01.09.2015

Schwarze Pumpe, 60 Jahre später. Erinnerungen an Staubschichten auf den Fensterbänken, eindringlichen Gasgeruch in der Luft und überfüllte Mitarbeiter-Busse. All diese Erinnerungen sind nicht vergessen, füllen Bildbände und Familienabende. Eine umfassende Modernisierung  des Industriezentrums und zahlreiche Neuansiedlungen ebneten den Weg in die Gegenwart. Die Perspektive ist hoffnungsvoll, aber nicht ohne Risiken. Der Industriepark Schwarze Pumpe feierte am 29. August sein 60-jähriges Bestehen.

Im Industrie-Atlas der DDR war Schwarze Pumpe eine feste Größe. Bis in die 1980-er Jahre war hier ein Großteil der Strom- und Gasproduktion Ostdeutschlands konzentriert. In den als Gaskombinat Schwarze Pumpe bekannten Industriepark pendelten zu Hochzeiten mehr als 15.000 Arbeiter zwischen den Arbeitervierteln von Cottbus, Spremberg und der eigens mit dem Revier gewachsenen Arbeiterstadt Hoyerswerda. Heute, 60 Jahre später, ist die Energiewirtschaft noch immer Kern der industriellen Ansiedlung, jedoch mit einem komplett veränderten Gesicht.

Vom Energiezentrum zum Industriepark

 Der Industriepark Schwarze Pumpe nimmt ein Areal von 680 Hektar ein, Foto: LEAG

Heute ist der Industriepark Schwarze Pumpe Standort eines der modernsten Braunkohlenkraftwerke der Welt. Die 1997 in Betrieb gegangene Anlage ist nicht nur technologisch auf hohem Stand, sondern auch Vorzeigeobjekt moderner Industriearchitektur. Der Kontrast, den das futuristisch anmutende Bauwerk zu den noch ursprünglicheren Bereichen des Industrieparks bildet, machen den Wandel des Standortes mit bloßem Auge sichtbar. Auch heute arbeiten in Schwarze Pumpe noch 4.500 Männer und Frauen, davon aber nur noch etwa die Hälfte in der Braunkohlenwirtschaft selbst. Zahlreiche Dienstleister für das Bergbauunternehmen aber auch andere Wirtschaftszweige, wie die Papierindustrie haben sich in den letzten Jahren hier angesiedelt. Rund 100 Unternehmen nutzen heute die Vorteile des mit 720 Hektar größten Industriestandortes in der Lausitz. Dampf und Gips aus dem benachbarten Braunkohlenkraftwerk, ein eigenes Wasserwerk, zwei Industrieklärwerke und der direkte Anschluss an den Güterverkehr der Bahn – die Vorteile überwiegen und das über viele Jahre im wahrsten Sinne des Wortes „schmutzige“ Image des Standortes ist längst überholt.

Industrielles Grenzgebiet 

Tag der offenen Tuer Industriepark Schwarze Pumpe

 Martin Dulig, sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Foto: LEAG

Ein weiterer Vorteil des Standortes liegt in seiner „Uneinheitlichkeit“. Die Ländergrenze zwischen Brandenburg und Sachsen verläuft seit der regionalen Neuordnung nach der Wende mitten durch das Industriegebiet, teilweise sogar durch Gebäude. Im Industriepark Schwarze Pumpe können daher aufgrund der Grenzüberschneidungen Förderprogramme Brandenburgs oder Sachsens genutzt werden.

Und deshalb sprechen zur Eröffnung der Jubiläumsveranstaltung auch die Wirtschaftsminister beider Länder zu den anwesenden ehemaligen und aktiven Mitarbeitern und vielen anderen Gästen aus der Region.

Tag der offenen Tuer Industriepark Schwarze Pumpe

Albrecht Gerber, Minister für Wirtschaft und Energie in Brandenburg, Foto: LEAG

Entgegen der strengen Realität behördlicher Zuständigkeiten demonstrieren beide Redner unangestrengte Einigkeit bei ihren Worten zur Perspektive des Standortes und der Braunkohlenwirtschaft.

Bekenntnis zum Revier

Den Anwesenden gibt dies offensichtlich Hoffnung: Mit Fahrrädern und Motorrädern – von der Harley bis zum Roller – sind einige von ihnen nach Schwarze Pumpe gekommen um Flagge zu zeigen. Sie äußerten so ihr Bekenntnis zu ihren Jobs und dem Revier, ihrer Heimat. Sie wissen, dass es jetzt wichtig ist, am Ball zu bleiben. Die Zukunft des Energieträgers Braunkohle hängt stark von der politischen Entwicklung ab und damit auch ein Stück weit die Perspektive des Industrieparks Schwarze Pumpe. Mit viel Applaus und Händeschütteln verabschieden sich Martin Dulig und Albrecht Gerber nach ihren Reden von den Kumpels. Der Industriepark hat eine gute Perspektive, wenn ihm der Energiebetrieb als Herz und Motor erhalten bleibt.

Tag der offenen Tuer Industriepark Schwarze Pumpe

Der Zweiradcorso in Schwarze Pumpe, Foto: LEAG

Zwischen Tradition und Moderne

Tradition ist an diesem Ort keine heuchlerische Pflichtveranstaltung. Zahlreiche Zierbriketts wechseln an diesem Tag den Besitzer. Ein Orchester in Bergmannsuniform spielt auf. Auch die zur Gästebetreuung eingeteilten Azubis lauschen andächtig, als das Steigerlied – die Hymne der Bergleute – zwischen den Festzelten ertönt. Stolz hängt in der Luft und immer noch Erinnerung. Karl-Heinz Markgraf, Vorsitzender des hiesigen Traditionsvereins ordnet seine Rolle am Standort ein: „Tradition bedeutet für mich auf der einen Seite natürlich die Historie, die Pflege von Archiven, Kontakten, Bergmannsbrauchtum und Erinnerungen an die frühen Jahre des Standortes. Auf der anderen Seite ist es unser Ziel, die Tradition in die Zukunft mitzunehmen. Wir sind Ansprechpartner für neue Firmen am Standort und werden die Entwicklung des Standortes Schwarze Pumpe auch weiterhin begleiten.“

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im Vattenfall Blog

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Autor

Mareike Huster

Seit mehr als 15 Jahren ist das Lausitzer Revier meine Heimat – Privat und im Dienst. Themen, die bewegen - Geschichten, die erzählt und Menschen, die einfach vorgestellt werden müssen – das ist mein Job. Seit 2017 bin ich verantwortlich für die Kommunikation mit den rund 8000 Mitarbeitern der LEAG.

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