Große, zusammenhängende Waldflächen sind prägende Elemente der Lausitz. Vattenfall besitzt im Lausitzer Revier ca. 8.000 Hektar Forstfläche. In diesen Lebensräumen fühlen sich zahlreiche Wildtiere wohl, die hier ideale Bedingungen finden, um sich munter zu vermehren. Ohne regulierende Eingriffe würde die eine oder andere Art so zahlreich auf der Fläche präsent sein, dass sie sowohl an landwirtschaftlichen als auch an forstlichen Kulturen Schäden in ganz erheblichen Maß anrichtet. Ein wichtiges Steuerungsmittel gegen diese Tendenz ist die Jagd. Und so findet jedes Jahr die traditionelle Gesellschaftsjagd statt. Das Unternehmen lädt dazu Jäger, Anrainer und weitere Gäste in das Rekultivierungsgebiet des Tagebaus Nochten ein. Reporterin Daniela Sasonow war in diesem Jahr als Jagdhelferin mit dabei. 

Registrierung der Jagdteilnehmer, Foto: LEAG

Es regnet. Aber das Wetter hält keinen der rund 90 geladenen Gäste von der Gesellschaftsjagd im Tagebau Nochten ab. Ein PKW nach dem anderen rollt auf den Stellplatz des Findlingsparks. Alle Jäger müssen ihren Jagdschein vorlegen. Wer, wie ich, als Treiber aktiv werden darf, muss seine Anwesenheit quittieren.

Es wird zur Jagd geblasen, Foto: LEAG

Zudem erhält jeder einen kurzen Infozettel. Neugierig lese ich den groben Ablauf: 9 Uhr Begrüßung und Sicherheitsbelehrung. Dann werden die Jäger ausgefahren. Die Jagd dauert von 10 bis 13 Uhr, danach wird das Wild versorgt und alle erlegten Tiere auf einem Reisigbett angeordnet, zur sogenannten Strecke gelegt. Um 17 Uhr gibt es eine Jagdandacht.

Ich war noch nie bei einer Jagd dabei. Gut, dass ich Franziska Uhlig-May und ihr Team an meiner Seite habe. Sie leitet den Bereich Rekultivierung, zu dem auch die Arbeitsgruppe Forstwirtschaft gehört. Arbeitsgruppenleiter Michael Rösler und der für den sächsischen Revierteil zuständige Oberförster Olaf Hanspach sind für die Jagd verantwortlich. Sie teilen die Jäger und Treiber ein und geben eine Sicherheitsunterweisung. Nach dem Jagdhornsignal „Aufbruch zur Jagd“ setzen sich die Gruppen in Bewegung.

 

Wildbestände regulieren

Einweisung der Treiber vor Ort, Foto: LEAG

Jetzt nieselt es nur noch. Über eine Fläche von ca. 1.000 Hektar im bereits rekultivierten Bereichen des Tagebaus Nochten sollen sich die Jagd-Aktivitäten konzentrieren. Damit stehen vor allem die Treiber vor einer anspruchsvollen Aufgabe: Sie müssen das Gelände systematisch durchkämmen. Zum Glück gibt es mehrere Gruppen, die sich das Gebiet teilen.

Meine Gruppe besteht aus fünf Personen. Neben Franziska Uhlig-May und mir sind noch zwei routinierte Jagdteilnehmer aus der näheren Umgebung und Maik Brzezinski, ein weiterer Förster von Vattenfall, mit dabei. Unser gemeinsames Ziel ist es, das Wild aus dem sicheren Schutz der dichten Schonungen zu treiben. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die auf verschiedene Jagdsitze verteilten Jäger zum Schuss kommen können.

Zeugen von Wildbestand: Schäden an den Bäumen, Foto LEAG

Also schlage ich mich auch durchs Dickicht. Viel Gestrüpp, wenig Sicht und dazu die im Geäst hängende Nässe. Meine Mitstreiter kann ich zuweilen nur anhand ihrer vereinzelten Rufe orten, mit denen sie sich gegenseitig ausrichten und so versuchen, das Wild “auf die Läufe – also die Beine – zu bringen“. Ich schließe innige Bekanntschaft mit der heimischen Flora. Aber von der Fauna ist weit und breit nichts in Sicht. Obwohl der Wald noch relativ jung ist, leben hier jede Menge Tiere. Doch die verstecken sich offensichtlich gut. Was ich jedoch deutlich sehen kann, sind jede Menge Spuren auf der Erde, aber auch die vom Wild verursachten Schäden am Baumbestand.

Fährten sind das einzige, was ich beim Treiben vom Wild sehe, Foto: LEAG

„Die Wildbestände leben hier zurückgezogen und relativ störungsfrei. Damit können sie sich hier gut ausbreiten. Der Wolf als natürlicher Feind ist auf diesen Flächen zwar auch unterwegs, aber trotzdem haben sich hier starke Populationen von Wildschweinen und Rotwild etabliert.

Selbst der, in anderen Regionen seltener vorkommene Hase ist in Nochten häufig zu sehen“, erklärt Franziska Uhlig-May. „Als Eigentümer der Fläche sehen wir uns gegenüber unseren nachfolgenden Generationen in der Verantwortung dafür zu sorgen, dass sich ein gesunder und vitaler Baumbestand auf den Rekultivierungsflächen entwickelt. Gesellschaftsjagden sind dafür ein wichtiges Instrument, um den Verbiss und andere Wildschäden einzuschränken“.

