07.09.2017

"Gemeinsam mehr erleben" - so lautet das Motto der Bildungsstätte der Brandenburger Sportjugend. Die 99 jungen Leute, wegen denen ich mich auf den Weg nach Blossin im Landkreis Dame-Spree gemacht habe, wollen diese Gemeinschaft erst einmal herstellen.

Es sind junge Leute zwischen 16 und 29, die einen Ausbildungsvertrag mit der Lausitz Energie Bergbau AG abgeschlossen haben. Sie wollen einen kaufmännischen Beruf ergreifen, ein BA Studium absolvieren oder Elektroniker für Betriebstechnik, Industriemechaniker und Mechatroniker werden. Außerdem sind neun künftige Kaufleute für den Kraftwerksbereich dabei. Für die Mehrzahl ist es die erste Ausbildung. Aber es sind auch elf Frauen und Männer darunter, die schon einmal eine Ausbildung begonnen oder abgeschlossen haben.

Für eine Woche das Zuhause für 99 Auszubildende – die Bildungsstätte der Brandenburgischen Sportjugend. Foto: LEAG

Am Wolziger See scheint die Sonne, die Boote schaukeln im Wasser, es ist idyllisch still. Das ändert sich bestimmt gleich in den Seminarhäusern, bin ich mir sicher. Irrtum. Selbst mit dem Ohr an einer der Türen kann ich kaum etwas hören. Habe ich mich im Haus geirrt?

Sebastian Groß, Ausbilder für Elektronik und Elektrotechnik bei der LEAG, mit dem ich hier verabredet bin, lacht. "Unsere Neuen nehmen die Einführungswoche sehr ernst und arbeiten sehr diszipliniert mit." Er erzählt mir auch, dass diese gemeinsame Woche eine lange Tradition hat. Die Auszubildenden sollen sowohl einander als auch ihre Ausbilder kennenlernen, wenn alles gut läuft, schon ein Team werden. "Zusammen sitzen, quatschen, Sport treiben", fasst es Groß vereinfacht zusammen und "möglichst viel erfahren, was für den Start ins Berufsleben erforderlich ist." 

Was man wissen muss für einen guten Start ins Berufsleben 

Die Industriemechaniker David Balk (li.) und Paul Steffin sind Mitglied im Förderkreis und wollen die Neuen fit für den Dialog machen. Foto: LEAG

Was das ist, verrät der Seminarplan auf den ersten Blick: Arbeitssicherheit, Teamarbeit, Soziale Netze, Mitbestimmung und Erste-Hilfe-Kurs. Dazu Seminare, in denen das Unternehmen LEAG mit seiner Strategie, seinen Strukturen, seiner Ausbildung vorgestellt wird. Dass jeder hier auch mit seiner künftigen Arbeitskleidung ausgestattet wird, gehört dazu.

Zu einer der Besonderheiten der Ausbildung gehört der Förderkreis, für den Auszubildende mit besonders guten Leistungen vorgeschlagen werden. Die künftigen Industriemechaniker David Balk und Paul Steffin sind zwei davon und leiten hier in Blossin ein Seminar. "Fit für den Dialog" heißt es. Ich bin dabei, als sie mit einem Team künftiger Elektroniker für Betriebstechnik über die Themen Energieerzeugung, Energiewirtschaft und Umwelt diskutieren. 

Ob sie sich vor Beginn der Ausbildung schon einmal Gedanken darüber gemacht hat, dass bei der LEAG auch kritische Diskussionen rund um die Braunkohle auf sie zukommen könnten, will ich von Maxi Lea Thieme - dem einzigen Mädchen in der Truppe - und den anderen wissen. Mitbekommen hätten sie die Diskussionen teilweise schon, erklären sie mir. Es hätte ihre Entscheidung für die Ausbildung aber nicht beeinträchtigt.              

Was auch dazu gehört zum Berufsleben

"Welche Aufgaben hat ein Betriebsrat?" Die Antworten auf diese und andere Fragen erarbeiten sich Maxi Thieme und ihr Mitschüler. Foto: LEAG

Ein anderes Thema hat für die Auszubildenden vor Blossin bisher noch keine Rolle gespielt. "Mitbestimmt" heißt das Seminar, in dem es um das Betriebsverfassungsgesetz, die Aufgaben von Betriebsräten und Gewerkschaften geht.

Es wird unter anderem von der Betriebsratsvorsitzenden Heike Passeck, IG BCE-Vertretern und Mitgliedern der Jugendauszubildendenvertretung (JAV) bestritten. "In der Schule wird so etwas nicht thematisiert", bekomme ich übereinstimmend aus der Runde zu hören.  

Streitigkeiten in Gruppen haben hingegen alle schon einmal erlebt. Wie man lernt, andere besser zu verstehen, andere Meinungen zu akzeptieren und Konflikte friedlich auszutragen, darum geht es gemeinsam mit einer Psychologin im Seminar "Ich + Wir".  Maxi Thiemes Eindruck: "Das war richtig gut. Ich werde künftig besser darauf achten, was ich sage und tue und wie das bei meinem Gegenüber ankommen kann."

