15.08.2017

zur Person

Thomas Schumann

Nach dem Chemiestudium in Zittau habe ich im Jahr 2006 meine berufliche Karriere als Trainee im Entwässerungsbetrieb gestartet. Jetzt bin ich als Prozessingenieur für das Projektgeschehen in unseren Grubenwasserbehandlungsanlagen verantwortlich. Im vorigen Jahr wurden unter meiner Regie in der GWBA Schwarze Pumpe neue Aufbereitungsanlagen zur Neutralisation und Eisenabtrennung errichtet und in Betrieb genommen.
Die Erneuerung des Zuleitungssystems der GWBA ist mein bisher größtes Projekt. Ich bin hier seit 2013 „Berufener Projektleiter“. Die größte Herausforderung auf dieser Baustelle ist der knapp bemessene Platz und die Tatsache, dass wir bei laufendem Betrieb bauen. Noch bis zum Sommer 2019 trage ich hier die Verantwortung.

 

Für den Außenstehenden ist es ein Labyrinth aus Rohrleitungen, Kanälen, kreisrunden Wasserbecken, verschieden großen Bauwerken. Für den 36-jährigen Thomas Schumann ist es das bisher größte Projekt. Er führt mich über die Baustelle auf der Grubenwasserbehandlungsanlage (GWBA) in Schwarze Pumpe.

"Die GWBA in Schwarze Pumpe ist eine von sieben im Lausitzer Revier", erklärt Thomas Schumann. "Seit 1959 ist sie in Betrieb und hat eine Kapazität von 140 Millionen m³ pro Jahr." Sie bereitet die Vorfeld- und Randriegelgewässer der Tagebaue Nochten und Welzow-Süd, Sümpfungswasser der LMBV sowie Grundwasser aus der Fassung Groß Luja bei Spremberg auf, erzählt mir der studierte Chemiker bei meinem Besuch. "So arbeiten andere GWBA auch", erläutert Schumann. Was die in Schwarze Pumpe von den anderen unterscheide, sei die Tatsache, dass sie diese Wässer nicht nur für die Abgabe in die Vorfluter aufbereitet. In Schwarze Pumpe werden auch Trink- und Brauchwasser hergestellt. "Das Brauchwasser – oder besser gesagt Prozesswasser – nutzen Unternehmen im gleichnamigen Industriepark und das LEAG-Kraftwerk vor Ort. Trinkwasser geht zum Beispiel nach Senftenberg oder Weißwasser. Wässer, die nicht genutzt werden, gehen in die  Spree zur Stützung des überregionalen Wasserhaushaltes", erklärt der Fachmann.

10 Millionen Euro für die Verjüngung der Anlage

Die trotz ihres Alters noch immer zuverlässig arbeitende Anlage wird unter Schumanns Leitung einer großen Verjüngungskur unterzogen. 10 Millionen Euro investiert die LEAG dafür. Hauptauftragnehmer ist die Firma Glass Ingenieurbau aus Markleeberg bei Leipzig. Drei große Bauwerke – die Sammelzubringer West und Ost und das Zusammenführungsbauwerk inklusive Mischgerinne – werden die Sachsen errichten. Alles passiert bei laufendem Betrieb und auf engstem Raum.

Drei große Bauwerke entstehen für die GWBA Schwarze Pumpe. Grafik: VertUm GmbH

Effizientere Technologien werden eingesetzt

Baufreiheit schaffen: Der Keller der alten Kalkmilchaufbereitungsanlage aus dem Jahr 1957 muss weichen, damit der Sammelzubringer Ost entstehen kann, Foto: FINDEISEN

