09.11.2015

zur Person

Martin Schwarz

Martin Schwarz studierte Önologie in Geisenheim im Rheingau. „Besser gesagt, ich habe die Grundlagen erlernt. Wie Wein wirklich gemacht wird, das lernt man erst in der täglichen Arbeit.“ Und die begann für den Nordhessen nach dem Studium auf dem sächsischen Weingut Proschwitz, wo er dann 15 Jahre als Kellermeister für den Ausbau edler Tropfen zuständig war. „Ich wollte diese Herausforderung, hier in Sachsen konnte ich experimentieren, mich einbringen und verwirklichen.“ Und während er voller Leidenschaft über Wein und Winzerberuf erzählt, mag man kaum glauben, dass er mal Elektrotechnik studiert hat. „War mir aber viel zu trocken“, gibt er zu. Dagegen entfacht ein trockener Wein durchaus seine Leidenschaft. 

Geschafft! Die Trauben vom Wolkenberg sind gelesen. Bettina Muthmann von der Wolkenberg GmbH und Winzer Martin Schwarz von der Weinmanufaktur Meißen schauen zufrieden und erleichtert über die 26.000 Rebstöcke am Rande des Braunkohletagebaus Welzow Süd in Brandenburg: „Wir haben rund 20 Tonnen gelesen. Ein wirklich hervorragendes Ergebnis!

In den kommenden Wochen und Monaten obliegt es nun der Kunst und dem Handwerk des Winzers, den Wein vom Wolkenberg zu einem edlen Tropfen auszubauen. Gekeltert werden die Trauben in der Weinmanufaktur von Winzer Martin Schwarz im sächsischen Meißen. „Wir rechnen mit rund 15.000 Flaschen“, sagt der 52-Jährige, dem aber nicht Masse, sondern Klasse wichtig ist. Davon zeugen nicht zuletzt drei Sterne im Weinguide Gault Millau 2013. Und so setzt er natürlich auch beim Wein vom Wolkenberg auf Qualität. Mit Mostgewichten von 95 Grad Öchsle im Roten Riesling, über 105 Grad Öchsle im Carbernet bis zu 120 Grad Öchsle im Kernling haben die Trauben schon mal gut vorgelegt. Ausgebaut werden sie zu „Brandenburger Landwein“ – so die offizielle Bezeichnung entsprechend dem europäischen Rebrecht. Martin Schwarz rechnet mit ausgewogenen, fruchtigen Weißweinen sowie leichten, aber auch kompakten und dichten Rotweinen. Und gekeltert wird auch ein Secco Rose Sekt. Ab Mai 2016 soll der Wein vom Wolkenberg unter anderem in der Meißener Weinmanufaktur sowie im Besucherzentrum „excursio“ in Welzow zum Kauf angeboten werden. Auch Gaststätten werden ihn auf der Karte haben.

Herausforderung Wolkenberg

Lese am Wolkenberg, Foto: LEAG

Der Wolkenberg, den Martin Schwarz seit 2014 gemeinsam mit der Wolkenberg GmbH bewirtschaftet, ist für den erfahrenen Winzer die bisher wohl größte berufliche Herausforderung. Er nennt es ein spannendes Projekt mit einmaligem Terroir. Und er hat gemeinsam mit Bettina Muthmann das ehrgeizige Ziel, den Weinanbau in der so genannten Bergbaufolgelandschaft zum Erfolg zu führen. Doch das ist auf der ehemaligen Tagebaufläche ist kein leichtes Unterfangen. Die Vegetationsperiode ist kurz, der Boden trocken und der Berg relativ offen und deshalb exponiert für Wind und Sonne. „Doch das trocknet das Erdreich auch schnell aus“, so der gebürtige Nordhesse und fügt hinzu: “Zudem sind die Rebstöcke erst 2010 gepflanzt worden, also noch sehr jung. Sie müssen sich im Erdreich verwurzeln. Das braucht Zeit.“

