04.03.2020
Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann/-frau Schon gewusst?

Jährlich stehen 48 Plätze an der LSTE in Eisenhüttenstadt zur Verfügung. Der Bedarf an neuen Werkfeuerwehrleuten kann damit allerdings nicht gedeckt werden. Damit die benötigten Stellen der Werkfeuerwehren Brandenburgs und Berlins trotzdem nicht leer bleiben, startete 2018 ein Projekt zur kooperativen, deutschlandweit anerkannten Ausbildung. Neben LEAG beteiligen sich daran die Werkfeuerwehren von FBB, AMEH, BASF und PCK.

11 Uhr mittags, gerade rückt die Mittagspause in Sicht, als der Leiter einer Spedition aus seinem Fenster schaut, weil er einen brenzligen Geruch bemerkt hat. Rauchwolken steigen auf über dem Industriepark Schwarze Pumpe. Schon kurz darauf geht ein Notruf in der zentralen Leitstelle der Werkfeuerwehr ein. Alarm - Es brennt! Jetzt muss alles schnell gehen. Mit Blaulicht rücken die Feuerwehrfahrzeuge aus, um den Brand zu bekämpfen, Menschen und Gebäude zu schützen.

 

In diesem Fall handelt es sich aber - zum Glück - nur um eine Übung. Angelegt für 17 angehende Werkfeuerwehrleute, die von Berliner und Brandenburger Unternehmen kooperativ ausgebildet werden. Ein Projekt, das 2018 ins Leben gerufen wurde und nun mit Erfolg in die zweite Runde geht.

Einen großen Ausbildungsblock stellt dabei der Einsatz der Auszubildenden bei der Werkfeuerwehr der LEAG in Schwarze Pumpe dar, der im Februar begann. Zehn Wochen werden hier Theorie- und Praxisunterricht abgehalten. An Tag drei der 25. Ausbildungswoche steht das Modul „Einsatzübung Brandbekämpfung“ auf dem Plan.

Und noch bevor die eingangs geschilderte Übung überhaupt startet, erklärt mir Lars Mudra, Projektleiter der Feuerwehrausbildung bei der LEAG und selbst Feuerwehrmann, was das bedeutet.

Ausbildung mit Anspruch

Über 30 Jahre Erfahrung als Feuerwehrmann bringt Lars Mudra in seine Tätigkeit als Projektleiter und Betreuer der angehenden Werkfeuerwehrleute ein, Foto: Andreas Franke für LEAG

„Die Ausbildung der Anwärter“, erläutert er, „ist in Module aufgegliedert. So staffeln wir den Unterricht. In dieser Woche hat die Gruppe zum Beispiel schon den Einsatz auf Bahnanlagen geübt. Und Wasserrettung. Das war anspruchsvoll, denn es war ziemlich stürmisch auf dem See. Dadurch sind sehr reale Bedingungen entstanden. Bei einem Einsatz kann man sich das Wetter schließlich auch nicht aussuchen. Das war lehrreich für sie.“ Das sei das Besondere, sagt Mudra. Theoretische Inhalte werden in der Praxis geprobt und gefestigt. Genau darum ginge es auch heute. Wir sehen zu, wie sich die gesamte Gruppe auf dem Hof der Werkfeuerwehr sammelt.

Mudra ist Einsatzleiter. Ihm zur Seite stehen heute zwei Ausbilder der Werkfeuerwehr, die sich freiwillig zur Verfügung stellen, um bei der Ausbildung zu helfen. Thomas Adolph und Marcus Ganick, beide selbst erfahrene Feuerwehrleute. Sie werden als Einheitsführer der jeweiligen Trupps für die heutige Übung fungieren. Der Wind pfeift über den Übungsplatz. Es ist bitterkalt. Dennoch absolvieren die Anwärter konzentriert und koordiniert ihre Trockenübungen. Mudra deutet auf die unterschiedlichen Westen, die die angehenden Feuerwehrleute tragen.

Marcus Ganick führt seinen Trupp über den Platz. Das Ausbildungsfahrzeug mit dem die Anwärter trainieren, ist ein abgelegtes Modell aus Lippendorf. Neu aufgebaut und nach DIN bestückt, dient es nun der Ausbildung, Foto: LEAG

Organisation ist alles

Am 26. August 2019 startete die 17 Mann starke Gruppe in ihre Ausbildung. Bei der Übung ist Teamwork gefragt, Foto: LEAG

„Die Trupps sind unterteilt“, sagt er. „Damit es eine klare Befehlskette und Struktur gibt. Das ist im Ernstfall entscheidend, damit jeder weiß, was er zu tun hat.“ Drei Gruppen gebe es innerhalb der Trupps. „A“ für Angriffstrupp, „W“ für Wassertrupp und „S“ für Schlauchtrupp. Das entspreche auch dem Standard, der an der Feuerwehrschule gelehrt werde.