99 junge Leute hören gebannt, was der LEAG-Personalvorstand ihnen zu sagen hat. Foto: LEAG

Was man heute schon sagen kann über das zukünftige Berufsleben

Yan Russ wüsste gern, ob er nach der Ausbildung eine Chance hat, von der LEAG übernommen zu werden. Foto: LEAG  

Nach dem gemeinsamen Mittagessen – "endlich mal keine Nudeln, wie an den anderen Tagen", lacht Maxi – geht es ins Forum. Als Gäste sind heute der LEAG-Personalvorstand Dr. Ing. E.h. Michael von Bronk, Ausbildungsleiter Axel Ziller und – schon erwähnt – Heike Passeck nach Blossin gekommen. Für von Bronk ist der Besuch bei der Einführungswoche Tradition. Er will jedes Mal selbst einen Eindruck gewinnen, wer die jungen Leute sind, die ab jetzt zu uns gehören. Anderthalb Stunden dauert das Forum, in dem der Personalchef seine Erwartungen an die Auszubildenden schildert und ganz besonders hervorhebt, dass die Arbeitssicherheit für ihn ein hohes Gut ist. "Da bin ich unerbittlich", macht er deutlich. 

Maxi Thieme ist das einzige Mädchen in ihrer Klasse. Foto: LEAG

In der abschließenden Fragerunde bricht Yan Russ, der Mechatroniker werden will, den Bann und stellt die erste Frage. Er möchte wissen, ob er eine Chance hat, nach der Ausbildung übernommen zu werden. Ähnliche Fragen folgen – auch solche zu Entwicklungsmöglichkeiten bei der LEAG nach der Ausbildung. Der Personalvorstand antwortet sehr offen: Das Unternehmen habe einen Fachkräftebedarf, dennoch könne nicht jeder übernommen werden. Tariflich vereinbart seien je 30 junge Leute ab 2020.

Das ist eine Tatsache, die den einen oder anderen im Saal nachdenklich stimmt und im besten Fall zu Höchstleistungen anspornen wird. Auf einem Arbeitsmarkt, auf dem Fachkräfte hart umkämpft sind, hätten die Jungfacharbeiter mit der LEAG-Ausbildung in der Tasche später beste Chancen, fügt von Bronk hinzu. Die meisten – auch Maxi Thieme – beeindruckten seine klaren ehrlichen Worte. Er hätte an keiner Stelle "wie ein typischer Manager" auf sie gewirkt. Zum Abschied singen die 99 mit ihm das Steigerlied. Ich staune: Das klappt schon gut am dritten gemeinsamen Tag. Und ich hatte es für einen Spaß gehalten, als mir Maxi auf die Frage, was sie abends so macht in Blossin, erklärt hat, sie lerne das Steigerlied.         

Brett an Brett einen vorgegebenen Parcours ablaufen. Am Anfang "klemmt" es noch etwas. Foto: LEAG

Bremslüfter, wie sie in Tagebaugroßgeräten verbaut sind, gab es in Bronze, Silber und Gold für die Siegerteams. Foto: LEAG

Apropos Steigerlied. Das wird beim anschließenden Sportfest noch wichtig. Hier geht es nämlich nicht darum, wer am schnellsten läuft und am höchsten springt. Vielmehr werden die gewinnen, die sich als Team am besten zusammengefunden haben.  Beweisen können sie das unter anderen beim Durchhula (hier gilt es möglichst schnell durch einen etwa einen Meter über dem Boden hängenden Hulahoop-Reifen zu klettern), beim Brettspiel, bei der Annemarie Polka, beim Nagelbaum und beim Singen des Steigerliedes.

In der Vergangenheit waren meist die Kaufleute die Gewinner. 2017 heißen die Sieger "MT17 DQ" – eine Mechatroniker-Klasse. Sie können den goldenen Bremslüfter mit nach Hause nehmen.

Ich mache mich wieder auf den Weg nach Hause. Die Boote schaukeln im Wasser, es ist idyllisch still.  Die künftigen Bergleute und Kraftwerker sitzen in ihren Zimmern zusammen und bereiten die Präsentationen vor, die sie am Abschlusstag der Einführungswoche halten wollen. "Besser rechtzeitig damit anfangen", hatte Maxi Thieme mir den Eifer erklärt.

Übrigens: Die weiteren Azubis der Lausitz Energie Kraftwerke AG lernten sich und ihre Ausbilder in der letzten Augustwoche im sächsischen Seifhennersdorf kennen. 2017 haben insgesamt 192 junge Leute bei der LEAG ihr Berufsaufsbildung begonnen.

 

Die Azubis der Lausitz Energie Kraftwerke. Foto: LEAG  

 

Weitere Information zum Start des neuen Ausbildungsjahrgangs finden Sie in unserer Pressemitteilung

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Autor

Elvira Minack

Nachdem ich über 30 Jahre als Pressesprecherin und verantwortliche Redakteurin in Ostbrandenburg und in Franken gearbeitet habe, kam ich 2009 ins Unternehmen. Seit dem Herbst 2017 arbeite ich in der externen Kommunikation. 

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