04.09.2015

Sie ist allgegenwärtig, polarisiert und ist vermutlich eine der größten Herausforderungen des 20. Jahrhunderts – die Energiewende. Am 3. September fand an der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg der diesjährige Energietag des Landes Brandenburg statt. Experten und Entscheider sind noch immer auf der Suche nach dem gemeinsamen Weg.

Albrecht Gerber, Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg, sitzt nicht nur sprichwörtlich zwischen allen Stühlen auf dem Podium im großen Hörsaal der Cottbusser Universität. Neben ihm Kraftwerksvorstand Hubertus Altmann, links und rechts flankiert von Vertretern der Solarbranche und der Agora Energiewende. Doch Gerber hat eine feste Position und vertritt diese unbeirrt: „Deutschland kann auf absehbare Zeit nicht auf Braunkohle verzichten. Erst dann, wenn erneuerbare Energien eine sichere und bezahlbare Versorgung garantieren, wird das Ende der Kohle kommen.“

Ein Blick aufs Podium: David Wortmann, Dr. Gerd Rosenkranz, Hubertus Altmann, Albrecht Gerber, Annegret-Cl. Agricola und Michael Wübbels (v.l.), Foto: LEAG

Speicherforschung  und Netzausbau im Verzug

Der Moderator von der deutschen Umwelthilfe bringt schnell die Option Stromspeicher ins Spiel, deren Entwicklung im Land Brandenburg viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Inbetriebnahme des größten deutschen Batteriespeichers in Feldheim stehe laut Gerber kurz bevor. Mit 5 Mio. € wurde das Projekt vom Land subventioniert. Doch die Technologie bis jetzt nur in Einzelfällen im Einsatz und von der Marktreife und Wirtschaftlichkeit noch weit entfernt. Zu weit für das Land Brandenburg, das bereits heute die gesamtdeutschen Ausbauziele von 2025 erreicht hat. Trotz oder gerade wegen der leistungsstarken Braunkohlenmeiler drehen sich schon heute 3.300 Windkraftanlagen zwischen Prignitz und Lausitz. Neben der Herausforderung der Speicherung des volatil erzeugten Stroms aus den erneuerbaren Energiequellen könne der schleppende Netzausbau zum großen Fallstrick der Energiewende werden. In der Synchronisierung des Netzausbaus mit dem Zubau von erneuerbarer Erzeugung sieht daher Annett Agricola, Energiereferentin bei der Deutschen Energieagentur (dena) den notwendigen Korrekturbedarf des Energiewende-Konzeptes.

Bürger contra Energiewende

Fehlende Akzeptanz beklagten überraschenderweise die Windmüller – nicht wie vermutet die Braunköhler. Das aktuell laufende Volksbegehren „ Rettet Brandenburg“  ist nur eine von vielen Initiativen gegen die Errichtung von neuen Windkraftanlagen, die als  „Verspargelung der Mark“ kritisiert wird. Die Gründe für das Engagement der Bürger gegen den Ausbau lägen nicht nur in den steigenden Strompreisen, sondern den vielen dezentralen Erzeugungsstandorten in direkter Bürgernähe. Mangelnde Akzeptanz habe schon CCS – der Hoffnungstechnologie zur Abscheidung und –Speicherung von Kohlendioxid der Kohlewirtschaft und energieintensiven Industrie die Zukunftsperspektive gekostet, beklagen alle Referenten unisono. Ist der Bürger also ein Energiewendeverhinderer? Die Frage blieb wie viele andere im Raum stehen.

Interessant und gut besucht: Die Ausstellung zum 17. Energietag Foto: LEAG 

Flexibilität als Schlüssel zum Erfolg

Vattenfall versteht sich als fester Bestandteil des Energiewendekonzeptes. Dies unterstrich Kraftwerksvorstand Altmann. Trotz der noch offenen Frage der Wirtschaftlichkeit sei der Zubau von Erneuerbaren insbesondere im Land Brandenburg voll im Plan. Das stellt nicht nur die Netzbetreiber, sondern auch die Energierzeuger vor eine große technische Herausforderung: Die Flexibilisierung der eigentlich für den Dauerbetrieb ausgelegten Anlagen, um die schwankende Einspeisung der Erneuerbaren auszugleichen. Altmann stellt das flexGen-Programm vor und präsentiert seine flexiblen und effizienten Kraftwerke als „Top-Spieler“ in der Energiewendemannschaft. Von den Entscheidern fordert er mehr Flexibilität bei der bisher sehr starren Umsetzung des Energiewendekonzeptes. Unrealistische Zeitpläne und Zielkennzahlen seien kontraproduktiv, die Energiewende sei ein langfristiger Prozess mit ständigem Korrekturbedarf. Trotz unterschiedlichster Couleur stimmen dem alle Referenten der Diskussionsrunde zu. „Es kommt immer anders als man denkt“, bringt es Minister Gerber auf den Punkt.

 

Pausengespräche beim 17. Brandenburger Energietag Foto: LEAG

Innovation durch Kooperation

Den energieübergreifenden Schulterschluss stellte die BTU in den Fachforen des Energietages vor: das Planungsprojekt „Multi-Energie-Kraftwerk Sperenberg“ (MEKS). Hier wird derzeit die Idee eines speicherkombinierten Erneuerbaren-Energien-Kraftwerkes untersucht. Dieses soll mit Hilfe von Wind- und Sonnenenergie Strom erzeugen, der entweder direkt ins Netz einspeist oder in Form von Wasserstoff gespeichert wird. Dabei wird der produzierte Windstrom dazu genutzt durch Elektrolyse  Wasserstoff herzustellen. Bei Bedarf dient dieser dann als Kraftstoff für entsprechende Fahrzeuge, wird rückverstromt oder zur Wärmeversorgung in das Gasnetz  vor Ort eingespeist. „Das Projekt ist besonders interessant, weil wir uns gemeinsam mit dem Know-How aus den Bereichen  der Wasserstofferzeugung und des Gaskraftwerksbetrieb einbringen können“, erläutert Heiko Wuttke, Leiter Wind Development bei Vattenfall. „In der Projektumsetzung stehen wir allerdings noch am Anfang.“ Doch der Schritt ist erst mal gemacht.

Der Brandenburger Energietag ist eine Veranstaltung des Wirtschafts- und Energieministeriums unter dem Motto "Eine verlässliche Energieversorgung in Zeiten neuer Rahmenbedingungen sichern Herausforderungen und Chancen für Brandenburg". Experten diskutierten in vier Foren über die Rolle der Lausitzer Braunkohle für eine erfolgreiche Energiewende und die Perspektiven der erneuerbaren Energien.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im Vattenfall Blog

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Autor

Mareike Huster

Seit mehr als 15 Jahren ist das Lausitzer Revier meine Heimat – Privat und im Dienst. Themen, die bewegen - Geschichten, die erzählt und Menschen, die einfach vorgestellt werden müssen – das ist mein Job. Seit 2017 bin ich verantwortlich für die Kommunikation mit den rund 8000 Mitarbeitern der LEAG.

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