17.10.2019
Der Feuerwehrsport

Der Feuerwehrsport bildet im Charakter seiner Übungen die Tätigkeiten der Feuerwehrleute beim Einsatz nach. Folgende Disziplinen für Frauen und Männer aktuell sind der Löschangriff Nass, das Hakenleitersteigen, der 100-Meter-Hindernislauf und die 4×100-Meter-Feuerwehrstafette vertreten. 

Im Feuerwehrsportwettkampf der Frauenmannschaften hat sich in Deutschland darüber hinaus als weitere Disziplin die Gruppenstafette etabliert.

Derzeit werden von zwei Verbänden internationale Vergleiche im Feuerwehrsport organisiert, dies sind der Internationale Feuerwehrverband (CTIF) und die  Internationale Sportföderation der Feuerwehrmänner und Retter (ISFFR). In Deutschland gibt es zusätzlich zu den alle vier Jahre stattfindenden Deutschen Meisterschaften im Feuerwehrsport jedes Jahr einen Wettkampf um den Deutschlandpokal.

 

 

Ein Engagement, das sich quer durch die Lausitz findet, ist das für die Freiwilligen Feuerwehren. Aus den Reihen der Kameraden stammen die besten Feuerwehrsportler Deutschlands. Mit dem Team Lausitz und im deutschen Nationalteam überzeugen auch LEAG-Kollegen.

Wer jetzt automatisch an die Werkfeuerwehr mit unseren hauptamtlichen Kollegen denkt, erlebt an dieser Stelle eine Überraschung. Die beiden Sportler arbeiten in der internen Revision und im Einkauf. Revisor Roberto Mrose ist seit 23 Jahren, seit er zehn war, in der Freiwilligen Feuerwehr. Er stammt aus Klein Radden, ein kleines Dorf bei Lübbenau in der Lausitz. „Damals gab es noch kein vollständiges Team in der Jugendfeuerwehr. Wir haben uns mit den Nachbardörfern einfach zusammengetan. Allerdings stand die Ambition zu gewinnen nicht im Vordergrund.“ Doch der Ehrgeiz von Mrose wurde über die Jahre größer. „Als ich 18 war, wurde ein neues Männerteam gegründet. Mein Schwerpunkt liegt seitdem auf dem ‚Feuerwehrlöschangriff nass‘.“ 2006 gab es für sein Team den ersten Pokal. Über 200 Wettkämpfe hat Mrose inzwischen bestritten, seit Jahren gehört sein Team zu den Top drei Deutschlands. Zur WM in der Slowakei 2018 wurde er parallel Betreuer der Nationalmannschaft und 2019 zu einem von zwei Trainern der Männermannschaft berufen.

Der Feuerwehrsport verbindet

Roberto Mrose hat Sebastian Melde über den Sport kennen gelernt und erfolgreich für das Team Klein Radden abgeworben. Melde ist wie Mrose bereits mit der Jugendfeuerwehr groß geworden, in der Feuerwehr Merzdorf in Cottbus. Zum Team Lausitz kam er am Sonntag. „Die Feuerwehr Cottbus hat spezielle Trainingszeiten in der Laufhalle. Als junger aktiver Mensch hatte ich das Bedürfnis, sonntags Sport zumachen“, sagt er mit einem Grinsen. Beim Training wurde Hartmuth Bastisch, der ehemalige Leiter der LEAG Werkfeuerwehr und Gründer des Teams Lausitz auf ihn aufmerksam. Seit 2009 ist Melde mit dem Team Lausitz erfolgreich unterwegs.

Das Männerteam Deutschlands bei der WM 2019, Foto: privat

Helden des Sports gesucht

Teamsport: Beim Löschangriff Nass muss jeder Handgriff sitzen. Foto: privat

Auf nationaler Ebene bestreit Melde alle vier Disziplinen des Feuerwehrsports. International liegt der Fokus auf dem „Feuerwehrlöschangriff nass“. „Bei dieser Disziplin liegt der Fokus auf den richtigen Handgriffen, der optimalen Bedienung der Förderpumpe und dem zeitlichen Ablauf als Team, nicht primär an der Schnelligkeit und Kraft einzelner Sportler. Deshalb haben wir hier eine Chance“, erklärt mir Mrose. Denn der Feuerwehrsport wird stark von den Russen und Tschechen dominiert. „Der Sport hat dort einen ganz anderen Stellenwert“, ergänzt Melde. „Wer hier „Held des Sports“ wird –  so nennen die Russen beispielsweise die erfolgreichen Sportler – hat Chancen auf ein besseres berufliches Fortkommen. Hinter den Medaillen stehen Jobs und Karrieren.“

