16.12.2015

Chopins Prélude op. 28 Nr. 4 in e-Moll verbindet sich mit den Sonnenstrahlen eines Spätherbsttages zu einer atmosphärischen Vorstellung im großen Konferenzsaal der Cottbuser Bergbauzentrale. Auch wenn die Akustik des Raumes nicht perfekt ist, wirkt der Klang wie ein Türöffner. Zwischen Instrument und Publikum – allesamt Teilnehmer einer Projektmesse des Bergbauunternehmens – schreitet Evan Christ, Generalmusikdirektor des Staatstheaters Cottbus, auf und ab. Er erzählt von seinen Erfahrungen in der Leitung von Orchestern und projiziert diese mühelos auf die Teamleitung und -motivation in Großunternehmen: Ein Impulsvortrag der anderen Art.  

Evan Christ, Generalmusikdirektor des Staatstheaters Cottbus, Foto: LEAG

„Jeder hat ein fantastisches Gehör, doch ein jeder für seine Lieblingstöne und leider viel zu wenige Menschen für klassische Musik“, konstatiert Evan Christ, nachdem er seine erste Partitur beendet hat. Der 45-jährige ist Musiker mit Leib und Seele.

Aufgewachsen in einem hoch musischen Elternhaus stieg er unmittelbar nach seinem Studium in Harvard auf die Podien der deutschen Konzertsäle in Leipzig und Würzburg, weil er die Kulturlandschaft und musikalische Tradition des Landes als einzigartig empfindet.

Heute zählt er zu den führenden Dirigenten seiner Generation. Das Geheimnis seines Erfolges liegt nicht zuletzt, wie er ohne Umschweife zugibt auch in seinem „Team“, dem Orchester. Seine Fähigkeit, durch Motivation zu Höchstleistungen zu bewegen, ist neben dem Dirigieren und Komponieren das, was ein Team-Manager gern als Key-Factor bezeichnet.

Mit Lob zum Erfolg

„Jeder will zu einer Gewinner-Mannschaft gehören, das gilt gleichermaßen im Team wie auch in einem Orchester“, so Christ. Entscheidend seien dafür in der Musik wie im Arbeitsleben drei Dinge: Konkrete Ziele, der Aufbau von Spannung durch die richtige Kombination und nicht zuletzt Lob. Letzteres fällt dem in Los Angeles geborenen Musiker und Dirigenten aus eigener Erfahrung deutlich leichter als den Deutschen. Entscheidend ist dabei für ihn nicht nur die Qualität des Erbrachten, sondern der Einsatz selbst. Für diese amerikanische Mentalität erntete er zunächst vor allem Zweifel und Misstrauen, nachdem er das Orchester des Staatstheaters Cottbus 2008 übernahm.

Evan Christ vor dem Auditorium im Konferenzsaal, Foto: LEAG

Unbeirrt und engagiert dirigierte Christ sein Team trotzdem kurzerhand zum Erfolg. Bereits 2011 heimste das Ensemble den renommierten Preis des Deutschen Musikverleger-Verbandes e. V. (DMV) für das beste Konzertprogramm ein.

Neben technischer Exzellenz war es immer sein Anspruch, die Seele seines Teams zu erwecken. Dies ist ihm zweifelsohne gelungen. Inzwischen ist Evan Christ schon in der achten Spielzeit Generalmusikdirektor am einzigen Staatstheater Brandenburgs in Cottbus.

Motivation durch Streben nach Perfektion

Die höhere Manager-Kunst besteht darin, die Motivation eines Teams dauerhaft zu bewahren und immer wieder aufs Neue anzufeuern. Dies gelingt nach Christs Ansicht nur mit dem Drang nach ständiger Verbesserung der eigenen Leistung.

Als Amerikaner kommt ihm sogar die Phrase „Streben nach Perfektion“ völlig arglos über die Lippen. Und dabei wirkt er keinesfalls unsympathisch oder verbissen. Sein spürbarer Ehrgeiz in allen Dingen, die ihm wichtig sind, wird nur durch die Leichtigkeit übertroffen, mit denen er Menschen begegnet. Musikalisches Genie und einfühlsames Erwartungsmanagement on top.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im Vattenfall Blog

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Autor

Mareike Huster

Seit mehr als 15 Jahren ist das Lausitzer Revier meine Heimat – Privat und im Dienst. Themen, die bewegen - Geschichten, die erzählt und Menschen, die einfach vorgestellt werden müssen – das ist mein Job. Seit 2017 bin ich verantwortlich für die Kommunikation mit den rund 8000 Mitarbeitern der LEAG.

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