09.10.2018

Die Geschichte der Digitalisierung begann nicht erst, als Konrad Zuse 1936 den ersten programmgesteuerten Computer „Z1“ erfand. Der Traum des Menschen künstliche Intelligenzen zu schaffen oder mechanische Helfer zur Erleichterung der Alltagsaufgaben zu erfinden, ist schon viel älter. Jetzt, im Jahr 2018, werden Errungenschaften greifbar, die man vor einigen Jahrzehnten nicht für möglich hielt. Zur 12. Nacht der kreativen Köpfe konnte ich mich im Hauptgebäude der LEAG hautnah davon überzeugen.

 

Es ist Samstagabend, als um sechs Uhr die Nacht der kreativen Köpfe beginnt. Als ich in das Foyer des Hauptgebäudes der LEAG trete, bin ich fasziniert. Ich kenne den Empfangsraum gut, hier gehe ich täglich ein und aus, aber heute hat er sich verwandelt. Beleuchtete Infotafeln, grüne Stehtische, die einladende Ostseebar und dazwischen ein bunt gemischtes Publikum, das nur zum Teil menschlich ist. Denn getreu dem Thema des Abends, haben sich auch mechanische Zeitgenossen unter die Menge gemischt. 

Wie schon im Vorjahr war die Nacht der kreativen Köpfe gut besucht, 2044 Menschen waren allein bei der LEAG mit dabei, Foto: Andreas Franke für LEAG

Mensch und Maschine

Sorgen für jede Menge Spaß: Die Maschiennmenschen, Foto: Andreas Franke für LEAG

Kaum habe ich mich mit einem Menschenstrom vorbei an den Demonstrationen der Werkfeuerwehr vor der Tür in den hohen offenen Raum begeben, begegne ich den Maschinenmenschen. Von denen hatte ich zwar im Vorfeld schon etwas gelesen, hatte mir aber beim besten Willen nichts darunter vorstellen können. Jetzt erlebe ich sie live. Die Performancekünstler bewegen sich wie Roboter und mit ihren weißen Masken und den futuristischen „Akkupacks“ auf dem Rücken wirken sie täuschend echt. Sie stimmen mich auf die Themen des Abends ein und bringen nicht nur mich zum Staunen, wie mir schnell klar wird. Besonders die Kleinsten unter den Gästen können sich gar nicht an ihnen satt sehen, besonders da die Maschinenmenschen für jeden Spaß zu haben sind und sich besonders für außergewöhnliche Schnappschüsse eignen.  

Moderatorin Jasmin Schomber hat maschinelle Unterstützung, Foto: Andreas Franke für LEAG

Nachdem ich mich mit einem mechanischen Highfive von den Künstlern verabschiedet habe, zieht es mich auch schon weiter. Im Vorbeigehen höre ich noch, wie Hugo die Roboterpuppe auf seinem kleinen Fahrrad und Jasmin Schomber (Moderatorin Antenne-Brandenburg) die Zuschauer unterhalten. Ein Gast fragt den lustigen Robomoderator zum Beispiel, wie er sich fortbewegen könne. Hugos Scheinwerferaugen scheinen kurz verschmitzt aufzublitzen, sein Monitormund zeigt ein verpixeltes Grinsen. Er fährt mit seinem Fahrrad ein Stück nach vorn und erklärt dann: „Na, einfach nicht absteigen!“ Alles lacht - selbst Hugos Sprecher, der sich dezent im Hintergrund hält. 

 

Beim Blick durch die 3D-Gläser bekamen die Besucher einen Einblick ins Kartenmaterial des Markscheidewesens, Foto: LEAG

Digitale Überflieger

Im Barbarasaal erwartet mich das erste große Themengebiet, das mich nun vollends für den Inhalt des Abends einnimmt. Drohnen. Die Einsatzmöglichkeiten der schwirrenden Flugobjekte sind so unterschiedlich wie außergewöhnlich. Im Markscheidewesen etwa unterstützen sie – neben der Digitalisierung generell – den Bergbau, indem sie bei der vormals analogen Erfassung, Auswertung, Analyse und Dokumentation von Landschaftsdaten helfen. Die Luftbilder, die die Drohnen liefern, sind hier durch 3D-Gläser zu betrachten und heben sich als plastische Reliefs aus den Aufnahmen heraus.

