Für sichere Energieversorgung – Corona muss draußen bleiben

26.03.2020

Binnen weniger Wochen hat sich das Corona-Virus weltweit verbreitet und legt auch in weiten Teilen von Deutschland Industrie, Handel und das gesellschaftliche Leben lahm. Je größer die spürbaren Einschränkungen, desto stärker rückt die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur in den Mittelpunkt, die eine notwendige Grundversorgung für alle absichert. Die Stromproduktion und -versorgung gehören dazu. Eine Herausforderung auch für die LEAG, den viertgrößten Stromerzeuger in Deutschland, der sich das Unternehmen mit einer Reihe von Vorsorgemaßnahmen stellt. Wir stellen diese hier zusammen und aktualisieren den Beitrag stetig. 

Desinfektionsmittel weitergegeben

Tilo Ohde von der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg und Thomas Husse von der LEAG-Feuerwehr verladen 480 Liter Desinfektionsmittel, Foto: LEAG

7. April: Ende März hat die LEAG begonnen, selbst Desinfektionsmittel nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herzustellen. Kapazitäten, die das Unternehmen zum Schutz der Mitarbeiter selbst nicht benötigt, spendet die LEAG nun medizinischen Personal sowie Unternehmen der Energiebranche, die selbst nicht die Möglichkeiten zur eigenen Herstellung von Desinfektionsmittel haben. „Damit können wir einen Beitrag für die Gesundheit vieler Menschen bei ihrer täglichen Arbeit leisten“, erklärt der Personalvorstand der LEAG, Jörg Waniek. Rund 2.000 Liter sind bislang kostenfrei zur Verfügung gestellt worden. Unter anderem kam in der vergangenen Woche eine Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) zustande, über die Arztpraxen in Brandenburg das Handdesinfektionsmittel erhalten. Weitere Empfänger sind die Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB), ein Unternehmen der Berliner GASAG-Gruppe sowie der Arbeiter-Samariter-Bund Lübben.

Aussichtstürme am Tagebau geschlossen

Geschlossen: der Aussichtsturm am Schweren Berg, Foto: LEAG

6. April: Das schöne Wetter am Wochenende lockte zahlreiche Spaziergänger und Fahrradfahrer auch an die Tagebauränder. Leider stellenweise zu viele - auf engsten Raum und ohne die angeordnete Abstandsregelung einzuhalten - wie das Ordnungsamt Cottbus bei Kontrollen feststellte. Als Konsequenz hat die LEAG jetzt die Aussichtstürme in Merzdorf am Cottbuser Ostsee und den "Turm am Schweren Berg" in Weißwasser am Tagebau Nochten bis auf Weiteres für den Besucherverkehr gesperrt

Kurzarbeitmodelle für Teilbereiche

3. April: Als unmittelbare Folge der Auswirkungen der Corona-Krise muss die LEAG ab April Mitarbeiter der Veredlung, der Ausbildungsbereiche, des Konferenzzentrums Spreewald in Lübbenau sowie Kollegen der TSS vorübergehend in Kurzarbeitsmodellen beschäftigen. Alle Infos dazu in der Pressemitteilung.

Verlängerung der Schließung des Konferenzcenter

2. April: Da aktuell noch keine Entspannung hinsichtlich der COVID-19-Pandemie abzusehen ist, wird das Konferenzcenter Spreewald bis zum 3. Mai 2020 für das Ausrichten von Seminaren, Beratungen und Veranstaltungen weiterhin geschlossen bleiben. Seminare, Beratungen und Veranstaltungen im Zeitraum bis 3. Mai 2020 werden storniert. Betroffene erhalten eine Information per E-Mail. Das Team der Weiterbildung ist zu den gewohnten Zeiten erreichbar.

Ausbildung läuft weiter mobil

31. März: Die Schließung der Ausbildungsstätten Schwarze Pumpe, Jänschwalde und Lippendorf wird vorerst bis 19. April verlängert. Die betroffenen Azubis lernen weiter mobil von zu Hause aus, virtuell betreut durch ihre Ausbilder. Gleichzeitig werden die zwischenzeitlich ausgesetzten Gespräche mit Bewerbern für das neue Ausbildungsjahr 2020 fortgesetzt, jetzt allerdings per Telefon- oder Videokonferenz

Anlieferung von Ethanol. Die einzelnen Komponenten des Desinfektionsmittels werden bei der LEAG zusammengefügt, Foto: LEAG