Auch wenn sein Fokus auf dem Löschangriff nass liegt, ist Sebastian Melde bei der WM der letzte Läufer der 4×100-Meter-Feuerwehrstafette. Hier beim Löscheinsatz am Schluß, Foto: privat

Technische Raffinesse für Bestzeit

Gar nicht so einfach gestaltet sich das gemeinsame Training des Teams. So wird auch vor Ort jede Minute genutzt. Foto: privat

In Deutschland gibt es ganz andere Herausforderungen, so Mrose. Er sei teilweise froh, wenn er vor einem internationalen Wettkampf drei bis vier Extratrainings zusammen bekommt. Denn die Teammitglieder sind von Rostock bis nach Bayreuth verstreut. „Dazu brauchen wir dann einen zentralen Trainingsort, der am Wochenende für uns zugänglich ist und natürlich die technische Ausrüstung.“ Das ist nicht einfach. Gerade beim Löschangriff nass kommt es auf jede technische Raffinesse an, um die Bestzeiten herauszuholen. „Allein die Art der Pumpe kann über den Erfolg oder Misserfolg entscheiden. So wurde 2014 die erste Zeit unter 20 Sekunden in Deutschland mit einer tschechischen Skoda-Pumpe erreicht. Diese hat gegenüber der hauptsächlich verwendeten deutschen Pumpe (Jöhstadt ZL1500) mindestens doppelt so viel Leistung und entsprechend deutlich kürzere Wasserförderzeiten über die Wegstrecke “, so Mrose.

Den Löscheinsatz nass bestreiten 7 Feuerwehrleute. Zur Verteidigung des Vizetitels des letzten Jahres traten in Saratov Tom Ghelert, Klaus Köster, Maik Berger, Sebastian Melde (oben), Eric Frey, René Frost und Sebastian Thäle (unten, jeweils von links nach rechts) an, Foto: privat

Kuriose Abläufe im Wettkampf

Den zweiten Platz gab es letztes Jahr bei der WM in der Slowakei, Foto: privat

Aber mit den richtigen Handgriffen und punktgenauen Abläufen im Team wurde 2015 mit der deutschen Pumpe Jöhstadt ZL1500 erstmalig die 20 Sekunden Schallmauer durchbrochen. „Eine Topleistung, da es bis heute nur von einer weiteren Mannschaft in Deutschland geschafft wurde“, sagt er stolz. Topleistungen lieferte das von ihm betreute internationale Team auch letztes Jahr bei der WM in der Slowakei ab, wo das Männerteam mit dem Kollegen Melde den Vizeweltmeister im Löschangriff nass stellte. Entsprechend hoch waren die Ambitionen dieses Jahr. Weit ins russische Land mussten die Kollegen reisen, um in Saratow anzutreten. Doch das, was ihnen bis dato immer eine Chance eröffnete, wandte sich hier gegen sie: Die Technik spielte nicht mit, das Team blieb hinter den Erwartungen zurück. „Das war kurios. Der erste gute Lauf konnte nicht gewertet werden, da die Zeiterfassung nicht funktionierte. Dafür haben wir einen Wiederholungslauf bekommen. Doch sowohl bei diesem als auch beim regulären zweiten Lauf haben wir zu spät das Wasser nach vorne bekommen.“  Final reichte es für einen enttäuschenden Platz 10.

 