Vielfältig werden Drohnen bei der LEAG eingesetzt, da dürfen sie bei der #ndkkdigital nicht fehlen, Foto: Andreas Franke für LEAG

Aber die Fluggeräte können noch mehr, wie ich ein paar Schritte weiter erfahre. Selbst bei Revisionsstillständen im Kraftwerk kommen die schwebenden Helfer bereits beim Instandhaltungsmanagement zum Einsatz. Hohe, schwer erreichbare Stellen beispielsweise im Kühlturm können so untersucht werden. Drohnen in Kugelkäfigen rollen schon heute an Anlagenwänden entlang und liefern gut verwertbares Bildmaterial an die Technik. Der Vorstellungskraft sind keine Grenzen gesetzt und die Forschung schreitet gerade auf diesem Gebiet immer weiter voran. Der Drohneneinsatz ist vielerorts nicht mehr wegzudenken und um die Drohnenpiloten von morgen schon einmal zu begeistern, wurden hinter einem hohen Fangnetz im Saal sogar schon ein paar Flugstunden mit Testdrohen unterschiedlichster Bauart erteilt. 

Kahoot! – Interaktive Ausbildung

Der Chor des Max-Steenbeck-Gymnasiums absolvierte zwei Auftritte am Abend, Foto: Andreas Franke für LEAG

Begleitet von den eingängigen Liedern des Pop-Chors des Max-Steenbeck-Gymnasiums, der an diesem Abend mehrere Auftritte absolviert, sehe ich mich in der oberen Etage um. Neben der automatisierten Prozessdatenerfassung im Spezialtiefbau am Beispiel des zukünftigen Cottbuser Ostsees, erregt besonders der Stand der Ausbildung meine Aufmerksamkeit. Nachdem mir mittels einer VR-Brille die Ausbildung zum Zugfahrer bei der LEAG nähergebracht wurde, fällt mein Blick auf eine Leinwand, auf der scheinbar gerade ein Quiz stattfindet. Meine Neugier ist augenblicklich geweckt. Ich lerne Daniel Richter und Johannes Kucher kennen, als ich mir interessiert den Test ansehe. Beide sind Auszubildende und lernen bei der LEAG den Beruf des Industriemechanikers, erzählen sie mir. Heute Abend bringen sie den Gästen etwas näher, das für sie schon zum Alltag in der Ausbildung gehört - nämlich „Kahoot!“ ein interaktives Lernspiel, das den Schulunterricht ergänzt.

Daniel Richter und Johannes Kucher erläutern Kahoot!, Foto: LEAG

Als Zukunft des Lernens bezeichnet Richter das Modul, das sowohl für den Computer als auch in App-Form genutzt werden kann. „Unsere Ausbilder selbst füllen das Lernprogramm mit Inhalten, stellen verschiedene Themenkomplexe und Schwierigkeitsstufen zusammen und können so alles auf dem neusten Informationsstand für uns Auszubildende halten“, erklärt er mir weiter. Natürlich lasse ich mir die Gelegenheit nicht entgehen und werde Zeuge eines Wissenstests. Drei Schwierigkeitsstufen stehen heute Abend bereit: Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Natürlich gewinnt Kucher nach zwanzig von zwanzig richtig beantworteten Fragen die Erwachsenenrunde, obwohl die Auswertung zeigt, dass sein Gastkonkurrent nur knapp hinter ihm lag. „Aber man muss schon etwas tiefer im Stoff stecken, um die höchste Schwierigkeitsstufe zu meistern“, gibt er augenzwinkernd zu.

