Köpfe" vom Engagement jedes Einzelnen lebt und das seit über zehn Jahren. 

Gelungener Tatort ohne Verbrechen 

Um Mitternacht endet traditionell die „klügste Nacht des Jahres“. 2.205 Menschen haben in diesem Jahr die LEAG-Hauptverwaltung besucht, 80 waren im Einsatz und haben die Gäste durch den Abend begleitet – darunter auch 17 Tänzerinnen der Ballettschule Werhun aus Cottbus, der Berliner Handstandakrobat Gunnar Erik und Schauspieler Klaus-Peter Grap, der als Moderator durch die Veranstaltung führte. Die Zahlenkombi des „Gläsernen Safes“ wurde 300 mal geknackt, was vom Veranstalter ausdrücklich erwünscht war, denn die Mini-Safe-Spardosen, die es zu gewinnen gab, sollten schließlich den Besitzer wechseln. Aus dem Verkauf von Cocktails an der Ostseebar kamen 1.674 Euro zusammen, die als Spende an das Kinderhospiz „Pusteblume“ gehen. 

 

 

Bildergalerie

Handstandakrobatik von Gunnar Erik
Tanzvorführung der Ballettschule Werhun aus Cottbus
LEAG-Vorstandsvorsitzender Dr. Helmar Rendez mit Moderator Klaus-Peter Grap
Kampfsportvorführung des PSV Cottbus '90 e.V.
Informationen zum Einsatz künstlicher DNA gegen Kabeldiebe
Testflug mit einer Drohne
Eine besondere Erinnerung: Buttons mit dem eigenen Fingerabdruck
Tanzende Panzerknacker der Ballettschule Werhun
Die „vier Richtigen“ - Freizeit-Safeknacker am gläsernen Tresor
Das Foyer als Bühne bei der 11. Nacht der kreativen Köpfe
Cocktails von der Ostseebar für einen guten Zweck

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Autor

Ariane Geisler

Ich bin ein Lausitzer Gewächs: hier geboren, gehegt und gepflegt. Dann fürs Studium der Fachrichtung Medien vorübergehend "umgetopft". Beruflich habe ich in der Unternehmenskommunikation Wurzeln geschlagen. Mein Habitat bei der LEAG: Die externe Kommunikation im Print- und Digitalbereich. Was mir dabei am besten gefällt: Die Vielfalt der Menschen, Themen und Geschichten. Reichlich Nährboden für Einblicke, Schulterblicke, Seitenblicke.

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