Kein Herumballern

Immer wieder müssen die Treiber sich neu orientieren. Im Vordergrund mit Karte Franziska Uhlig-May, Foto:LEAG

Uhlig-May hat selbst vor einem Jahr den Jagdschein gemacht. Dazu war eine umfangreiche Ausbildung erforderlich. Wildbiologie, Wildhege, Land- und Waldbau, Landschaftspflege, Waffenrecht  musste sie büffeln. Jetzt sammelt die Cottbuserin praktische Erfahrungen. „Es ist gut, erst einmal als Jungjäger erfahrene Jäger zu begleiten, denn die Theorie ist das eine, die Praxis etwas anderes“.

Wir streifen weiter durchs Unterholz. Heute dürfen Wildschweine, auch Schwarzwild genannt, sowie Rot-, Dam- und Rehwild, außerdem Waschbär, Fuchs, Marderhund und eben auch der Hase gejagt werden. Ab und zu hallen vereinzelte Schüsse durch den Wald. Das hebelt eins meiner Vorurteile aus: Es wird nicht herumgeballert.

Ehrung und Erbsensuppe

Vorbereitungen für die Ehrung der erfolgreichen Jäger, Foto: LEAG

Nach knapp drei Stunden über Stock und Stein bin ich zwar immer noch keinem Tier begegnet, dafür aber äußerst müde. Zum Glück ist um 13 Uhr der aktive Teil der Jagd zu Ende und es gibt etwas zu essen. Am Sammelplatz werden Erbsensuppe, Tee, Kaffee und Säfte ausgeschenkt.

Für die Organisatoren geht es jetzt erst richtig los. Sie holen die Jäger von den Hochsitzen ab und sammeln das erlegte Wild ein. Ein Fahrzeug nach dem anderen bringt Wildschweine, Rotwild, ein Reh und sogar einen Fuchs.

Die Jagdleitung gratuliert dem erfolgreichen Schützen, Foto: LEAG

Bis auf den Fuchs wird das Wild später durch eine ortsansässige Wildfleischerei verarbeitet und auf Wochenmärkten in der Region verkauft. Zügig reiht sich jetzt ein Tier zum nächsten. Die Strecke wird gelegt. Abschließend geht es an die Ehrung der erfolgreichen Jäger. Der Jagdleiter überreicht ihnen einen Kiefernzweig, einen sogenannten Erlegerbruch. Die Stimmung ist aufgeräumt. Man tauscht sich aus, wer was wo gesehen oder gar geschossen hat.

Ich bin nicht die einzige, die nur Bäume gesehen hat.  „So ist die Jagd: Wir arbeiten in der Natur. Da lässt sich nicht alles voraussagen. Man weiß halt nie, was einen erwartet“, sagt Uhlig-May.

Gesellschaftsjagd

Zwar jagen die Förster und einige andere Berechtigte ganzjährig, die Schonzeiten natürlich ausgenommen, doch ist nicht jeder Jagdeinsatz erfolgreich. Die jährliche Gesellschaftsjagd dient dazu, die Aussichten auf den Jagderfolg zu erhöhen. Während dieser Jagdform wird ein Jagdgebiet großflächig durch Jäger abgesetzt und die Wald- und Feldbestände durch Treiber und mit Hilfe von Hunden vorsichtig beunruhigt. Das Wild soll nicht gehetzt werden, sondern sich aus den durchstreiften Gebieten auf den gewohnten Wegen zurückziehen. Der Jäger hat so die Möglichkeit, dass beobachtete Wild ordentlich zu bestimmen. Der Jäger sagt, er spricht das Wild an, um es entsprechend der Freigaben zu erlegen.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im Vattenfall Blog

 

 

 

Bildergalerie

Ankunft am Tagebau Nochten im Regen, Foto: LEAG
Alle Teilnehmer müssen sich zunächst registrieren lassen, Foto: LEAG
Es nieselt und die Teilnehmer vertreiben sich die Zeit mit Fachsimpeln, Foto. LEAG
Revierförster und Jagdleiter weisen ein, Foto: LEAG
Da jault der Jagdhund, es geht los! Foto: LEAG
Die Treibergruppen sprechen sich ab, Foto: LEAG
Aufstellung im Treiberrevier: Immer schön Abstand halten und Laut geben, Foto: LEAG
Eine Fährte, Foto: LEAG
Ab durchs Holz geht es, Foto: LEAG
Schäden durch Wild, Foto: LEAG
Der Jäger bleibt auf dem Hochsitz, Foto: LEAG
Dank Nieselregen löst sich die Karte langsam auf, Foto: LEAG
Leiterin der Rekultivierung, Franziska Uhlig-May, im Gespräch, Foto: LEAG
Austausch nach der Jagd, Foto: LEAG
Hier wird die Strecke vorbereitet, Foto: LEAG
Jagdabschluss an der Strecke, Foto: LEAG
Jeder erfolgreiche Jäger wird ausgezeichnet, Foto: LEAG
Zurück zum Parkplatz geht es mit dem Mannschaftswagen, Foto: LEAG
Die Jagd ist vorbei, es geht nach Hause, Foto: LEAG

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Autor

Daniela Hertzer

Meine berufliche Wiege stand in Brunsbüttel, genauer im dortigen Kernkraftwerk. Von da ging es stromaufwärts über Hamburg und Berlin in die Lausitz. Seit Beginn dieses Jahrtausends arbeite ich in der Unternehmenskommunikation: erst analog, jetzt digital. Mein Antrieb ist die Neugierde und der Spaß am Ausprobieren. Und ich bin ein großer Fan der Sesamstraße. In diesem Sinn: ... 1000 Tolle Sachen die gibt es überall zu sehen, manchmal muss man fragen, um sie zu verstehen....

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