Ganz analog, aber nicht weniger beeindruckend: Die Werkfeuerwehr gab bei der Nacht der kreativen Köpfe Einblick in ihre Tätigkeit, Foto: Andreas Franke für LEAG

Nützliche Hologramme

Und Aktion für die Autorin, Foto: Andreas Franke für LEAG

Nachdem ich mich von den jungen Männern verabschiedet habe, umrunde ich die Brüstung mit Blick ins Foyer und lande nach einiger Zeit bei meiner nächsten Station. Die ISS Energy Services lädt hier zu einem weiteren digitalen Einblick ein. Die Firma ist mir ein Begriff. Ob Raumpflege, Kantine oder Wachschutz – das Unternehmen ist bei der LEAG Bestandteil des Facility Service-Bereichs. Kaum trete ich in den Ausstellungsraum, fällt mein Blick auf ein Gerät, das wie eine Mischung aus Arbeitsschutzhelm und Skibrille anmutet. Was kann man denn damit machen, frage ich und habe im nächsten Moment auch schon die buchstäbliche Brille auf. Das Gerät, Hololense genannt, ist zwar noch nicht im Praxiseinsatz, eröffnet aber schon jetzt einen Ausblick darauf, was einmal möglich sein könnte. 

Tetris mit digitaler Unterstützung: die Hololense im Einsatz, Foto: Andreas Franke für LEAG

Um mir die Funktionsweise der Brille näher zu bringen, bekomme ich eine Aufgabe. Auf dem Boden liegen mehrere bunte Bausteine aus Schaumstoff. Wie in einem plastischen Tetris-Spiel soll ich diese Einzelteile jetzt zu einem Würfel zusammenfügen. Eine schwierige Aufgabe, wie ich schnell feststelle. Die Möglichkeiten sind vielfältig und ohne lange herum zu probieren, scheint mir die Aufgabe schwer lösbar. Nicht aber mit der Hololense, die jetzt eingeschalten wird, um mir zu helfen. Sie projiziert die Formen, die neben mir auf dem Boden liegen, dreidimensional in den Raum. Anhand dieser einfachen Anleitung kann ich die richtigen Bauteile auswählen und wie vorgegeben zusammensetzen. Es genügt, eine kurze Handbewegung auszuführen, um der Brille zu signalisieren, dass mir das nächste Puzzlestück eingeblendet werden kann, wenn ich ein Bauteil richtig positioniert habe. Schnurstracks habe ich so alles zusammen gesetzt und meine anfangs anspruchsvoll wirkende Aufgabe in Windeseile gelöst. Ein nützliches Werkzeug für die Zukunft, wenn man zum Beispiel allein eine Arbeit ausführen muss und eine anschauliche Anleitung braucht. Nie wieder verzweifelt die Aufbauanleitung eines Schranks in alle Himmelsrichtungen drehen, weil sie aus dem Schwedischen übers Englische ins Deutsche übersetzt wurde, denke ich, während ich den Apparat abgenommen bekomme. Die Hololense macht es sicherlich eines Tages möglich.

Auf zwei Etagen gab es jede Menge Dinge zu erkunden, Foto: Andreas Franke für LEAG