Deshalb war es dem Winzer und seinen Geschäftspartnern in den vergangenen Monaten wichtig, den Boden und die Rebstöcke zu stärken. Dafür wurde u.a. das Erdreich mit Humus angereichert und die Weinstöcke wurden mit einer Tröpfchenbewässerung ausgerüstet, die über eine Zisterne erfolgt. Zudem haben die Winzer im vergangenen Jahr auf die Lese verzichtet, um die Reben zu stärken. Und zum Schutz vor Hagel, gefräßigen Wespen und Vögeln sind die Weinstöcke in diesem Jahr in Netze gehüllt worden. „2013 hatten Stare einen großen Teil der Ernte vernichtet. Einen solchen Schaden wollten wir nicht wieder hinnehmen“, sagt Bettina Muthmann und atmet tief durch: „Ja, auf diese Lese haben wir intensiv hingearbeitet und auch viel investiert. Jetzt sind wir mit einem sehr guten Ernteertrag für unser Mühen und auch für unsere Geduld belohnt worden.“

Nur die Guten in die Butte

Bettina Muthmann , Geschäftsführerin der Wollenberg GmbH, schaut zufrieden auf die reifen Trauben, Foto: LEAG

Seit Mitte September waren die Winzer täglich mit vielen ehrenamtlichen Helfern auf dem sechs Hektar großen Weinberg im Einsatz. Gelesen wurden die Weißweinsorten Schönburger, Weißburgunder, Grauburgunder, Kernling, Roter Riesling und die roten Sorten Carbernet und Ronda.

Und darauf legt Bettina Muthmann viel Wert: „Geerntet wurde sortenrein und handverlesen.“ Nur die Guten kamen ins Körbchen bzw. in die Butte, wie der Winzer sagt. „Rund 20 Helfer und Freunde aus der Umgebung haben uns unterstützt, Es war eine tolle Zeit. Dank an alle, die dabei waren“, freut sich die gebürtige Nordrhein-Westfälin und schaut überglücklich zum Himmel. Denn das Wetter hat es mit wenigen Ausnahmen gut mit den Weinlesern gemeint. Mehr Informationen unter schwarz-wein.de

Vom Tagebau zum Weinberg

Der Wein aus Brandenburg, Foto: LEAG

Den Namen Wolkenberg hat der Wein übrigens vom Dorf Wolkenberg, das dem Braunkohletagebau weichen musste. Doch mit den Rekultivierungsplänen der für die Kohleförderung beanspruchten Fläche wurde auch die Idee geboren, Wein anzubauen.Und so hat Vattenfall im Jahr 2010 dort, wo einst das Dorf Wolkenberg stand, 26.000 Rebstöcke gepflanzt und nicht nur eine neue Kulturlandschaft, sondern auch ein attraktives Ausflugsziel geschaffen. „Und für mich ist es der schönste Arbeitsplatz der Welt“, schwärmt Bettina Muthmann.

Weinland Brandenburg

Weinanbau auf einer rekultivierten Tagebaufläche ist ungewöhnlich. Doch der Weinanbau in Brandenburg keineswegs. Seine Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Allerdings kam der Anbau im Laufe der Jahrhunderte fast zum Erliegen, erst nach dem Fall der Mauer reifte diese Tradition wieder und der Weinanbau wurde vielerorts belebt. Insgesamt reifen in Brandenburg Trauben auf rund 30 Hektar. Bekannt ist vor allem der Wein vom Werderaner Wachtelberg oder vom Langen Berg in Schlieben, wo es sogar eine historische Weinkellerstraße mit rund 30 Gewölben gibt. Und auch der Wein vom Wolkenberg soll sich erfolgreich in die Riege der besten Weine aus Brandenburg einfügen. Daran arbeiten die Winzer vom Tagebaurand mit viel Ehrgeiz und Leidenschaft.

Mehr unter www.route-brandenburger-weinkultur.dewww.wein-land-brandenburg.de

 

Dieser Artikel erschien zuerst im Vattenfall Blog.

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