14.02.2019

Dr. rer. nat. Adeline Abimnwi Awemo  – für ihre LEAG-Kollegen nur kurz Abim – war 24 Jahre alt, als sie aus Kamerun nach Deutschland kam. Heute ist Cottbus für sie und ihre drei Töchter eine neue Heimat geworden – auch, weil sie sich hier als Frau beruflich verwirklichen kann.

„Ursprünglich wollte ich nach meines Studium daran arbeiten, die Umweltbedingungen in meinem Heimatland zu verbessern“, beschreibt die heute 41-Jährige ihren Lebenstraum. Dafür verwarf Abim den Wunsch ihres Vaters, der sie gern in einem sozialen Beruf gesehen hätte, für ein Studium der Umweltwissenschaften an der Universität von Buea, der einzigen englischsprachigen Hochschule in Kamerun. Ihren Abschluss machte sie bereits mit dem konkreten Ziel vor Augen, ihre Doktorarbeit den dringend benötigten Abfall-Managementsystemen der Städte Limbe und Bamenda zu widmen. Auch wenn Kamerun als Land mit für afrikanische Verhältnisse vergleichsweise fortschrittlichen Frauenrechten gilt, waren die Rückmeldungen auf ihre Bewerbung ernüchternd: „Dass die Absagen offensichtlich an meiner hohen Qualifikation als Frau lag, machte mich wütend.“ 

Wechsel an die Partneruni

Trotz des Wunsches, mit ihrer Arbeit einen Beitrag zur Entwicklung ihres Heimatlandes zu leisten, wechselte Abim 2002 an die Partneruniversität in Cottbus. „Nach einem kleinen Kulturschockes habe ich mich sofort wohlgefühlt. Dass ich mich schnell integrieren konnte, lag vor allem am weltoffenen und international geprägten Umfeld an der BTU Cottbus“, blickt sie zurück. Noch während ihrer Promotion gründete sie ihre Familie (drei Töchter: 11, 13 und 15 Jahre alt) und arbeitete weiter als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität.

Landeplatz in der neuen Heimat: Abim mit ihren Töchtern Germaine, Erika & Lea  auf dem Campus der BTU Cottbus, Foto: Andreas Franke für LEAG

Unterstüztung aus vielen Richtungen

Weil die LEAG für die Bearbeitung eines Umweltprojektes Unterstützung brauchte, wechselte Abim 20016 von der Uni in das Unternehmen und blieb.

„Obwohl mir anfangs noch viele deutsche Fachbegriffe fehlten, hatte ich Gelegenheit, in anderen Fachbereichen Erfahrung in verschiedenen Fachbereichen zu sammeln. Ich bekam die notwendige Zeit, mich fachlich und sprachlich weiterzubilden und kann meinen Job mit meiner Rolle als alleinerziehende Mutter dank flexibler Arbeitszeiten gut vereinbaren.“ In dieser Hinsicht verdankt sie nach eigener Aussage vieles ihren Kollegen, die sie bei der Einarbeitung unterstützt haben.

Wurzeln bleiben Teil der Identität

In diesem Kollegenkreis fällt Abim mit ihrem farbenprächtigen Kleidungsstil und ihrer selbstsicheren Ausstrahlung auf – allerdings nur den Menschen, die sie nicht kennen. „Auch wenn meine Wurzeln immer Teil meiner Identität bleiben werden - ich fühle und denke deutsch. Selbst in der vollbesetzten Betriebskantine vergesse ich meine Herkunft komplett.“ 

Zu Bleiben ist der richtige Weg

In ihre Heimat zurückzugehen, war für Abim noch lange nach ihrer Ankunft in Cottbus eine Option. Inzwischen überwiegen für sie die Vorzüge der liberalen Gesellschaftsordnung und der guten beruflichen Perspektive: „Ich schätze an Deutschland die Offenheit, die Meinungsfreiheit und die Chancengleichheit  - gerade für Frauen. In Deutschland zu bleiben, ist für mich als Frau und Mutter der richtige Weg, damit meine Töchter die gleichen Chancen haben, sich frei zu entwickeln und selbstbestimmt leben zu können wie ich.“

Inzwischen ist Abim auch beruflich angekommen: Die Begehung einer Wasserbehandlungsanlage gehört mit zu Ihren Aufgabenportfolio, Foto: Andreas Franke für LEAG

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Autor

Mareike Huster

Seit mehr als 15 Jahren ist das Lausitzer Revier meine Heimat – Privat und im Dienst. Themen, die bewegen - Geschichten, die erzählt und Menschen, die einfach vorgestellt werden müssen – das ist mein Job. Seit 2017 bin ich verantwortlich für die Kommunikation mit den rund 8000 Mitarbeitern der LEAG.

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