09.08.2018

Es ist heiß in Deutschland. Seit Wochen. Ende Juli wird auch die Situation für viele Gewässer in Deutschland brenzlig, weil die Wassertemperaturen steigen und damit der Sauerstoffgehalt für die darin lebenden Fische zu niedrig wird. Kraftwerke, die ihr Kühlwasser vollständig und stark aufgewärmt in Flüsse zurückgeben, müssen nun ihre Leistung zurückfahren, um die Situation nicht zusätzlich zu verschärfen. Anders die Braunkohlekraftwerke. Sie können trotz Hitze die Versorgung stabil aufrechterhalten.

Kein Schwimmbad, sondern ein Wasserbecken im LEAG-Wasserwerk Schwarze Pumpe, Foto: LEAG

Klares Wasser schimmert Türkis im Sommerlicht. Das Thermometer zeigt 34 Grad Außentemperatur an. Nichts wäre schöner, als ein Bad in den mit etwa 15 Grad kalten Wasser gefüllten Becken. Nur ist das hier kein Schwimmbad, sondern das LEAG-Wasserwerk im Industriepark Schwarze Pumpe. Damit erklärt sich auch, warum in den Becken keine Badegäste ihr Vergnügen suchen, obwohl eine schwimmbadübliche Stahlleiter ins kühle Nass hinunterführt. In diesem Wasserwerk wird gehobenes 10 bis 12 Grad kühles Grubenwasser aus den Tagebauen Welzow-Süd und Nochten zu Brauch- und Trinkwasser aufbereitet.

 

In jeder Sekunde pumpt die LEAG 11,3 Kubikmeter Grubenwasser mit Filterbrunnen aus den vier Tagebauen Jänschwalde, Welzow-Süd, Nochten und Reichwalde, damit die Förderstätten frei von Grundwasser gehalten werden. Auch im ehemaligen Tagebau Cottbus-Nord, der für die Flutung zum Cottbuser Ostsee vorbereitet wird, laufen weiterhin die Pumpen entlang der Tagebaugrenzen. In den Grubenwasserbehandlungsanlagen (GWBA), wovon die LEAG mehrere betreibt, wird das gehobene Grubenwasser von Eisen befreit.

Kraftwerke nutzen behandeltes Grubenwasser

Hunderte Filterbrunnen arbeiten an den LEAG-Tagebauen, Foto: LEAG 

„In unseren Grubenwasserbehandlungsanlagen behandeln wir etwa zehn Kubikmeter Grubenwasser pro Sekunde. Der verbleibende Teil des gehobenen Wassers hat eine so gute Qualität, dass er ohne Aufbereitung verwendet werden kann“, erklärt der Leiter Tagebauentwässerung, Dr. Stephan Fisch. Von dem Grubenwasser profitieren auch die Lausitzer Braunkohlekraftwerke. Statt Wasser aus Oberflächengewässern zu entnehmen, können sie direkt auf das gehobene und behandelte Grubenwasser zurückgreifen.

Bernd Wermelskirchen aus der Abteilung Umweltschutz weist darauf hin, dass damit die Oberflächengewässer in der Lausitz geschont würden. „In der Lausitz wäre das Wasserdargebot der Flüsse wie Spree oder Neiße ohnehin zu gering, um es als Brauchwasser für die drei LEAG-Kraftwerke zu nutzen“, so Wermelskirchen. Eher haben die Flüsse einen Nutzen davon, dass behandeltes Grubenwasser in sie eingeleitet wird. „Die Wasserwirtschaft des Bergbaus ist ein stabiler Einleiter. In Summe leitet die LEAG an verschiedenen Einleitstellen rund fünf Kubikmeter klares und kühles Wasser pro Sekunde in die Spree und ihre direkten Nebenflüsse ein“, informiert Stephan Fisch.

Gemeinsam mit den Talsperren und Speicherbecken im Einzugsgebiet der Spree sorgt die LEAG so dafür, dass im Spreewald derzeit sechs bis sieben Kubikmeter Wasser pro Sekunde ankommen. Bei einer Verdunstung von 3 bis 4 Kubikmeter pro Sekunde in dem 13,8 Quadratkilometer großen Wassersystem ist klar, welche enorme Bedeutung diese Wasserzufuhr für den Spreewald und die weiteren Nutzer der Spree bis hin nach Berlin hat.

Klares kühles Wasser für die Spree, Foto: Weisflog

„An die Braunkohlekraftwerke geben wir rund fünf Kubikmeter aufbereitetes Wasser pro Sekunde ab. Davon gehen etwa 1,5 Kubikmeter pro Sekunde nach der Nutzung im Kraftwerk zurück in die Spree und etwa 3,5 Kubikmeter pro Sekunde verdunsten über die Kühltürme in die Luft“, fasst Stephan Fisch die Zahlen zusammen. 