„Ansagen müssen präzise kommen, dann wird Rückmeldung gegeben und der Befehl zuverlässig ausgeführt. Die Arbeit im Team steht dabei im Vordergrund.“ Als würden die Anwärter Mudras Worte unterstreichen wollen, schallen deutliche Rufe über den Übungsplatz. „Wasser kommt!“ und „Wasser halt!“ Schläuche werden entrollt, alles begibt sich auf Position. Als die Übung endet, ziehen sich die Männer ins Gebäude zurück. Sie wissen schon, dass heute noch etwas auf sie zukommt. Aber was genau? Da müssen sie sich überraschen lassen.

„Wie in der Realität sollen sie mit dem fertig werden, was wir für sie vorbereitet haben.“ Im Rahmen der Ausbildung werde es das erste Mal sein, dass sie einen echten Brand bekämpfen müssen.

Nun wird es ernst! Lars Mudra facht den ersten Übungsbrandherd an, Foto: LEAG

Einsatzübung unter realen Umständen

Mudra und ich steigen ins Auto und fahren weiter hinein in den Industriepark. Wir biegen auf ein Gelände ein, das nur noch verfallene Gebäudeteile und alte, leere Industriehallen beherbergt. Hier wird Mudra einen Brand legen – ganz legal natürlich.

Der Besitzer des Grundstücks ist lange im Vorfeld informiert und einverstanden, umliegende Gewerke sind ebenfalls vorgewarnt. Denn steigt Rauch auf, geht auch schnell ein echter Notruf ein. Mudra bereitet zwei Brandherde vor und greift dann zum Telefon. Als „Spediteur Müller“ setzt er einen Notruf bei der Zentrale ab. Die Übung soll so realitätsnah wie möglich sein. Und wie bei einem echten Einsatz dürfen auch jetzt maximal drei Minuten vergehen zwischen der Alarmierung und dem Ausrücken der Kameraden. Und so ist es auch.

Schon wenige Minuten später rollen die Einsatzwagen auf das Gelände. Mudra bleibt in seiner Rolle. Er erklärt einem der Anwärter, er wolle nur noch schnell ein paar wichtige Dokumente aus dem brennenden Gebäude holen. Auch das ist Teil der Übung. Er wird aufgehalten und an seinem Vorhaben gehindert. Test bestanden. Dann beginnt auch schon der Löschangriff.

 

1/3 Auch Brandherd Nummer 2 fängt schnell Feuer, Foto: LEAG
2/3 Rauch steigt auf. Die Vorbereitungen für die Einsatzübung sind beendet. Jetzt setzt Mudra seinen nachgestellten Notruf ab, Foto: LEAG
3/3 In Rekordzeit treffen die Kameraden mit Blaulicht am Ort des Geschehens ein, Foto: LEAG

Jetzt kommt es darauf an, Ruhe und Übersicht zu behalten sowie auf das in der Theorie erworbene Wissen zurück zu greifen, Foto: LEAG

Einen kühlen Kopf bewahren

Die Teams funktionieren. Schnell und geordnet teilen sich die Trupps auf, um die Lage zu sondieren. „Sie schätzen die Windrichtung ein, suchen nach den Orten, an denen die Brandherde liegen, kühlen und schützen die umliegenden Gebäude und löschen die Brände“, erklärt mir Mudra, während wir den Einsatz beobachten.

Auch mit Löschschaum wird trainiert, denn der Umgang damit will geübt sein. Besonders wenn spezielle Techniken von Nöten sind, um beispielsweise brennende Flüssigkeiten zu löschen und eine Ausbreitung zu verhindern.

 

1/4 Die Probe aufs Exempel ist in vollem Gange, Foto: LEAG
2/4 Brände bekämpfen, Nebengebäude kühlen und damit vor Schäden schützen, Foto: LEAG
3/4 Auch der Einsatz von unterschiedlichen Löschmitteln wie Schaum wird trainiert, Foto: LEAG
4/4 Heute kommt Schwerschaum zum Einsatz, der einen größeren Wasseranteil besitzt, als Leicht- oder Mittelschaum, Foto: LEAG

„Wir bieten den Anwärtern hier so reale Bedingungen, wie es im Rahmen eines Übungseinsatzes nur möglich ist. Diese Voraussetzungen gibt es beinahe nirgends sonst in Deutschland. Es ist wichtig für sie, das Gefühl der Hitze kennen zu lernen, die Einwirkung des Rauchs, die Arbeit im echten Gelände.

