16.07.2019
CARBON

Dieser Artikel erscheint auch in der aktuellen Ausgabe unseres Unternehmensmagazins. 

CARBON stellt diesmal im Fokus Zukunftsprojekte aus der Lausitz vor. Dazu gibt es jede Menge Lesenswertes aus dem Revier.

Die Geologie bestimmt die Technologie. Das gilt auch in der Lausitz, wo die Kohle gleichmäßig und nicht zu tief abgelagert ist. Ideal für die hiesigen Förderbrücken, welche die darüberliegenden Schichten abtragen, zur ausgekohlten Kippenseite transportieren und dort wieder verschütten – ein immer gleicher Rhythmus, in dem der Tagebau voranrückt. Doch Lagerstätten entstehen nicht am Reißbrett. Daher gehören Kessel- und Muldenstrukturen zum Lausitzer Flöz. Diese Absenkungen stören die gleichmäßige Vorwärtsbewegung. Um sie zu umgehen, verkürzen die Bergleute den Bereich, in dem sich die Förderbrücke bewegt, die sogenannte "Strosse". Ablaschung heißt dieser Vorgang. Was banal klingt, ist eine Herkulesaufgabe. 

Bandanlagen, Umlenkstationen, Rampen – alles wird umgesetzt oder neu angelegt. Der Tagebau wird umgeleitet und dafür braucht es viele Hände. So wie in Nochten. Ende März wurde hier die Strosse um 850 Meter verkürzt. Zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen, 100 Mann waren im Einsatz, 18 Tage stand die Grube still. Wir haben die beteiligten Gewerke gefragt: Was war euer Job?

 

 

Ralf Bretag, Andreas Vietz, Oliver Hoppe und Alexander Trell stehen hier stellvertretend für alle Mitarbeiter und Servicepartner der verschiedenen Gewerke, denn Bergbau geht nur zusammen, Foto: Andreas Franke für LEAG

Foto: Andreas Franke für LEAG

Aus- und Vorrichtung

Aufgabe: Material bewegen, be- und entladen, planieren, rückarbeiten, Gurte aus- und einziehen. 

Wer: Sieben Kranraupen, zwölf Planierraupen, zwölf Radlader im Dreischichtbetrieb, ca. 60 Mitarbeiter mit einem Servicepartner

"Ohne Hilfsgeräte geht nichts. Wir sind überall mit dabei. Allein für das Planieren der Rampen haben wir 100.000 Kubikmeter Erdmassen bewegt." 

Ralf Bretag, Steiger Aus- und Vorrichtung

Foto: Andreas Franke für LEAG

Vulkanisation

Aufgabe: Die Gurte für die Bandanlagen, die Kohle und Abraum fördern, müssen wie Autoreifen zusammengeklebt und durch Hitze und Druck widerstandsfähig gemacht werden. Dieses Verfahren heißt "Vulkanisation". Die "Vulkis" trennen die alten Gurte auf und pressen die neuen zusammen. 

Wer: ca. zwölf Mitarbeiter mit zwei Servicepartnern

"Jede dieser Rollen wiegt 23 Tonnen! 258 Meter Gurtmaterial sind darauf gewickelt. Sie kommen aus China, Polen, Südafrika. Für die Ablaschung brauchen wir acht große und eine kleine, um über 2.200 Meter aufzubauen. Die halten dann zehn bis 15 Jahre."

Andreas Vietz, Vorarbeiter "Vulkis" Vulkanisateure

Foto: Andreas Franke für LEAG

Mechanik

Aufgabe: Die fünf Umlenkstationen der Bandanalge mit den zugehörigen 270 Tonnen schweren Antriebsstationen für ihren Transport vorbereiten. Drei fuhren selbst, zwei wurden über Module verfahren. 

Wer: acht Mitarbeiter mit zwei Servicepartnern

"Auf Bergleute ist Verlass und das revierweit. Während die Grube in Nochten umgebaut wurde, belieferten andere Tagebaue das Kraftwerk Boxberg." 

Oliver Hoppe, Steiger Mechanik

Foto: Andreas Franke für LEAG

Elektrik 

Aufgabe: Die neue Grube mit Strom versorgen, die alte Stromversorgung zurückbauen. 7,5 Kilometer Kabel (sechs Kilovolt), ein neues E-Haus und die Inbetriebnahme der Antriebsstationen standen auf der To-do-Liste.

Wer: 50 Mitarbeiter mit neun Servicepartnern

"Die letzte Ablaschung fand vor sechs Jahren statt. Keine alltägliche Aufgabe und eine, die es in sich hat. Da der Grubenbetrieb in Reichwalde normal weiterlief, mussten wir unsere regulären Aufgaben dort und die vielen Baustellen in Nochten miteinander abstimmen."

Alexander Trell, Steiger Elektrik

Highlights auch als Videos

Video: Marcel Rust

Nicht nur die Bandanlagen, die Kohle und Abraum transportieren, zogen mit um, sondern auch fast 300 Tonnen schwere Umlenk- und Antriebsstationen. Neue Rampen mussten her, die Elektrizitätsversorgung ab- und aufgebaut werden – einige Highlights des Megaprojektes gibt es auch als Video, gesammelt in der Onlineausgabe der Carbon

Hier ein Vorgeschmack: Das Rücken einer der vier Bandanlagen. Dazu wurden die Kranraupen in die Rückschiene der Bandanlage eingespannt. Dann fuhren sie parallel zu ihr und zogen sie Stück für Stück an ihre neue Position – pro Fahrt rund einen halben Meter, den sogenannten „Span“.  Zehn Stunden dauerte es, um drei Kilometer Bandanlage zu versetzen, davon die Hälfte nach unten. Neben der Aus- und Vorrichtung waren daran auch die Elektriker beteiligt.

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Autor

Kristina Strehle

Ich bin gebürtige Lausitzerin mit familiärer Bergbautradition. Nach meinem Studium der Kultur- und Medienwissenschaften in Frankfurt (Oder), Mexiko Stadt und Berlin folgten Arbeitsaufenthalte in Südafrika und Bangladesch. Mein Thema: Entwicklungszusammenarbeit. Dann ging es für mich „zurück zu den Wurzeln". Meine Haltestationen in Cottbus: das osteuropäische Filmfestival, eine Opernproduktion des Staatstheaters und der Lehrstuhl Energieverteilung und Hochspannungstechnik an der BTU. Seit Oktober 2016 bin ich nun in der internen Kommunikation der LEAG „sesshaft“.

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