LEAG-Kraftwerke arbeiten mit Umlaufkühlsystem 

Die Braunkohlekraftwerke verfügen anders als viele Kernkraft- oder Steinkohlekraftwerke über ein Umlaufkühlsystem mit Kühltürmen, bei dem das benötigte Kühlwasser mehrfach im Kreislauf verwendet wird. Kernkraft- und Steinkohlekraftwerke ohne Kühltürme entnehmen aus Oberflächengewässern das durch die aktuelle Hitze bereits erwärmte Wasser, nutzen es in Form der Durchlaufkühlung und geben es nach der Nutzung stark aufgewärmt in großen Mengen wieder in die Gewässer zurück. „Auch bei langanhaltend hohen Temperaturen haben die Braunkohlekraftwerke zum einen keinen negativen Einfluss auf die Gewässer, zum anderen auch keine Einschränkungen in ihrer Fahrweise“, so Bernd Wermelskirchen.

Strombedarf steigt mit sommerlichen Temperaturen 

Mit den sommerlichen Temperaturen geht aktuell auch eine hohe Einspeisung von Solarstrom ins Stromnetz einher. Deutschlandweit werden in der Spitze bis zu 27 Gigawatt aus Solaranlagen erzeugt. Die Produktion von Windstrom kam zeitweise fast zum Erliegen. Parallel dazu steigt in Deutschland der Strombedarf durch die verstärkte Nutzung von Klimaanlagen. In der Spitze stieg der Verbrauch in ganz Deutschland auf bis zu 74 Gigawatt. Die hohe Solarstromproduktion führt in den Mitttags- und Nachmittagsstunden aufgrund unzureichender Netzkapazitäten zu lokalen Netzüberlastungen, worauf die Netzbetreiber mit Redispatch reagieren. Die LEAG wird dann vom Netzbetreiber angewiesen, ihre Leistung zu reduzieren, um dem erneuerbaren Strom Vorrang zu geben. Harald Altmann vom Bereich Kraftwerkssteuerung gibt die Einsenkung im gesamten LEAG-Kraftwerkspark zu den Mittagszeiten aktuell mit bis zu 2.000 Megawatt an. „Während wir in den Nachtstunden das Ausbleiben der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien voll kompensieren müssen, beginnt für uns am Vormittag die Phase der sukzessiven Reduzierung unserer Stromerzeugung. Die höchste Einsenkung ist dann in der Mittagszeit erreicht, ehe wir bis zum Abend wieder mit voller Leistung fahren“, so Altmann.

Wasserwerk Schwarze Pumpe arbeitet flexibel

Leitstandfahrer Jan Seemann steuert die Prozesse im Wasserwerk Schwarze Pumpe, Foto: LEAG

Durch die gestiegenen Flusswassertemperaturen, wie zum Beispiel im Rhein mit rund 28 Grad, wird zum einen die Leistung der dort wasserentnehmenden Kraftwerke geringer, zum anderen müssen sie zusätzlich Leistung einsenken, um die Fische nicht mit zusätzlich aufgeheiztem Kühlwasser zu belasten. Dadurch müssen andere, zumeist teure Kraftwerke dieses Leistungsdefizit kompensieren. Der hohe Bedarf und der Einsatz teurerer Kraftwerke treiben derzeit auch die Strompreise an der Spotbörse EPEX nach oben. 

Ähnlich flexibel wie die Braunkohlekraftwerke der LEAG arbeitet bei diesen hohen Temperaturen auch das Wasserwerk in Schwarze Pumpe. Bei der Aufbereitung von Trinkwasser sind die Kapazitäten aktuell eigentlich komplett ausgeschöpft. Durch besondere Maßnahmen konnten diese in der derzeit angespannten Situation jedoch vorübergehend noch etwas gesteigert werden. Die Kollegen liefern das Maximum dessen, was das Wasserwerk an Trinkwasser aufbereiten kann, an regionale Wasserbetriebe, mit denen die LEAG Verträge unterhält. Besondere Aufmerksamkeit und Flexibilität erfordert auch die bedarfsgerechte Verteilung der verfügbaren Mengen, denn der Bedarf ist derzeit nicht nur besonders hoch, er schwankt auch im Tagesverlauf stark. Eine Herausforderung, der sich die Kollegen dort stellen, um den Menschen im Lausitzer Revier jederzeit genügend kühles Nass aus dem Hahn bereitzustellen. 

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Autor

Kathi Gerstner

Direkt nach meinem Studium der Kulturwissenschaften kam ich in die Kommunikationsabteilung des Unternehmens. Ich habe zunächst verschiedene Arbeitsbereiche der Kommunikation kennen gelernt ehe ich im Team der Pressesprecher meinen Platz gefunden habe. Dort bin ich seit dem Jahr 2008 Ansprechpartnerin für die Medien zu allen Themen des Braunkohlengeschäfts. 

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