Desinfektionsmittel selbst hergestellt

Freitag, 27. März: Desinfektionsmittel ist in diesen Zeiten schwer zu bekommen. Das spürt auch das Energieunternehmen LEAG. Um seine Mitarbeiter an ihren betrieblichen Einsatzorten ausreichend zu schützen und damit die Versorgung mit Strom und Wärme für die Bevölkerung sicher zu stellen, hat die LEAG begonnen, Handdesinfektionsmittel selbst herzustellen. Am 27. März lieferte das Industrieunternehmen Südzucker Zeitz mit Unterstützung der Tochter TSS-Logistik Bio-Ethanol an die LEAG. Die Werkfeuerwehr stellt nun nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation WHO Handdesinfektionsmittel her, das an die Lausitzer Standorte des Unternehmens und das Kraftwerk Lippendorf geliefert wird.

Ernstfall vorbereitet

Die Carepakete für den Ernstfall sind bereits gepackt und stehen bereit, Foto: LEAG

Montag, 23. März: Die Zahlen der Corona-Verdachtsfälle innerhalb der LEAG-Belegschaft sind mit 129 zum ersten Mal rückläufig, die Fallzahlen liegen bei zwei betroffenen Mitarbeitern. Die ersten 57 Kollegen kehren aus Quarantäne und betrieblicher Freistellung an ihren Arbeitsplatz zurück.

In allen Kraftwerken und Tagebauen sind die Notunterkünfte für den Fall eingerichtet, dass zwei Schichtbesetzungen zur Sicherung der kontinuierlichen Stromversorgung im Kraftwerk bleiben müssen. In Jänschwalde stehen dafür 90 Betten, in Schwarze Pumpe 40 Betten, in Boxberg 80 Betten und in Lippendorf 50 Betten zur Verfügung.  Für den Ernstfall sind auch Carepakete, unter anderem mit Duschgel, Zahnbürste, Zahnpasta und Handtuch gepackt. 

Ausbildungsstätten geschlossen

Dienstag, 17. März:  So wie die Schulen in Brandenburg und Sachsen werden auch die Ausbildungsstätten der LEAG, die sich direkt an oder in den Betriebsstandorten Schwarze Pumpe und Jänschwalde in der Lausitz sowie in Lippendorf in Mitteldeutschland befinden, vorsorglich geschlossen, zunächst bis Ende März. Betroffen sind davon vor allem unsere Auszubildenden des 1. und 2. Lehrjahres, die noch nicht so stark in die praktischen Arbeitsprozesse im Unternehmen eingebunden sind. Aber auch Azubis aus den älteren Ausbildungsjahrgängen, die bereits an Arbeitsorten im Unternehmen eingesetzt sind, werden zum Teil vorsorglich von dort abgezogen.

Die vorbeugende Pause der Ausbildungsstätten bedeutet keine Corona-Ferien für die betroffenen Azubis. Sie haben Hausaufgaben beziehungsweise Übungen zur Prüfungsvorbereitung mitbekommen. Auch digitale Lernplattformensollen genutzt werden, wie sie bereits an einigen Gymnasien eingesetzt werden. Dazu müssen diese Plattformen mit zusätzlichen, ausbildungsbezogenen Aufgaben „beladen“ werden.

Ein kurzer Gesundheitscheck am Kraftwerkseingang wie hier in Jänschwalde gehört zu den vorbeugenden Maßnahmen bei der LEAG, Foto: LEAG

Fahrgemeinschaften im Fokus

Montag, 16. März:  An allen Tagebauen wird begonnen, die Transporte zur Schicht so gut wie möglich zu entzerren. Das heißt: mehr Fahrzeuge kommen zum Einsatz, die kleinere Gruppen zum Arbeitsort befördern, so dass jeder zum anderen den Mindestabstand einhalten kann.

Alle Mitarbeiter der LEAG werden aufgefordert, bereits auf dem Weg zur Arbeit mögliche Ansteckungsrisiken auszuschließen. Fahrgemeinschaften sollen bis auf Weiteres unterbleiben

Vorsichtsmaßnahmen im Betrieb

Hinweisschilder sind an allen Betriebstätten gut sichtbar angebracht, Foto: LEAG

Donnerstag, 12. März: Um auch beim Auftreten weiterer Infektionsfälle innerhalb der Belegschaft eine ununterbrochene Versorgung der drei Lausitzer Kraftwerke Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg mit Braunkohle aus den benachbarten Tagebauen sicherzustellen, reagiert der unternehmenseigene Eisenbahnbetrieb mit einer Dezentralisierung der Fahrdienstleitung auf kleinere, voneinander getrennte Gruppen in den Stellwerken.

