Es ist 17:07 Uhr, als bei Steffen Baumann in der Leitstelle der Betriebsüberwachung des Tagebaus Welzow-Süd der Funkspruch von der Förderbrücke F 60 eingeht: „Wir haben eine verletzte Kollegin. Sie ist gestürzt, liegt auf dem Rüstlagerplatz vom Bagger 1307 und kann sich nicht mehr selbständig bewegen.“ „Hilfe kommt sofort!“, verspricht Baumann. Er weiß, was zu tun ist.

Lagebesprechung vor Ort an der F60, Foto. LEAG

Die nächsten Telefonate führt er mit der dem Gruppenführer der Feuerwache Welzow Süd, die nebenan in den Tagesanlagen am Schacht III stationiert ist und der Leitstelle der Werkfeuerwehr in Schwarze Pumpe, Dann informiert er die Tagebauleitung. Die Welzower Tagebau-Wehr rückt sofort aus – mit einem modernen Rettungswagen,  dem Einsatzleitwagen und zwei Tanklöschfahrzeugen. Das ist der gesamte Fuhrpark am Standort im Schacht III, in Bewegung gesetzt von nur vier Mann, die die Wache von 6 bis 6 Uhr rund um die Uhr im 24 Stunden Dienst besetzen, darunter zwei Feuerwehrleute mit Rettungssanitäterausbildung. Zusätzlich haben sie Unterstützung durch den Teleskopmast mit einer Rettungshöhe von 52m  aus der Hauptfeuerwache in Schwarze Pumpe angefordert, weil die Zuwegungen auf der F 60 eng und mit einer Verletzten auf einer Trage möglicherweise schwer und zeitaufwändig zu passieren sind.

Filmreife Rettungsübung in luftiger Höhe: n-tv begleitet die Höhenübung im Tagebau Welzow-Süd, Foto: LEAG

Schnell im Einsatz

Die Verunfallte wird vor Ort versorgt, Foto: LEAG

Es nieselt schon den ganzen Tag über, die Wege in den Tagebau sind aufgeweicht, nur zu bewältigen von geländegängigen Fahrzeugen, über die auch die Werkfeuerwehr verfügt. Und so brauchen die Helfer nicht mal zehn Minuten für den Weg von den Tagesanlagen bis zur Brücke. Vor Ort angekommen geht alles ganz schnell: Gruppen- und Einsatzleiter Christian Freese schickt zuerst die beiden Sanitäter auf die Förderbrücke, um die Lage zu sondieren. Tatsächlich geht es der verletzten Bergfrau gar nicht mal so schlecht, außer, dass sie mittlerweile auf ihrer Position auf dem Dach der Führerhauskabine anfängt zu frieren. Eine Thermodecke der Feuerwehrleute hilft. 

Während oben noch die erste Versorgung läuft, wird unten schon der Transport vorbereitet, Foto: LEAG

Reibungslos und schnelle Umsetzung

Der Hubsteiger ist vor Ort, die Verletzte wird mit dem Rettungskorb abtransportiert, Foto: LEAG

Die 31-jährige Sandra Reschke aus der diensthabenden Schicht der Förderbrücke hat sich für diese großangelegte Rettungsübung, die überdies für eine Dokumentation des Fernsehsenders ntv von Kameras aufgezeichnet wird, als „Unfallopfer“ zur Verfügung gestellt. Deshalb wird sie nun konsequent dabei bleiben: Sie kann nicht aufstehen, vermutlich ist der linke Knöchel gebrochen. Während die Retter auf der Förderbrücke nach unten durchgeben, dass der Hubsteiger zum Einsatz kommen muss, beginnen sie, das verletzte Bein zu schienen. Am Fuß der Förderbrücke wird derweil die Trage vorbereitet und mit dem Hubsteiger und zwei weiteren Mann Verstärkung nach oben geschickt. Die Rettung der jungen Frau mit dem Rettungskorb dauert nur wenige Minuten. Alles klappt reibungslos und schnell. Lars Mudra, Bereichsingenieur Brandschutz und stellvertretender Leiter der LEAG-Hauptfeuerwache, ist als Beobachter vor Ort und zufrieden mit seinen Jungs.

