11.12.2018
Lars Mudra

Schon zu Jugendzeiten war Lars Mudra in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Insgesamt ist er seit mehr als 30 Jahren Feuerwehrmann, 20 Jahre davon beruflich. Viel gesehen habe er über die Jahre. Um den Kopf frei zu bekommen, verbringt er Zeit mit seiner Familie, geht er in die Natur, treibt Sport, ist Mitglied beim FC Energie Cottbus und redet mit den Kollegen über Einsätze, die besonders belasten. Als Projektleiter begleitet er die Feuerwehranwärter bis zum Abschluss der zehnmonatigen Ausbildungszeit.

Der Alarm auf dem Gelände der LEAG-Werkfeuerwehr im Industriepark Schwarze Pumpe kommt nicht überraschend. 18 künftige Feuerwehrleute, unter ihnen eine Frau, wissen, dass sie gleich zeigen müssen, was sie zuvor drei Tage lang im Modul „Hilfeleistung bei einem Verkehrsunfall“ gelernt haben. Sie alle haben ein großes Ziel. Sie alle wollen zur Feuerwehr. In einem Pilotprojekt bilden erstmalig vier Berliner und Brandenburger Unternehmen ihren eigenen Werkfeuerwehr-Nachwuchs aus.

Mit lautem Tatütata steuern die Feuerwehranwärter die Einsatzfahrzeuge vom Hof der LEAG-Werkfeuerwehr im Industriepark Schwarze Pumpe. Zuvor hatten sie in Windeseile ihre Sachen gewechselt. Vor lauter Aufregung, vermutlich weil die Presse an diesem Tag den praktischen Einsatz begleitet, bleibt ein Paar Schuhe auf dem leeren Parkplatz zurück. Mit einem Schmunzeln nimmt Projektleiter und LEAG-Feuerwehrmann Lars Mudra die Schuhe an sich.

Einsatz unter Adrenalin

Auf die Truppe wartet ein anspruchsvoller Einsatz. „Für mich ist es jetzt wichtig zu sehen, ob und wie die Inhalte unserer Theoriestunden umgesetzt werden und wie die Schüler unter Adrenalin in einer ungewissen Lage, die sie vorab nicht kennen, arbeiten“ sagt Mudra. Ein Unfall mit einem LKW und zwei PKWs wird nachgestellt. In den beiden PKWs befinden sich jeweils Dummies, die in Größe und Gewicht einer erwachsenen Person entsprechen. Die Unfallstelle sichern und die Personen retten - das sind die ersten Aufgaben, denen sich die Feuerwehrschüler bei Ankunft am Unfallort widmen. Lars Mudra beobachtet genau, ob die Schüler, die zuvor in der Theorie vermittelte Reihenfolge der Aufgaben, vorschriftsgemäß abarbeiten. „Bei solch einem Unfall handelt man nach einer Gefahrenmatrix“, erklärt er. „Das heißt, nach Ankunft am Unfallort verschaffen sich die Einsatzkräfte einen Überblick, welche Gefahren es gibt, welche davon die größte ist und somit zuerst bearbeitet werden muss“, so Mudra. Aus den 18 Schülern formieren sich schnell zwei Gruppen. Beide Gruppen werden von einem Einsatzleiter koordiniert. Konzentriert und gewissenhaft gehen sie dabei vor. Kümmern sich um die Verletzten, unterbauen die Fahrzeuge, schneiden Türen und Dach weg, um die Verletzen zu retten. 


Großeinsatz, zum Glück nur zur Übung, Foto: LEAG

Es geht um Teamarbeit

Schweres Gerät muss zur Rettung eingesetzt werden, Foto: LEAG

Lars Mudra ist am Ende der Übung sichtlich zufrieden. „Dafür, dass sie das zum ersten Mal gemacht haben und die Lage vorab nicht kannten, haben sie das super gemacht“ – so sein Urteil. Er ergänzt, dass es um Teamarbeit gehe. „Wir wollen keine Einzelkämpfer oder Helden. Alle sollen als Team zusammenarbeiten und das hat bei dieser Übung sehr gut funktioniert“, sagt er.  Von diesen Übungseinsätzen gibt es in dem Ausbildungsprojekt der Werkfeuerwehren besonders viele. Einige mehr sogar als an der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt. Ein praktischer Übungseinsatz mit einer komplexen Sachlage schließt in der Regel jeweils ein Modul ab. Eingeleitet wird jedes Modul mit einem Theorieteil, in dem das Basiswissen vermittelt wird. Die Vielzahl der Module zeigt wie breit das Einsatzgebiet für die an dem Projekt beteiligten Werkfeuerwehren ist.