Auch in den Kraftwerken werden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Bis auf Weiteres bleibt die personelle Besetzung der drei Schichten auf das jeweils gleiche Team fixiert, und damit auch das Risiko einer möglichen Infektion. Ein Austausch von Mitarbeitern zwischen verschiedenen Schichten soll nicht mehr stattfinden. Für den Fall, dass eine Schicht trotz der Vorsichtsmaßnahmen von einer Corona-Infektion betroffen sein sollte, werden Vorkehrungen dafür getroffen, dass im Zweischichtsystem (je zwölf Stunden statt bislang drei mal acht Stunden) gearbeitet werden kann und die sich abwechselnden Besetzungen im Kraftwerk bleiben.  

Auch im Stromhandel, der IT, der Entwässerung, den Feuerwehren und weiteren kritischen Funktionen sind entsprechende Notfallpläne und -besetzungen aktiviert worden.   

Besucherverkehr eingestellt

Montag, 9. März: Die LEAG stellt auf unbestimmte Zeit den Besucherverkehr in Tagebaue und Kraftwerke in der Lausitz und Mitteldeutschland ein. Vorübergehend für die Öffentlichkeit geschlossen werden ebenfalls die Besucher- und Informationszentren an diesen Standorten. Ziel ist es bereits zu diesem Zeitpunkt, mögliche Übertragungen des Virus von außen in die Betriebe einzudämmen.

Dienstreisen in Corona-Risikogebiete werden bis auf Weiteres untersagt.

Alle Mitarbeiter, für die das möglich ist, sollen ihre Arbeit mobil von zu Hause aus fortsetzen. 

 

Veranstaltungen bis auf weiteres abgesagt

Mittwoch 11. März: Die geplante feierliche Zeugnisübergabe für 137 Winterauslerner im Barbarasaal in der LEAG-Hauptverwaltung fällt aus, weil das Risiko von gegenseitiger Ansteckung in einer solch publikumsstarken Veranstaltung zu groß ist. Gleichzeitig sagt das Unternehmen auch das für den 19. März geplante Freundschaftsturnier mit Eishockey-Mannschaften der LEAG, des tschechischen Gesellschafters EPH und von Geschäftskunden der LEAG in der Eisarena der Lausitzer Füchse in Weißwasser ab. Weitere Veranstaltungsabsagen werden folgen.

Die Vorsorge ist allgegenwärtig. Am Kraftwerk Jänschwalde empfängt alle Beschäftigten dieses Hinweisschild, Foto: LEAG

Erste Coronaerkrankung

Desinfektionsmittel steht an allen Standorten bereits, Hygiene ist das A und O, Foto: LEAG

Samstag, 7. März: Das Corona-Virus erreicht die Lausitz. Unter den ersten nachgewiesenen Infektionsfällen befindet sich auch ein LEAG-Mitarbeiter, der seinen Arbeitsplatz am Standort Industriepark Schwarze Pumpe hat. 21 Personen, die mit ihm am Arbeitsort Kontakt hatten, werden umgehend identifiziert. Sie müssen sich auf Anordnung des Gesundheitsamtes in den folgenden 14 Tagen in Quarantäne aufhalten. Wer wiederum mit diesen Mitarbeitern Kontakt hatte, wird von seinem Betriebsleiter in eine vorsorgliche betriebliche Freistellung für ebenfalls 14 Tage geschickt. So lange dauert die Karenzzeit für den möglichen Ausbruch einer Corona-Infektion. Bleiben die betroffenen Mitarbeiter in dieser Zeit frei von Symptomen, können sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

An alle Mitarbeiter ergeht die Aufforderung, sich bei einer Rückkehr nach einem Aufenthalt in einem der ausgewiesenen Corona-Risikogebiete, ihren Arbeitsort nicht unmittelbar wieder aufzusuchen. Sie sollen sich bei ihrem Betriebsleiter melden und sich von der Arbeit freistellen lassen.

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Autor

Thoralf Schirmer

Nachdem ich 20 Jahre als Lokaljournalist in der Lausitz gearbeitet habe, kam ich 2011 als Pressesprecher ins Unternehmen. Seitdem begleite ich alle Themen aus der Region zusammen mit meinem Team.

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