10.01.2019

Dr. Klaus Freytag, Lausitzbeauftragter der brandenburgischen Landesregierung, vertritt die Interessen der Region in Potsdam und Berlin. Der gebürtige Kölner kam 1993 aus dem Rheinland in die Lausitz und lebt mit seiner Familie in Cottbus. Als ehemaliger Präsident des brandenburgischen Landesbergamtes ist er bestens mit den Potenzialen des Lausitzer Reviers vertraut und wirbt beim Thema Strukturwandel für mehr Risikobereitschaft.

Die Lausitz ist vom Bergbau geprägt, der Industriezweigt bringt Geld in die Dörfer und Städte, deshalb protestieren nicht nur LEAG Mitarbeiter gegen einen schnellen Ausstieg wie hier am 10.11.2018, Foto: Andreas Franke für LEAG

2015 wurden Sie als Abteilungsleiter in die Staatskanzlei nach Potsdam berufen. 2018 sind Sie als Lausitzbeauftragter zurückgekehrt. Was ist Ihre Aufgabe? Ministerpräsident Woidke hat die Zukunft der Lausitz zur Chefsache erklärt. Dafür bin ich vor Ort präsent, um mit regionalen Akteuren über Projekte und Initiativen zu sprechen und ihre Anliegen mit nach Potsdam und Berlin nehmen. Ich bin aber kein reiner „Kummerkasten“. Die Lausitz hat bereits mehrfach gezeigt, dass sie auch Veränderung kann und sich dabei jedes Mal zum Positiven entwickelt. Erfolgreiche Veränderungen brauchen eben Mut – den will ich hier säen.

„Kein Arbeitsplatz soll in der Lausitz verschwinden, bevor ein neuer entstanden ist“ – das haben Bundeskanzlerin und Bundeswirtschaftsminister zugesagt. Was braucht es, um dieses 1:1-Versprechen zu erfüllen? In erster Linie Zeit, damit diejenigen, die heute im Revier mitten im Berufsleben stehen, nicht ins Bergfreie fallen. Nur mit einem geordneten Ausstieg, wie es das Lausitzer Revierkonzept beschreibt, bekommen die Menschen Sicherheit für ihre aktuelle Lebensplanung.

Gleichzeitig müssen wir uns darum kümmern, wo die Kinder dieser Generation – die Azubis von heute und morgen – in Lohn und Brot kommen. Dafür werden wir den Bund in die Pflicht nehmen, denn die öffentliche Verwaltung ist nach wie vor ein großer Arbeitgeber. In diesem Punkt muss in Berlin gelten: Lausitz first. Genauso wie bei der Ansiedlung von Unternehmen.  Hier ist auch die Region gefragt. Zukunftsbranchen bieten überwiegend Arbeitsplätze mit hohem Innovations- und Spezialisierungsgrad. Mit diesem Fokus müssen wir jetzt in den regionalen Ausbildungszentren einsteigen.

Unsere Kollegin Mareike Huster führte das Interview mit Dr. Klaus Freytag in Cottbus, Foto: Andreas Franke für LEAG

Bis zu 1,5 Mrd.€ hat der Bund für die Strukturentwicklung der Reviere in Aussicht gestellt. Wie kann es eine sinnvolle Verteilung der Finanzhilfen geben? Fakt ist: Wer bestellt, muss auch zahlen. Pro Jahr können Kommunen und Projektträger bis zu 330 Millionen Euro abrufen, aber wer fordert, muss auch leisten. Geld, das in die Lausitz fließt, muss für nachhaltige und zukunftsfähige Projekte eingesetzt werden. Hier sind Unternehmen, Kommunen und Verbände als Träger gefragt, um diese zu finden. Da brauchen wir keinen Chor, sondern starke Solisten.

Industriegütertransport könnte ein Zukunftsfeld für die Region werden. Schon heute haben viele Unternehmen, auch die LEAG, hier Kapazitäten aufgebaut, Foto: Andreas Franke für LEAG

Parallel muss eine zukunftsfähige Infrastruktur für die Region enstehen: Breitband, ein zweites Bahngleis für die Verbindung Cottbus-Berlin, eine dritte Autobahnausfahrt. Die Genehmigungen dauern hier noch viel zu lang. Wenn sich die Prozesse nicht an das Tempo des digitalen Zeitalters anpassen, sind Zeit und Geld weg.

Für welche Zukunftsbranchen hat die Lausitz bessere Voraussetzungen als andere Regionen? Die Lausitz ist eine Energieregion, das soll sie auch bleiben. Ersatzkraftwerke und Großspeicher müssen hier gebaut werden, nicht in Bayern. Aus diesem energiewirtschaftlichen Regional-Profil ergeben sich letztlich auch weitere Ansätze.

In der Lausitz schneiden sich große Logistik-Verbindungsachsen zwischen Asien und Europa. Durch den Industriegüter-Transport im Revier haben wir die Grundlage für ein weiteres Entwicklungsfeld, denn große Logistikknoten ziehen weitere Investoren an.

Die Region hat aufgrund ihrer speziellen hydrologischen Situation – Bergbau und wenig Niederschläge – theoretische als auch praktische Erfahrung bei der Landschaftsgestaltung von Trockenzonen. Im „Klimareallabor Lausitz“ können die Kompetenzen von LEAG, BTU Cottbus-Senftenberg, dem Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften (FIB) e.V. Finsterwalde und weiterer regionaler Akteure gebündelt werden, um Lösungen für klimageografische Herausforderungen auf der ganzen Welt zu finden.

Egal in welchen Branchen wir uns weiterentwickeln wollen, die Grundvoraussetzung ist eine positive Haltung zum Gründen. Niemand wird in eine Jammerregion investieren.

 

 

 

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Autor

Mareike Huster

Seit mehr als 15 Jahren ist das Lausitzer Revier meine Heimat – Privat und im Dienst. Themen, die bewegen - Geschichten, die erzählt und Menschen, die einfach vorgestellt werden müssen – das ist mein Job. Seit 2017 bin ich verantwortlich für die Kommunikation mit den rund 8000 Mitarbeitern der LEAG.

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