Vor 20 Jahren wurde am Standort Schwarze Pumpe das damals modernste Braunkohlenkraftwerk der Welt mit einer Leistung von 1600 MW und einem Wirkungsgrad von 40 Prozent in Betrieb genommen. Dafür kam selbst Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl in die Lausitz. Immer noch zählt das Kraftwerk an der brandenburgisch-sächsischen Grenze zu den Leistungsträgern im Zukunftskonzept der LEAG.

Der Strukturbruch, der mit der politischen Wende 1989 über die durch Energiewirtschaft geprägte Lausitz hereinbrach – für den Kraftwerksstandort Schwarze Pumpe war er auch ein Neubeginn und Aufbruch in ein neues  Zeitalter der Energieerzeugung. Hier wurde ab 1993 das erste neue Braunkohlenkraftwerk in Ostdeutschland gebaut, das allen bundesdeutschen und europäischen Standards entsprach. Als es am 3. Juni 1998, vor genau 20 Jahren, offiziell im Beisein des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl in Betrieb genommen wurde, galt es als die modernste Anlage zur Braunkohlenverstromung weltweit. Und mit einem Wirkungsgrad von 40 Prozent auch als die bis dahin effizienteste.

Die Baustelle des neuen Kraftwerks Schwarze Pumpe Anfang der 1990er, Foto: LEAG Archiv

Umbruch in der Lausitz

Grundsteinlegung für das neue Kraftwerk am 25. Oktober 1993, Foto: LEAG Archi

Viele andere Kraftwerksstandorte dagegen konnten diesen Schritt nicht mehr gehen. Zusammen mit dem Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der damaligen DDR war auch ein Stromvertrag unterzeichnet worden, wonach alle stromerzeugenden Anlagen in den Neuen Bundesländern an das Bundesdeutsche Imissionsschutzgesetz  anzupassen waren. Für eine Reihe von alten Braunkohlenkraftwerken, deren nachträgliche Ertüchtigung wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen wäre, bedeutete dies das Aus in den folgenden Jahren. Werke an Traditionsstandorten wie  Lübbenau/Vetschau, Hagenwerder oder Hirschfelde gingen vom Netz. Und auch für das Altkraftwerk auf dem Gelände des vormaligen Gaskraftwerkes Schwarze Pumpe, heute ein Industriepark mit immerhin noch rund 4000 Beschäftigten, waren die Tage gezählt.

Moderne Anlage setzt Zeichen 

 

Der Eingang des Kraftwerks Schwarze Pumpe heute, Foto: LEAG

Mit dem Neubaukraftwerk Schwarze Pumpe entstand in der unmittelbaren Nachbarschaft auf 48 Hektar Fläche  ein leistungsfähiger Ersatz mit zwei 800-MW-Blöcken, der zudem sicherstellte, dass die regionale Fernwärmeversorgung, von der unter anderem die Städte Spremberg und Hoyerswerda abhängig sind, weiter aufrecht erhalten werden konnte.

Die Anlage in Schwarze Pumpe firmierte als Kraftwerk der Vereinigte Energiewerke AG (VEAG). Mit der Fusion von VEAG und LAUBAG, dem Bergbaubetreiber, kam das Kraftwerk unter das Dach des neuen schwedischen Eigentümers Vattenfall. Dieser  verkaufte  seine Braunkohlensparte in Deutschland 2016 an das tschechische Konsortium EPH / PPF Investments. Seitdem wird Strom aus Braunkohle auch in Schwarze Pumpe unter der neuen regionalen Dachmarke LEAG erzeugt. Die Abkürzung steht für Energie aus der Lausitz.

Offizielle Inbetriebnahmefeier am 3. Juni 1998: Kathrin Vogt (v.) erklärt den Leitstand den Gästen, unter Ihnen der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (6.v.r.), Foto: LEAG Archiv

Kathrin Voigt heute, Foto: privat

Kraft und Mut für Kraftwerker

Am Anfang arbeiteten im Kraftwerk Schwarze Pumpe noch 317 Mitarbeiter, überwiegend in Teilzeit, um möglichst vielen Kraftwerkern von anderen, nach der Wende stillgelegten Standorten eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. Heute arbeiten am Standort etwa 270 Männer und Frauen in Vollzeitbeschäftigung, viele davon gehören noch zur Stammbelegschaft der ersten Stunde. So zum Beispiel Kathrin Vogt. Sie hatte ihre Ausbildung zur Kraftwerkerin in Hagenwerder absolviert und dann in Trattendorf  bei Spremberg gearbeitet, auch dies ein Kraftwerk, das mit der Wende keine Zukunft mehr hatte und 1996 stillgelegt wurde.

