Aufbringen der DNA geht einfach per Sprühflasche, Foto: LEAG

Sie kommen am liebsten nachts oder an Wochenenden, immer öfter aber auch an ganz normalen Wochentagen, gekleidet in Arbeitsanzüge wie Mitarbeiter von Servicefirmen in vermeintlichen „Dienstfahrzeugen“: Organisierte Banden von Buntmetalldieben richten jährlich hohen Schaden in den Tagebauen der Lausitz an. Sie haben es vor allem auf Kupferkabel abgesehen, die zur Stromversorgung der Filterbrunnen dienen, mit denen das Grundwasser im aktiven Tagebaubereich abgepumpt wird. Einen Sachschaden von 439.000 Euro hatte unserTechnische Service Tagebaue  allein im Jahr 2013 durch solche Diebstähle zu verzeichnen. Besonders betroffen: die Tagebaue Jänschwalde und Cottbus-Nord in Südbrandenburg.

Dabei gehen die dreisten Diebe ein hohes Risiko ein. Zum einen ist der Versuch, Teile aus einem stromführenden Kabel herauszuschneiden, lebensgefährlich für Täter und Unbeteiligte, die versehentlich in die Nähe der offenen Kabelenden geraten. Zum anderen stehen die Diebe unter dem hohen Verfolgungsdruck einer ganzen Gruppe Betroffener. Seit 2012 existiert die unter anderem von der Deutschen Bahn AG und der Telekom AG ins Leben gerufene „Sicherheitspartnerschaft gegen Metalldiebstahl“, der sich auch andere Unternehmen angeschlossen haben. Man tauscht Erfahrungen und Hinweise über Angriffsziele, Täterverhalten und neue Präventionsmaßnahmen aus. Immer mit am Tisch der Sicherheitspartner ist die Polizei.

Ultraviolettes Licht bringt´s heraus

Überprüfung der Kennzeichnung, Foto: LEAG

Gemeinsam wurde so seit 2012 eine großflächige Markierung mit künstlicher DNA vorgenommen. Auch im Tagebau wird sie auf den Stromkabeln eingesetzt. Der Trick: Die auf den ersten Blick unsichtbare DNA-Markierung gibt sich – etwa bei Kontrollen durch die Polizei – unter UV-Licht zu erkennen. Mit Spezialmikroskopen, über die jede Polizeiwache im Bereich Cottbus/Spree-Neiße verfügt, lassen sich Identifikationsnummern ausmachen, die dem wirklichen Eigentümer zweifelsfrei zuzuordnen sind und Diebe überführen.

Weitere Abwehr

Aber auch der Weg zu den begehrten Kupferkabeln und das kriminelle Handwerk vor Ort sollen den Dieben zunehmend erschwert werden. Hier wird mit mit Schranken und Schutzwällen gearbeitet, die Unbefugten den Zugang in den Tagebau versperren. Signalanlagen schlagen sofort an und rufen den Werksschutz auf den Plan, wenn auch nur eine Ader des Kabels gekappt wird. Und darüber hinaus müssen die Täter damit rechnen, dass sie bereits bei ihrer Ankunft nicht allein am Tatort sind und auf frischer Tat ertappt werden können. Denn auch der Einsatz getarnter Beobachtungsposten mit Nachtsichtgerät an potenziellen Zielen der Diebe gehört zum Abwehrplan des unternehmeneigenen Sicherheitsmanagements.

Schlechte Zeiten für Metalldiebe

Dass die präventiven Maßnahmen Erfolg zeigen, lässt sich an der Entwicklung der Schadensbilanz ablesen. Danach wird es 2014 im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich einen Rückgang der Schäden durch Metalldiebstahl um 40 bis 50 Prozent geben. Aber selbst, wenn den kriminellen Langfingern ein nächster Coup im Tagebau glücken sollte, könnte die Enttäuschung für sie groß sein, wenn sich das erhoffte Stück Kupferkabel mit hohem Buntmetallwert als weniger wertvolles Aluminium entpuppt. Schritt für Schritt nämlich soll künftig das Kabelmaterial ausgetauscht werden. Schlechte Zeiten für Metalldiebe.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im Vattenfall Blog

 

 

Bildergalerie

Die DNA kommt aus der Sprühflasche, Foto: LEAG
Die Kupferkabel werden durch Alukabel erstetzt, Foto: LEAG
Mit Patroullien sichern Wachdienste den Tagebau, Foto: LEAG
Beobachter legen sich in voller Tarnung auf die Lauer, Foto: LEAG

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Autor

Thoralf Schirmer

Nachdem ich 20 Jahre als Lokaljournalist in der Lausitz gearbeitet habe, kam ich 2011 als Pressesprecher ins Unternehmen. Seitdem begleite ich alle Themen aus der Region zusammen mit meinem Team.

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