My name is Nao 

Nao fasziniert die Besucher, Foto: Andreas Franke für LEAG

Aber die ISS hat noch mehr Überraschungen für mich auf Lager. In einer anderen Ecke des Raumes lerne ich Nao kennen – einen weißen Roboter, der mir gerade bis zum Knie reicht. Ein bisschen drollig sieht er schon aus, stelle ich fest, weil er immer ein bisschen verdutzt dreinzuschauen scheint. Dabei hat es der Kleine faustdick hinter den mechanischen Ohren. Nao kann sich bewegen und sprechen, reagiert auf optische, akustische und sensorische Reize, wie mir ein Techniker der ISS erläutert. Ob nun auf Fragen antworten, jemandem die Hand geben oder sogar Liegestütze ausführen, es gibt eigentlich nichts, was man der Maschine nicht einprogrammieren kann. Putzig finde ich das schon, aber was bedeutet das für den Praxiseinsatz? Ich wende mich mit meiner Frage an Michaela Luttosch, Prokuristin und Personalleiterin der ISS Energy Services, die mir erklärt, dass Nao in naher Zukunft vielleicht im Empfang an der Rezeption eingesetzt werden könnte. „Stellen Sie sich vor, der Empfang ist vorübergehend nicht besetzt und ein Kunde reist an. Wäre es nicht toll, wenn er sich an Nao wenden könnte? Der Roboter könnte ihm zum Beispiel die Nummer des gesuchten Konferenzzimmers nennen oder ihm die Telefonnummer des Geschäftspartners im Haus heraussuchen.“, sagt sie. Ich nicke. Die Idee ist genial und kein Besucher hätte wohl etwas dagegen, sich mit der freundlich dreinblickenden kleinen Maschine zu unterhalten. Bisher versteht Nao zwar nur Englisch, aber bis der Roboter tatsächlich an einem Empfangsschalter Platz nimmt, hat er ja noch Zeit, einiges dazu zu lernen. Die Richtung ist für Michaela Luttosch klar. „Wir wollen niemanden ersetzen, aber die anfallenden Arbeiten für unsere Mitarbeiter erleichtern und Abläufe verbessern. Und dabei wird uns die Digitalisierung eine enorme Hilfe sein.“, ist sie sich sicher. 

Immer ein Highlight für die Besucher: der Ausblick von der Dachterasse auf die Stadt, Foto: Andreas Franke für LEAG

Über den Dächern der Stadt

Breite Unterstützung trägt die Veranstaltung, deutlich wird es durch die Eröffnung durch Finanzvorstand Markus Binder, Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach und Maren Dieckmann, der Leiterin des Geschäftsbereiches Jugend, Kultur und Soziales der Stadt Cottbus, hier mit Moderatorin Jasmin Schomber, Foto: Andreas Franke für LEAG

Erleichterung. Verbesserung. Unterstützung. Die Begriffe tauchen an diesem Abend immer wieder auf, denke ich, als ich am Ende meiner Reise bei der Nacht der kreativen Köpfe ankomme. Ich stehe auf der Dachterrasse des LEAG Hauptgebäudes und lasse meinen Blick über die Stadt schweifen. Große und kleine Lichtpunkte erhellen die Straßen und spiegeln die Lebendigkeit wieder, die man bereits den gesamten Abend spürt. Maschinen erleichtern unser Leben und ermöglichen uns die Umsetzung von Ideen, die früher unmöglich gewirkt haben müssen.  

An 20 Stationen bot die Nacht der kreativen Köpfe in ganz Cottbus ihren Besuchern die Möglichkeit, diese Erfahrung auf die denkbar unterschiedlichsten Weisen zu sammeln. Allein bei der LEAG waren in dieser Nacht 2.044 Menschen zu Gast. Das im Vergleich zum Vorjahr etwa gleichbleibende Interesse der Besucher ist der Lohn der Bemühungen und Arbeit, die in einer solchen Großveranstaltung stecken. Und Motivation für alle Mitwirkenden, wenn es im nächsten Jahr am 19. Oktober wieder heißt: Willkommen bei der Nacht der kreativen Köpfe. Willkommen zum Entdecken, Lernen und nicht zuletzt: zum Staunen.

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Autor

Juliane Krause

Schreiben war schon immer mein Steckenpferd, auch wenn mich meine Ausbildung in der Lausitz vorerst in die Welt des Bestellwesens verschlug. Erste journalistische Gehversuche waren mir dennoch bereits in der Auszubildendenzeitung STROMeo zuteil geworden und schon damals wusste ich: Das ist mein Metier! Als Quereinsteiger habe ich dann den Sprung in die externe Kommunikation gewagt. Meine mehrjährige Erfahrung im Unternehmen LEAG hilft mir nun als Redakteurin genauso weiter, wie meine Offenheit und dieses gewisse Quantum an Neugier, das mich seit jeher antreibt. Denn wie sagte bereits einer meiner liebsten Autoren: „Die Neugier ist die mächtigste Antriebskraft im Universum, weil sie die beiden größten Bremskräfte im Universum überwinden kann: die Vernunft und die Angst.“

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