05.02.2019

Jedes Projekt – so einzigartig es auch werden soll – beginnt auf dem Papier, mit jeder Menge Plänen. Bei Gunnar Löhning laufen sie zusammen. Er ist der Projektleiter für das LEAG-Projekt: BigBattery Lausitz. Mit dem Bau eines Batteriespeichers am Standort Schwarze Pumpe geht das Unternehmen neue Wege.

Gunnar Löhning am Arbeitsplatz in Cottbus, Foto: LEAG

Auf dem Schreibtisch stapelt sich normalerweise das Papier, für die Fotoaufnahmen hat Gunnar Löhning extra aufgeräumt. Der drahtige Lausitzer hat sein Büro in Cottbus, hier sitzt der Fachbereich Elektro- und Leittechnik, für den er arbeitet. Seit 2008 ist er bei der LEAG, davor hat er an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU), direkt am Lehrstuhl Energieverteilung und Hochspannungstechnik, und dem Centrum für Energietechnologie Brandenburg e. V. gearbeitet. Von der Wissenschaft ins Unternehmen war der Schritt damals klein, denn bereits an der BTU hat sich Löhning eng mit den Kraftwerksbereichen der Lausitz bei Kooperationsprojekten ausgetauscht. „Als Verstärkung für die Kraftwerksneubauprojekte gesucht wurde, war das eine schöne Chance“, sagt Löhning. Nach Mitarbeit an den Kraftwerksneubauten in Boxberg und Moorburg begleitete der 47-Jährige verschiedenste Versorgungsprojekte. Jetzt also BigBattery.

Neue Wege in der Lausitz

Das Ziel aller Beteiligten ist eine Fertigstellung bis Mitte 2020. „Aktuell erfolgt gerade eine Konkretisierung der Ausführungsplanung seitens des Hauptauftragnehmers EGEM. Parallel werden erste Kontakte zu Behörden und Ämtern aufgenommen. Die Zuarbeit für die Genehmigungsanträge soll bis Ende Februar vorliegen.“ Die LEAG betritt mit dem Projekt neue Wege. „Unser Tagesgeschäft ist es, Kraftwerke zu bauen und zu betreiben“, so Löhning. „Die Speichertechnik hat sich erst in den letzten Jahren in dieser Größenordnung entwickelt. Vieles ist noch technisches Neuland. Wir sehen eine ganze Reihe unkonventioneller Lösungen. Diese müssen wir durchdringen und an unseren Anforderungen spiegeln. Das ist durchaus eine Herausforderung.“

Skalierung als Innovation

Mit BigBattery setzt die LEAG ein Zeichen. „Der Aufbau signifikanter Speichergröße ist notwendig. So fallen mit der Sicherheitsbereitschaft in Jänschwalde Systemdienstleistung zur Netzstabilisierung weg. Diese kann man mit dem Batteriespeicher auffangen“, erklärt Löhning. Die Größe sei auch gleichzeitig die Innovation. „Es gibt bereits Projekte, bei denen Batteriespeicher mit Kraftwerken vernetzt worden sind – beispielsweise die Kraftwerksbatterie Heilbronn mit zwei Containern à 2,8 MWh Lithium-Ionen-Batterien. Im Vergleich dazu haben wir unser Projekt mit einem Faktor 10 nach oben skaliert.“

Intelligente Vernetzung als Herausforderung

Der Batteriespeicher wird direkt am Kraftwerk Schwarze Pumpe gebaut. „Es ist eines unserer modernsten Kraftwerke und verfügt über innovative Kraftwerksleitsysteme, die uns von großem Nutzen sind“, so Löhning. BigBattery wird Strom aus dem Kraftwerk und über einen 110-kV-Netzanschluss auch aus anderen Energiequellen speichern und in das Stromnetz zurückspeisen. Dabei sollen die Batterien zunächst Primärregelleistung bereitstellen. Diese muss bei Vorliegen eines gefährdeten Zustandes im Übertragungsnetz nach 30 Sekunden für eine Dauer von mindestens einer halben Stunde verfügbar sein, je nach Bedarf des Strommarktes und des -netzes.

Grafik zur Regelleistung, LEAG

Die Stromerzeugung, das Be- und Entladen sowie die Speicherung werden dabei intelligent vernetzt. „Wir sehen hierfür einen Markt, die Wirtschaftlichkeit ist aus unserer Sicht gegeben“, erläutert Löhning. Darüber hinaus soll der Speicher noch weitere bestehende und gegebenenfalls neu entstehende Systemdienstleistungen erbringen. „Mit dem Bau und dem Betrieb sammeln wir Erfahrungen, auf deren Basis wir die Anwendung ausbauen können. Die Anbindung des nahegelegenen Industrieparks könnte weitere Anwendungsmöglichkeiten schaffen. Doch das fordert eine entsprechende leittechnische Verknüpfung für den gesamten Verbund und ist mit Sicherheit noch eine weitere Herausforderung, weil es auch in dieser Größenordnung noch nicht gemacht wurde.“ Jetzt gilt es erst einmal den Baustart erfolgreich zu realisieren. Dafür muss Löhning die sorgsam weggepackten Papierstapel weiterbearbeiten.

Unseren Flyer zum Projekt können Sie hier downloaden. 

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen?

Dann schreiben Sie uns

Themen

Teilen

Autor

Daniela Hertzer

Meine berufliche Wiege stand in Brunsbüttel, genauer im dortigen Kernkraftwerk. Von da ging es stromaufwärts über Hamburg und Berlin in die Lausitz. Seit Beginn dieses Jahrtausends arbeite ich in der Unternehmenskommunikation: erst analog, jetzt digital. Mein Antrieb ist die Neugierde und der Spaß am Ausprobieren. Und ich bin ein großer Fan der Sesamstraße. In diesem Sinn: ... 1000 Tolle Sachen die gibt es überall zu sehen, manchmal muss man fragen, um sie zu verstehen....

Mehr von Daniela Hertzer