Generationenwechsel trifft auch Feuerwehren

Die verunfallte Person wird betreut, während die Bergung vorbereitet wird, Foto: LEAG

Neben der LEAG sind in dem Projekt auch die Werkfeuerwehren der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH sowie die PCK-Raffinerie Schwedt und BASF Schwarzheide vertreten. Durch den Generationenwechsel werden derzeit auch bei den Berufs- und Werkfeuerwehren vermehrt junge Nachwuchskräfte eingestellt. „Wir sind froh bei unserer LEAG-Werkfeuerwehr viele Bewerbungen zu bekommen“, erzählt Mudra. Bedingung sei allerdings eine abgeschlossene Berufsausbildung. Erst dann könne man sich bei der Werkfeuerwehr ausbilden lassen. In jedem der beteiligten Unternehmen wurden die Feuerwehranwärter während der zehnmonatigen Ausbildung in unterschiedlichen Ausbildungsabschnitten unterrichtet. Bei der LEAG gehört die Ausbildung im Umgang mit einer Motorkettensäge, eine Schulung zum Maschinisten für Löschfahrzeuge, das Modul Absturzsicherung und Bauunfälle und das Ablegen des Deutschen Sportabzeichens oder auch ein Lehrgang zum Rettungsschwimmer dazu. 

Der Dummy wird aus dem Auto gehoben, Foto: LEAG

Fortsetzung des Projektes 2019 ist sicher

Bis zum Jahresende werden die Schüler alle Ausbildungsinhalte absolviert haben und verbringen abschließend ein sechswöchiges Praktikum auf einer fremden Feuerwache ehe sie die letzten neun Wochen vor der Abschlussprüfung auf ihrer Heimatwache Dienst haben. Für Lars Mudra ist bereits klar, dass sich die LEAG auch im Jahr 2019 wieder an einem Lehrgang beteiligen wird. „Der Bedarf an ausgebildeten Feuerwehrleuten bleibt noch mindestens bis zum Jahr 2022 so hoch. „Also werden wir ab von August 2019 bis Juni 2020 wieder einen Lehrgang durchführen“, so Mudra.

Beim zweiten PKW wird jetzt zu kleinerem Gerät gegriffen, um das Fahrzeug zu öffnen, Foto: LEAG

Entlastung für Feuerwehrschule in Eisenhüttenstadt

Gerettet: Der Dummy ist geborgen und kann ins Krankenhaus transportiert werden, Foto: LEAG

Insgesamt hat das Land Brandenburg einen Bedarf von 82 Stellen angezeigt. In der Landes-Feuerwehrschule in Eisenhüttenstadt stehen jedoch nur 48 Plätze zur Verfügung. Somit ist klar, dass der von den Unternehmen für ihren eigenen Feuerwehrnachwuchs organisierte Lehrgang eine Entlastung für das Land darstellt. Dabei biete er gleichzeitig viele Vorteile für die Teilnehmer, berichtet Mudra. „Für die Feuerwehrleute bietet dieser Lehrgang die Chance, sich untereinander kennenzulernen, an den Standorten der beteiligten Unternehmen verschiedenste Szenarien zu üben und ein großes Netzwerk aufzubauen“, so Mudra. Besonders der starke Fokus auf die praktischen Einsätze in Verbindung mit einer kürzeren Lehrgangsdauer bei einem gleichwertig anerkannten Abschluss, machen diesen Lehrgang besonders effizient.

Heiße Prüfungsphase dauert 14 Tage

Ihren Abschluss in den Händen halten, werden die 18 Teilnehmer am 1.3.2019. Zuvor müssen sie 14 Tage zeigen, was sie gelernt haben. Ein schriftlicher Fachaufsatz, zwei schriftliche Prüfungen, eine mündliche Prüfung und drei praktische Gruppenübungen stehen auf dem Prüfungsprogramm. Auch während dieser heißen Phase wird Projektleiter Lars Mudra an der Seite seiner Schützlinge stehen. Und sollten vor Aufregung mal irgendwo ein Paar Stiefel zurückbleiben – er wird sie vorübergehend für den Besitzer in Obhut nehmen.

200 haupt- und nebenberufliche Feuerwehrleute sind bei LEAG beschäftigt. Davon sind 96 Rettungssanitäter, 65 Höhenretter und 16 Feuerwehr-Taucher, Foto: Andreas Franke für LEAG

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Autor

Kathi Gerstner

Direkt nach meinem Studium der Kulturwissenschaften kam ich in die Kommunikationsabteilung des Unternehmens. Ich habe zunächst verschiedene Arbeitsbereiche der Kommunikation kennen gelernt ehe ich im Team der Pressesprecher meinen Platz gefunden habe. Dort bin ich seit dem Jahr 2008 Ansprechpartnerin für die Medien zu allen Themen des Braunkohlengeschäfts. 

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