Doch es entstehen nicht einfach nur neue, modernere Anlagen. „Wenn wir schon neu bauen“, erklärt der Projektverantwortliche, „nutzen wir die Möglichkeit, effizientere Technologien einzusetzen. Wir bauen zum Beispiel eine Entgasungsanlage zum Austreiben des CO2 auf", fährt er fort.  Die sei vor allem für die Teilströme aus dem Tagebau Welzow-Süd wichtig. Für Letztere werden bisher nur Oberflächenbelüfter zur CO2-Reduktion eingesetzt. Jetzt kommt eine sogenannte Kaskadenbelüftung hinzu. Mit dieser zusätzlichen Stufe kann eine größere Menge Kohlendioxid ausgetrieben werden. "Wir müssen im Aufbereitungsprozess weniger Kalkmilch als bisher zur Neutralisation einsetzen. Dadurch wird das aufbereitete Wasser weniger hart", benennt der Chemiker die Verbesserung. "Das kommt dem Kühlkreislauf im Kraftwerk Schwarze Pumpe zu Gute. Das Wasser kann öfter als bisher genutzt werden."

Im Baubüro der Firma Glass zeigt Schumann die Baupläne. 6,30 Meter hoch wird der Sammelzubringer West künftig über dem Gelände zu sehen sein. "Der neue Sammelzubringer Ost wird nicht so imposant. Seine neun Meter Gesamthöhe mit dem trichterförmigen Rundsandfang 'verschwinden' zu mehr als zwei Dritteln in der Erde."

Der Rundsandfang des Sammelzubringers Ost "verschwindet"  zu zwei Dritteln in der Erde. Foto: FINDEISEN

Bevor wir unseren Rundgang fortsetzen, erfahre ich noch, dass auch der technologische Ablauf für die Wässer aus dem Tagebau Nochten ein anderer ist. Das liegt daran, dass die Wässer aus Nochten unterschiedlich mineralisiert sind und in zwei getrennten Strömen, die unterschiedlich behandelt werden, in der GWBA ankommen.

Alles bei laufendem Betrieb

Für die CO2-Ausgasung genügen hier wenige Kreiselbelüfter. Und nur einer der beiden Ströme wird dort behandelt. Der andere durchläuft lediglich den Rundsandfang zur Vorreinigung. "Letztendlich", so der Projektleiter, "kommen die so vorbehandelten Wässer aus Ost und West im neuen Zusammenführungsbauwerk an. Wobei der Name nicht alles erfasst. Hier wird nicht nur zusammengeführt. Es wird gesteuert, Mittel zur Wasserbehandlung werden zugegeben, es wird gemischt und belüftet."

Hier endet das Bauprojekt für Schumann. Die Wege der vorbehandelten und neutralisierten Wässer führen in einen anderen Teil der Anlage. Dort warten weitere Prozessschritte auf sie, bevor sie letztendlich in vier verschiedenen Strömen die Anlage wieder verlassen.

Das Fundament für den Sammelzubringer West erstreckt sich über 70 Meter, Foto: FINDEISEN

Schumann fasst für mich die Dimension des ganzen Vorhabens noch einmal zusammen: "Wenn im Sommer 2019 die neuen Bauwerke in Betrieb gehen, werden 3.100 m³ Beton verbaut und 2.700 m Rohrleitungen verlegt worden sein." Bis dahin wird die Grubenwasserbehandlungsanlage keine Minute stillgestanden haben, denn auch das Umschwenken von Alt auf Neu – daran werden Schumann, seine Kollegen und die beteiligten Firmen alles setzen – wird ohne Unterbrechung des Aufbereitungsprozesses erfolgt sein.

Weitere Beiträge zum Thema Grubenwasserbehandlungsanlage:
Schlagabtausch der Wirtschaftsausschüsse im Revier

Sehen Sie auch den Beitag über das Projekt auf Lausitz Tv.

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Autor

Elvira Minack

Nachdem ich über 30 Jahre als Pressesprecherin und verantwortliche Redakteurin in Ostbrandenburg und in Franken gearbeitet habe, kam ich 2009 ins Unternehmen. Seit dem Herbst 2017 arbeite ich in der externen Kommunikation. 

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