01.11.2017

„Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“, wusste schon Johann Wolfgang von Goethe. Getreu diesem Motto ermöglicht die Ausbildungsstätte Schwarze Pumpe schon über ein Jahrzehnt ihren Auszubildenden, in Frankreich, Polen oder Norwegen hautnah zu erleben, wie junge Leute dort einen Beruf erlernen. Im Gegenzug kommen junge Leute aus diesen Ländern zu uns.

Ausbilder Lutz Bretschneider organisiert zusammen mit Partnern den Austausch, Foto: LEAG

Ausbilder Lutz Bretschneider ist seit 2010 verantwortlich für den Austausch mit Frankreich. Seine Partner dabei sind das Oberstufenzentrum Forst, die Berufsschule Louise Michel aus Gisors in der Normandie, das Deutsch-Französische Sekretariat Saarbrücken und seine Kollegen im Bereich Ausbildung der LEAG. Damals war er zum ersten Mal mit einer Azubigruppe in Frankreich. Den Austausch für künftige Industriemechaniker und Mechatroniker gibt es jedoch schon seit 11 Jahren.

Für Bretschneider haben diese Austausche zwei positive Effekte:  „Zum einen erweitert es den Horizont, zum anderen löst es bei den Auszubildenden eine Menge aus“, erklärt er. Sie müssten sich in nur drei Wochen in einem fremden Land in einer unbekannten Sprache  an einem ungewohnten Arbeitsplatz zurecht finden. Es stärkt das Selbstbewusstsein, wenn ihnen das gelingt und sie dort bestehen. Umgekehrt lernen die jungen Leute, wenn sie in Schwarze Pumpe Gastgeber sind, anderen zu helfen, mit den hiesigen Bedingungen zurechtzukommen.

Die französischen Azubis lernen einen Zerspanungsarbeitsplatz in Schwarze Pumpe kennen, Foto: LEAG

Für den erfahrenen Ausbilder ist bereits die richtige Auswahl der jeweils 12 Teilnehmer sehr wichtig. Auszubildende ab dem zweiten Ausbildungsjahr können sich für die internationalen Austausche selbst bewerben. Sie werden aber auch angesprochen von ihren Ausbildern.  Voraussetzung sind selbstverständlich gute Leistungen und soziale Kompetenzen. Die Reisezeit muss zudem in den Ausbildungsplan passen. „Wir verstehen die Auswahl als eine Anerkennung der Leistung und der Persönlichkeit des Auszubildenden“, betont Bretschneider.

Mit dabei: Marie Bosdorf, Foto: LEAG

Eine von denen, die im Frühjahr 2017 mit in Gisors war, ist Marie Bosdorf. Sie ist inzwischen im 4. Ausbildungsjahr zur Industriemechanikerin. „Ich wollte schon viel eher mal am Austausch teilnehmen. Damals kamen mir Prüfungen dazwischen“, erzählt die junge Frau. Obwohl sie wusste, dass zum Programm der drei Wochen  an vier Tagen auch Sprachunterricht gehören würde,  hatte sie Zuhause schon ein wenig Französisch geübt - für die eigene Sicherheit und aus Höflichkeit den Gastgebern gegenüber.

Der Sprachunterricht fand als so genannter Tandemkurs statt, das heißt gemeinsam mit den französischen Auszubildenden.  Für sie ging es ums Deutsch lernen. „Wir haben uns aber auch sehr gut auf Englisch verständigt“, räumt Marie ein. Das Vorurteil, dass Franzosen keine Fremdsprachen sprechen mögen, könne sie nicht bestätigen. Nicht nur im Umfeld der Berufsschule sondern auch in Restaurants oder einfach so unterwegs im Ort hätte die Verständigung gut geklappt.

Doch nicht nur die andere Sprache macht den Unterschied bei den Azubi-Austauschen. Das deutsche duale Berufsbildungssystem mit Theorie in der Berufsschule und Praxis im Betrieb, in dem die Auszubildenden auch eingestellt sind und eine Vergütung erhalten, gibt es in anderen Ländern so nicht. In Frankreich zum Beispiel bietet der Staat über das Schulsystem mehrstufige Ausbildungsrichtungen an und kooperiert dabei für Praxiswochen mit den Unternehmen. Theorie und Praxis finden in der Regel in der Berufsschule statt.

Gemeinsam nicht nur den Arbeitsalltag meister: Azubis in Gisor beim Mittagessen, Foto: LEAG

In Gisors gehört zum großen Schulkomplex auch ein Internat. „Das waren sehr gute Bedingungen für uns“, berichtet Marie Bosdorf. Alles an einem Ort, das sei ein großer Vorteil gewesen. Für die französischen Jugendlichen, merkt Bretschneider an, sei das immer eine Herausforderung, wenn sie in der Lausitz zu Gast seien: Tandemkurs in Forst im Oberstufenzentrum, Praxis im Industriepark Schwarze Pumpe, wohnen in der Jugendherberge oder im Wohnheim in Cottbus.

Die Berufsschule in Gisor hat eine CNC-Werkstatt - eine tolle Bereicherung für die LEAG-Azubis, Foto: LEAG

Dass solch ein Austausch bei laufendem Ausbildungs- u. Schulbetrieb auch für die vielen Akteure einen hohen Organisations-und Koordinierungsaufwand bedeutet, erwähnt Bretschneider bei der Gelegenheit auch.

Der Aufenthalt in Gisors hat für die LEAG-Azubis auch fachlich etwas Besonderes: Die Schule verfügt über eine große CNC-Werkstatt mit hochmodernen Dreh- und Fräsmaschinen, die rechnergestützt gesteuert werden. „Mir hat großen Spaß gemacht, selbst Werkstücke programmieren zu dürfen“, ist Marie Bosdorf begeistert.  Zwar wisse sie noch nicht, wo sie nach ihrer Ausbildung einmal arbeiten werde, doch was man einmal gelernt habe, könne einem ja niemand mehr weg nehmen.   

Ein Besuch im Tagebau gehört zum Besichtigungsprogramm in der Lausitz, Foto: LEAG

Anderen Auszubildenden empfiehlt Marie unbedingt, an solchen Austauschen teilzunehmen:  „Egal wohin - man lernt andere Kulturen, Lebens- und Arbeitsweisen kennen. Man wird nicht dümmer dadurch. Im Gegenteil – was man Zuhause nicht lernt, lernt man vielleicht in einem anderen Land.“

So sieht das auch Lutz Bretschneider. Deshalb hat er sich gefreut, als er von Ausbildungsleiter Axel Ziller erfuhr, dass die LEAG die Austauschprogramme weiter fördern wird. Start frei also für die Vorbereitungen für den Azubi-Austausch 2018. Bretschneider kann sich dabei auch wieder auf seine bewährten Partner verlassen und möchte bei dieser Gelegenheit vor allem den Kollegen im Oberstufenzentrum Forst ein großes Dankeschön sagen.

Gruppenfoto der LEAG-Azubis beim Besuch von Airbus, Foto: LEAG

 

 

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Autor

Elvira Minack

Nachdem ich über 30 Jahre als Pressesprecherin und verantwortliche Redakteurin in Ostbrandenburg und in Franken gearbeitet habe, kam ich 2009 ins Unternehmen. Seit dem Herbst 2017 arbeite ich in der externen Kommunikation. 

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