1/8 Neben Roberto Mrose und Sebastian Melde war auch der ehemalige Leiter der Werkfeuerwehr, Hartmut Bastisch, als Delegationsleiter Deutschlands und Hauptschiedsrichter der WM in Saratow mit dabei. Hier sind die drei mit Georg Limbach und Andreas Schwabe zu sehen (v.l.), Foto: privat
2/8 Das gesamte Team aus Deutschland, Foto: privat
3/8 Komplex ist der Ablauf bei der Disziplin "Löschangriff nass". Sieben Feuerwehrleute müssen nach klarem Ablauf in möglichst kurzer Zeit ein simulierter Löschangriff durchzuführen, Foto: privat
4/8 Nach dem Start ist von der Mannschaft zunächst aus den Saugschläuchen und dem Saugkorb eine Saugleitung zur Wasserentnahmestelle herzustellen. Anschließend wird aus den drei B-Schläuchen die Zubringerleitung in Angriffsrichtung ausgelegt und mit dem Verteiler verbunden. Von diesem ausgehend werden zwei Löschleitungen, bestehend aus je zwei C-Schläuchen und einem C-Strahlrohr, gelegt. Zum Schluss müssen zwei Auffangbehälter mit je 10 Litern gefüllt sind, Foto: privat
5/8 Immer im Blick hatten die Sportler die Wettbewerber, Foto: privat
6/8 Das Harkenleitersteigen gehört zu den vier Disziplinen der Männer, Foto: privat
7/8 Beim 100 Meter-Hindernislauf müssen feuerwehrtechnische Hindernisse auf Zeit überwunden werden, Foto: privat
8/8 4×100-Meter-Feuerwehrstafette ist einer der abwechslungsreichsten Wettbewerben: Bei den Männern nimmt der erste Läufer eine Leiter mit an den Start (Bild). Mit dieser muss er ein 2,5 m hohes Haus besteigen und überwinden. Der zweite Läufer überwindet eine Eskaladierwand. Der dritte Läufer nimmt zwei C-Schläuche auf, überquert damit einen 120 cm hohen und acht Meter langen Laufbalken. Danach kuppelt er die Schläuche zusammen und an einem Verteiler an. Der 4. Läufer nimmt einen Feuerlöscher auf und löscht damit ein Feuer, welches in einer Brandwanne auf der Bahn brennt. Beim Zieldurchlauf wird die Zeit gestoppt, falls alle Hindernisse korrekt überwunden und alle Wechsel korrekt durchgeführt wurden. Außerdem darf sich das Feuer bis zum Zieldurchlauf nicht wieder entzünden. Foto: privat

Motivation neu gefunden

Frisch zurück aus Russland: Roberto Mrose und Sebastian Melde berichten von den Erfahrungen in der Cafeteria der Hauptverwaltung, Foto: LEAG

„Wir waren nicht ansatzweise auf dem Leistungsstand, den wir im Training abrufen konnten und können“, ärgert sich Melde. „Auf alle Fälle motiviert es mich jetzt extrem. Das hat bei mir als Sportler das „Jetzt erst recht“ entfacht. Ich hatte eigentlich vor, dieses Jahr aufzuhören. Jetzt geht es für mich nächstes Jahr nochmal zu den Deutschen Meisterschaften in Thüringen, um auf der WM in Kasachstan anzugreifen.“ Auch Mrose will das Ergebnis so nicht stehen lassen. „Das gewisse Quäntchen Glück hat uns gefehlt. Russland ging es im letzten Jahr ähnlich, dieses Jahr sind sie Weltmeister.“ Doch müssen die grundsätzlichen Rahmenbedingungen geklärt werden, da die Kosten bereits in diesem Jahr schon an die Grenzen der Feuerwehrkassen gegangen sind. „Kasachstan liegt dann nochmal 2.000 Kilometer weiter entfernt“, gibt Mrose zu bedenken. „Es wird zu der diesjährigen WM eine gründliche Auswertung geben und dann muss man aus meiner Sicht Strukturen für die Langfristigkeit schaffen. Da hängt viel Organisation dran.“  Wie bis dato von Jahr zu Jahr zu entscheiden, halte er für wenig zielführend. Doch der Ehrgeiz der Beiden ist geweckt, es noch einmal zu schaffen und weiter Höchstleistungen zu liefern. Denn nach dem Wettkampf ist bekanntlich vor dem nächsten.

Eindrücke von der WM 2019 haben die Russischen Kollegen den Deutschen zur Verfügung gestellt.

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Autor

Daniela Hertzer

Meine berufliche Wiege stand in Brunsbüttel, genauer im dortigen Kernkraftwerk. Von da ging es stromaufwärts über Hamburg und Berlin in die Lausitz. Seit Beginn dieses Jahrtausends arbeite ich in der Unternehmenskommunikation: erst analog, jetzt digital. Mein Antrieb ist die Neugierde und der Spaß am Ausprobieren. Und ich bin ein großer Fan der Sesamstraße. In diesem Sinne: ... 1000 tolle Sachen, die gibt es überall zu sehen, manchmal muss man fragen, um sie zu verstehen....

 

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