Große Truppe 

Der Teleskopmast der Wehr kann bis zu 52 Meter hoch ausgefahren werden, Foto: LEAG

Auf rund 200 haupt- und nebenberufliche Kameraden kann die LEAG-Werkfeuerwehr mit ihren Stützpunkten in Schwarze Pumpe, Welzow, Boxberg und Jänschwalde zählen. Viele davon sind  hochspezialisiert und qualifiziert. „Feuerwehrleute sind heutzutage für mehr als Brandbekämpfung zuständig. Die meisten unserer Kollegen sind auch Rettungssanitäter, das gehört heutzutage mit zur Feuerwehrausbildung. 65 Kollegen sind Höhenretter und 15 ausgebildete Feuerwehrtaucher“, erklärt Mudra. Der Einsatz der Werkfeuerwehr beschränkt sich damit auch nicht bloß auf die Tagebau- und Kraftwerksanlagen des Unternehmens, sondern auf Rettungsdienstleistungen aller Art im gesamten Lausitzer Revier. Entsprechend umfangreich und spezialisiert ist auch der Fuhrpark der Hauptfeuerwache. Neben dem Hubsteiger ist dort zum Beispiel auch ein Abgaslöschfahrzeug stationiert, das mit hohem Druck Brände löschen und dabei giftige Dämpfe niederschlagen kann. „Im Jahr 2016 hatten wir es im Tagebau Welzow Süd mit 31 Kleinbränden zu tun, wir sind aber auch insgesamt 97 Rettungswageneinsätze gefahren, und 700 mal haben wir auf andere Weise Hilfe geleistet, zum Beispiel durch Pumparbeiten, Brandsicherheitswachen, das Freimessen von Behältern und Sicherung der Produktion durch Beseitigung von Schnee und Eis. Dazu kommen noch etwa 800 Kontrolltätigkeiten an Löschanlagen der Großgeräte, Handfeuerlöscher und Sanitätskästen", bilanziert Lars Mudra. „Einen großen Teil unserer Arbeit machen auch Schulungen und Prävention aus.“

Kräfte bündeln für den Ernstfall

Alles sicher: die Verunfallte wird für die weitere Versorgung abtransportiert, Foto: LEAG

Wenn die Tagesanlagen von Welzow-Süd im kommenden Jahr an ihren neuen Standort im Industriepark Schwarze Pumpe umziehen, dann bekommt auch die Tagebau-Feuerwehr einen neuen Platz in einem Extra-Anbau an die Hauptfeuerwache.  Beeinträchtigt der längere Weg in den Tagebau dann nicht die Einsatzgeschwindigkeit im Ernstfall? „Nein, für die Kollegen im Tagebau ändert sich eigentlich nichts“, versichert Lars Mudra. „So wie schon jetzt fährt ja auch dann ein mobiler Löschtrupp im Drei-Schicht-System vor Ort im Tagebau seine Runde. Er hat eine Wärmebildkamera für die Brandfrüherkennung an Bord und alles für die Erstbekämpfung. Ich denke sogar, dass wir, wenn wir unsere Kräfte in der Hauptfeuerwache zusammenziehen, noch effektiver und schlagkräftiger sind.“

Nach der Übung ist vor dem Einsatz: Lars Mudra (l.) mit Teammitglied beim Ausrüstungscheck, Foto: LEAG

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Autor

Thoralf Schirmer

Nachdem ich 20 Jahre als Lokaljournalist in der Lausitz gearbeitet habe, kam ich 2011 als Pressesprecher ins Unternehmen. Seitdem begleite ich alle Themen aus der Region zusammen mit meinem Team.

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