Sowas kann man eben nicht simulieren“, veranschaulicht mir Mudra. Nachdem alle Feuer gelöscht sind, gibt es noch eine Nachbesprechung direkt vor Ort. Fazit: Die angehenden Feuerwehrleute haben ihre Aufgabe für ihr erstes Mal sehr gut gelöst. Es gab keine groben Fehler, nur kleine Hinweise zur Verbesserung und das obwohl einige der Teilnehmer erst kurz vor dem Lehrgang eingestellt wurden. Mudra und seine Ausbilder sind zufrieden.

Nachbesprechung und Auswertung ergeben ein positives Feedback für die angehenden Werkfeuerwehrmänner, Foto: LEAG

Über Unternehmensgrenzen hinweg

André Emeling (links) und Marcel Albrecht (rechts) bringen bereits Erfahrungen aus ihrer Zeit bei der Freiwilligen Feuerwehr mit. Jetzt machen sie ihre Leidenschaft zum Beruf, Foto: LEAG

Unter den 17 Teilnehmern befinden sich neben sechs Angestellten der LEAG auch sechs Anwärter der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB), drei der PCK Schwedt und zwei Mitarbeiter von Daimler. Auch Marcel Albrecht und André Emeling gehören zu ihnen.

Albrecht arbeitet bei FBB, ist gelernter Bäcker und wurde nach seiner Lehre Gerätewart in Ludwigsfelde. Mit der Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann erfüllt er sich einen lang gehegten Traum, den er schon seit seiner Zeit bei der Jugendfeuerwehr hatte. Auch Emeling war schon bei der Freiwilligen Feuerwehr, bevor er mit PCK im Rücken den Sprung in die Werkfeuerwehr schaffte. Darum habe er sich lange bemüht, erzählt er mir. Denn die Voraussetzung um Feuerwehrmann zu werden, sei ein geeigneter Ausbildungsberuf. Seiner sei aber nicht typisch technisch gewesen. Er habe Heilerziehungspfleger gelernt. Aber am Ende habe er eben nicht aufgegeben, sich ins Zeug gelegt und einen reichen Erfahrungsschatz mitgebracht. So gelang es am Ende doch.

Der Berufsalltag kann kommen, Foto: LEAG

Beide Männer sind sich einig: An der Ausbildung gefällt ihnen besonders der Durchlauf an verschiedenen Standorten, das praxisnahe Lernen und die neuen Einblicke, die man dadurch erhält. Denn unterschiedliche Werke bringen auch unterschiedliche Ansprüche mit sich. Das werde besonders beim Fremdwachenpraktikum deutlich, welches jeder Teilnehmer durchlaufe. Albrecht und Emeling hatten hier quasi die Plätze getauscht. So vertiefen sich Kenntnisse über spezifische Gefahren. Außerdem lerne man so viele Kollegen kennen, vernetze sich und tausche Erfahrungen aus. Denn neben Höhentauglichkeit, technischem Verständnis, dem Führerschein und einer grundlegenden körperlichen Fitness, stehe vor allem der Teamgeist und die Verlässlichkeit jedes Einzelnen im Vordergrund.

Am 31. August 2020 fängt bereits das neue Ausbildungsjahr an. Und auch dann werden Lars Mudra und die Ausbilder der LEAG-Werkfeuerwehr ihren neuen Schützlingen einen guten Start in ihre berufliche Zukunft ermöglichen.

Nach ihrem Ausbildungsblock bei der Werkfeuerwehr der LEAG erwartet die Anwärter noch ein sechswöchiges Heimatwachenpraktikum, bevor es in die Vorbereitungsphase zur Abschlussprüfung geht, die am 12. Juni 2020 stattfinden wird, Foto: LEAG

 

Mehr Infos rund um die Arbeit der LEAG-Werkfeuerwehr finden Sie hier in unserem Blog.

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Autor

Juliane Krause

Schreiben war schon immer mein Steckenpferd, auch wenn mich meine Ausbildung in der Lausitz vorerst in die Welt des Bestellwesens verschlug. Erste journalistische Gehversuche waren mir dennoch bereits in der Auszubildendenzeitung STROMeo zuteil geworden und schon damals wusste ich: Das ist mein Metier! Als Quereinsteiger habe ich dann den Sprung in die externe Kommunikation gewagt. Meine mehrjährige Erfahrung im Unternehmen LEAG hilft mir nun als Redakteurin genauso weiter, wie meine Offenheit und dieses gewisse Quantum an Neugier, das mich seit jeher antreibt. Denn wie sagte bereits einer meiner liebsten Autoren: „Die Neugier ist die mächtigste Antriebskraft im Universum, weil sie die beiden größten Bremskräfte im Universum überwinden kann: die Vernunft und die Angst.“

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