Helmut Kohl machte 1998 den Lausitzer Kraftwerkern Mut, Foto: LEAG Archiv

So kam Kathrin Vogt nach Schwarze Pumpe und in ein ganz modernes Arbeitsumfeld. Als Leitstandsfahrerin war die damals 29-Jährige dabei, als Bundeskanzler Kohl zur offiziellen Inbetriebnahme das Kraftwerk besuchte. „Als erstes hat der Meister dem Kraftwerksleiter Bericht erstattet, dann ist die ganze Gruppe zu mir an den Leitstand gekommen und hat sich erklären lassen, wie wir das Kraftwerk fahren und was auf den Großbildschirmen zu sehen ist“, erinnert sie sich. „Klar waren wir alle auch ein bisschen aufgeregt, Helmut Kohl war ja allein schon von der Statur her beeindruckend. Aber er wirkte sehr normal, natürlich und ehrlich interessiert und hat nachgefragt.“ Was damals keiner wusste: Der Bundeskanzler hatte gerade die Nachricht vom schrecklichen Zugunglück in Eschede erhalten, das sich am gleichen Tag ereignet hatte und seine Anwesenheit vor Ort verlangte. Aber er fand trotzdem noch Kraft, Zeit und Worte für die Lausitzer Kraftwerker und machte ihnen Mut für den Neubeginn in der Energieregion.     

20 Jahre verlässlich in Betrieb

Die offene Turbine zur Revisionszeit 2010, Foto: LEAG

Bis heute ist das Kraftwerk Schwarze Pumpe mit einer hohen Auslastung und ohne größere Unterbrechung gefahren – mit zwei Ausnahmen, die war allerdings eingeplant: 2009 gab es die erste und 2010 die zweite (am anderen Block) große Maschinenrevision bei der die Turbinen geöffnet, auf Herz und Nieren geprüft und Verschleißteile erneuert wurden. Insgesamt haben die beiden Blöcke A und B in den zurückliegenden 20 Jahren 242 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt – genug, um beispielsweise 3 Millionen Drei-Personen-Haushalte kontinuierlich und sicher versorgen zu können. Aus insgesamt 250 Millionen Tonnen Braunkohle (überwiegend aus Welzow-Süd, Nochten/ Reichwalde und anfangs noch aus dem Tagebau Meuro) wurden in Schwarze Pumpe Strom und Wärme erzeugt. Das entspricht 253.370 voll beladenen Kohlezügen, die ihre Fracht vom Tagebau in den Kohlebunker des Kraftwerkes brachten.

Moderner Leitstand im Kraftwerk Schwarze Pumpe, Foto: LEAG

Kernelement des Lausitzer Reviers

Auch wenn Schwarze Pumpe inzwischen von moderneren Anlagen mit noch besseren Wirkungsgraden wie dem Block R des Kraftwerkes Boxberg überholt worden ist, bleibt das Kraftwerk ein wichtiges Kernelement im Lausitzer Revierkonzept, mit dem sich die LEAG für nächsten 25 bis 30 Jahre aufgestellt hat, um ihre Versorgungsaufgabe für Millionen von Energieverbrauchern zu erfüllen. Nach wie vor kommt jede zehnte Kilowattstunde, die in Deutschland verbraucht wird, aus einem Kraftwerk der LEAG. Daran wird Schwarze Pumpe auch künftig seinen Anteil haben.  

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Autor

Thoralf Schirmer

Nachdem ich 20 Jahre als Lokaljournalist in der Lausitz gearbeitet habe, kam ich 2011 als Pressesprecher ins Unternehmen. Seitdem begleite ich alle Themen aus der Region zusammen mit meinem Team.

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